Blick auf Thalias Taktiktafel

Langjähriger Gestalter der Thalia-Geschicke: Michael Busch ist seit 1995 Geschäftsführer von Thalia (vormals Phönix-Montanus) und seit 2016 geschäftsführender Gesellschafter. (Foto: John M. John/Thalia)

„Welt, bleib wach“Kampagne, Shopdaheim-Plattform für den Handel, politische Statements, zuletzt u.a. zur Sonntagsöffnung: Michael Busch, Chef der marktführenden Buchkette Thalia Mayersche, präsentiert sich als Manager, der nicht nur das eigene Geschäft forciert, sondern auch branchenweite Initiativen anstoßen will. Das fällt auch international auf, zumal Thalia seit der Integration der Mayerschen sein europaweites Standing als große Buchhandelsnummer weiter ausgebaut hat.

Über die Entwicklung des Unternehmens und die Corona-Verwerfungen hat Busch jetzt bei der gemeinsamen Online-Ausgabe der Branchentreffs Digital Publishing Summit und Readmagine gesprochen.

Drei Szenarien für die weitere Planung

Auch Omnichannel-Händler Thalia, der mit dem besten Geschäftsjahr seiner Geschichte im Rücken ins Jahr 2020 gestartet war (s. Kasten unten), konnte demnach während der Wochen der Ladenschließungen die stationären Verluste nicht ausgleichen – trotz steiler Wachstumsraten im E-Commerce von teils 500% an einigen Tagen. Wie hart sich die Rückgänge auswirken werden, wird sich am Ende des Geschäftsjahres Ende September zeigen.

Thalia | Mayersche

Batheyer Straße 115–117, 58099 Hagen

Tel. (0 23 31)80 46-0 | info@thalia.de | www.thalia.de

Umsatz 1,2 Mrd €*
Mitarbeiter ca. 6000 (D+A)
Filialen ca. 350 (D+A), ca. 1900 SB-Verkaufsstellen in Nebenmärkten
Verkaufsfläche ca. 268.000 qm* (Vollbuchhandl., D+A)
Quelle: Die größten Buchhandlungen 2020

Für den gesamten Einzelhandel rechnet Busch mit diesen Entwicklungen:

  • Umsatzausfälle von 15–25% 
  • Risiko vieler Insolvenzen im 2. Halbjahr
  • Leerstände in den Innenstädten inkl. Auswirkungen auf die Mieten.

Weil mit den anhaltenden Corona-Unsicherheiten auch die weiteren Planungen schwerfallen, arbeitet Thalia Busch zufolge jetzt mit 3 Szenarien für den weiteren Verlauf der Krise, auf die es sich jetzt flexibel einzustellen gelte – etwas, was so vorher noch nicht praktiziert wurde und erst noch gelernt werden muss. Als konkrete Erkenntnisse aus der Krise nennt er fürs buchhändlerische Kerngeschäft u.a. diese Punkte:

  • Die Kundenbetreuung ist in den letzten Jahren stationär zu kurz gekommen.
  • Online-Services müssen klarer kommuniziert werden.
  • Die taggleiche Lieferung ist wichtiger denn je. Forciert werden sollen auch der Versand von der Buchhandlung aus sowie Click & Collect.

Als Großziele für 2025 stehen dagegen unverändert auf der Agenda, die Zahl der Nichtleser zu halbieren und die Kundenzahl zu verdoppeln.

Zudem soll im E-Commerce mit physischen Produkten der Thalia-Marktanteil von aktuell 12% auf ein ähnliches Niveau wie im Stationären (19,5%) und beim E-Book (24%) gebracht werden.

 

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im buchreport.express 24/2020, hier als E-Paper verfügbar und hier als gedruckte Ausgabe bestellbar.

Kommentare

1 Kommentar zu "Blick auf Thalias Taktiktafel"

  1. OHA – da musste ich soeben aber herzhaft lachen!

    Michael Busch konstatiert in der Thalia-Tiktaktafel als Erkenntnis aus dem ganzen Corona-Debakel also, dass die Kundenbetreuung in den letzten Jahren stationär zu kurz gekommen sei?

    Schön, wenn ihm im Nachgang einige eigene Defizite auffallen. Das beste Omnichanel-Geträller nützt eben nichts, wenn es nicht mit Inhalt gefüllt wird – Content nennt man dies wohl inzwischen auf diesen Managerebenen.

    Gerade während der Schließungszeit den Kunden die Türen vor der Nase zuzumachen und alternativlos nur Online anzubieten hat erwartbar offensichtlich nicht gereicht, um Umsätze halten zu können. Dieses Agieren ist besonders betrüblich, wenn man einbezieht, dass Amazon durch seinen Einkaufsstopp scheunentorgroße Freiräume für kreative Ideen geöffnet hatte. Diesen roten Teppich als Marktführer im Sortiment nicht gesehen zu haben, das tut weh und desavouiert die im Artikel erwähnte Ambition, sich als genereller Branchenratgeber positionieren zu wollen, auf eine traurige, aber dennoch köstlich amüsierende Art und Weise.

    In dieser Zeit übrigens zogen viele kleinere Sortimente einfallsreich Lieferdienste auf, strampelten Bücher ausliefernd durch die Gegend und waren da, wo sie hingehören – nämlich direkt und ganz nah beim Kunden. Omnichannel als Strategie permanent laut heraus zu posaunen ist das Eine, aber dumm ist es, wenn im entscheidenden Augenblick die Luft versagt. Denn Omnichannel praktisch in die Tat umzusetzen, dies ist das Andere. Und man munkelt, dass einige der kleineren und leiseren Posaunenspieler während der Schließungsphase (und danach) statt Verlusten sogar satte Umsatzsteigerungen hingelegt haben…

    Auf die Geschäftszahlen Ende September bei Thalia/Mayersche darf man in der Tat gespannt sein.

    Jens Bartsch
    Buchhandlung Goltsteinstraße in Köln

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