Volatile Stimmungslagen

Wie wirkt sich die Coronakrise auf die deutsche Wirtschaft und die Verbraucherstimmung aus? Zahlreiche Umfragen und Studien versuchen derzeit eine Antwort auf diese Frage zu geben.

Wie weitreichend die Folgen der Corona-Pandemie auf die Geschäfte deutscher Unternehmen sind, zeigt eine am vergangenen Freitag veröffentlichte Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter mehr als 10.000 Firmen aller Branchen. Trotz der weiteren Lockerungen bleibe deren Lage in der Coronakrise kritisch:

  • 60% der Betriebe leiden weiterhin unter einer gesunkenen Nachfrage, 43% unter stornierten Aufträgen.
  • 80% rechnen für das gesamte Jahr mit einem Umsatzrückgang, jeder vierte Betrieb befürchtet ein Minus von mehr als 50%.

Grafik: DIHK

Hinzu kommt laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer, dass die Auflagen für Gesundheitsschutz für die Unternehmen „deutlich mehr Aufwand bei höheren Kosten und weniger Umsatz“ bedeuten. Neben Investitionen in Schutzmaßnahmen gibt mehr als jeder dritte Betrieb an, auf eine verstärkte Digitalisierung im Unternehmen zu setzen (s. Grafik).

 

Zunehmende Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt

Aber auch Rationalisierung in Form von Einsparungen und Personalabbau sind ein Instrument zur Eindämmung der betriebswirtschaftlichen Folgen: Die Konjunkturumfrage des Ifo Instituts weist darauf hin, dass die Coronakrise zunehmend auf den Arbeitsmarkt durchschlägt. Allerdings variieren die Zahlen stark je nach Branche und Region:

  • Das Verlagswesen ist demnach mit 11% unterdurchschnittlich betroffen, im Einzelhandel insgesamt sind es 17%, bei Druckereien 30%.
  • Baden-Württemberg (22% der Firmen) und Bayern (20%) sind bundesweit am stärksten betroffen, die Region Saarland/Rheinland-Pfalz hat in der Umfrage die bislang niedrigste Krisenquote (11%).

Die zunehmende Unsicherheit bei der weiteren Entwicklung des Arbeitsmarktes ist einer der zentralen Gründe für die „deutliche Kaufzurückhaltung“ der Verbraucher, die der Handelsverband Deutschland (HDE) diagnostiziert: Das HDE-Konsumbarometer stürzt im Mai weiter ab. Trotz der ersten Lockerungen werde der private Konsum „noch sehr lange Zeit durch Zurückhaltung geprägt sein“, so das Fazit.

 

Verstärkter Medienkonsum auch nach der Coronakrise

Dass sich die Corona-Pandemie negativ auf die Kauflaune der Menschen auswirkt, ist auch Ergebnis der GfK-Studie „COVID-19 Consumer Pulse“:

  • Jeder dritte Befragte glaubt, dass sich seine finanzielle Situation in den nächsten zwölf Monaten verschlechtern wird.
  • Ein Drittel will künftig weniger Geld für den Kauf langlebiger Produkte wie z.B. Möbel, Autos oder Fernseher ausgeben.

Allerdings geht GfK-Expertin Petra Süpitz davon aus, dass die Verbraucher in nächster Zeit „sehr bedarfsorientiert“ einkaufen und aufgeschobene Käufe nachholen werden. Diese Prognose teilt auch die Studie „Die Zukunft nach Corona“ der Ad Alliance. Laut Umfrage des Bertelsmann-Vermarkters werde außerdem ein verstärkter Medienkonsum auch in der Zeit nach Corona beibehalten werden, insbesondere bei Büchern (86%) und Zeitschriften (85%). Auch Streaming-Angebote werden demnach häufiger genutzt. In einem weiteren Punkt sind sich die meisten Studien ebenfalls einig: Es wird mehr online eingekauft.

 

Wie die Coronakrise das Online-Shopping verändert

Die vorübergehenden Geschäftsschließungen im Einzelhandel haben dem E-Commerce noch einmal einen deutlichen Schub verliehen, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt:

  • 20% der Verbraucher geben an, seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie grundsätzlich mehr im Internet zu bestellen als vorher, 27% bestellen gleich viel.
  • 29% kaufen online weniger ein, was laut Bitkom sich dadurch erklärt, das fast jeder Internetnutzer (94%) auch Waren im Internet bestellt und sich eine generelle Konsumflaute auch im Online-Handel auswirke.
  • 55% der Befragten sind der Meinung, dass der Online-Handel eine zentrale Versorgungsfunktion einnimmt.
  • 66% kaufen insbesondere bei Einzelhändlern ihrer Region online ein, um ihnen die Treue zu halten.
  • Fast ebenso viele (65%) wünschen sich, dass mehr Einzelhändler in ihrer Region ein Online-Angebot machen.

Dass vor diesem Hintergrund die Krise für stationäre Händler auch Chancen biete, bestätigen die Marktforscher der GfK: Händler könnten verstärkt auch auf digitale Angebote setzen wie zum Beispiel Click & Collect, Online-Beratung, Lieferservices oder verschiedene Zahlungsmethoden schaffen.

Dieser Beitrag ist zuerst im buchreport.express 20/2020 erschienen, hier als E-Paper verfügbar und hier als gedruckte Ausgabe bestellbar.

Kommentare

Kommentar hinterlassen zu "Volatile Stimmungslagen"

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mit dem Abschicken des Kommentars erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Daten elektronisch gespeichert werden. Diese Einverständniserklärung können Sie jederzeit gegenüber der Harenberg Kommunikation Verlags- und Medien-GmbH & Co. KG widerrufen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutz-Richtlinien

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Dossier

Aktuelles aus dem Handel

  • Überbrückungshilfe wird auf Einzelhandel ausgeweitet  …mehr
  • »Ich denke nicht in Arbeitsvertragszyklen«  …mehr
  • Die Unwägbarkeiten des Bibliotheksgeschäfts  …mehr
  • Mehr offene Türen für unabhängige Autoren  …mehr

  • SPIEGEL-Bestseller im Blick

    Der SPIEGEL-Bestseller-Newsletter gibt Ihnen jede Woche kostenlos einen Überblick zu den Aufsteigern der neuen SPIEGEL-Bestsellerlisten.

    » Melden Sie sich hier kostenlos an.

    Wollen Sie sich darüber hinaus schon vorab und detailliert über die Toptitel von morgen informieren, um frühzeitig disponieren zu können?

    » Bestellen Sie das SPIEGEL Bestseller-Barometer ab 8 Euro pro Monat.

    Wenn Sie die SPIEGEL-Bestesellerlisten z.B. in Ihren Geschäftsräumen präsentieren wollen oder online in Ihren Web-Auftritt integrieren möchten, hat buchreport weitere Angebote für Sie.

    » Weitere Angebote zu den SPIEGEL-Bestsellerlisten