E-Book: Die flachste Flatrate

Wachsende E-Book-Onleihe: Wie zur Bestätigung der Verlage, die über stagnierende E-Book-Verkäufe klagen, jubelt parallel der Bibliotheksdienstleister und Onleihe-Anbieter EKZ über die steilen Zuwächse. Für 2019 werden 37 bis 38 Mio Digitalausleihen erwartet, 16 bis 18% mehr als im Vorjahr.

E-Books sind ein Wachstumsmarkt, aber kein wachsendes Geschäft. So lässt sich der Konflikt von Verlagen und Bibliotheken ums digitale Lesen zuspitzen. „Wir wissen mittlerweile, dass in Deutschland mehr E-Books per Onleihe der Bibliotheken ausgeliehen als verkauft werden“, klagt Holtzbrinck-Buch-CEO Joerg Pfuhl im November in buchreport nach Auswertung von Marktforschungsdaten. Die Bibliotheksnutzer lesen demnach vor allem aktuelle Bestseller-Titel – und das zur flachsten Flatrate und mit vergleichbarem Download-Komfort rund um die Uhr wie auf den Plattformen, die den gebundenen vollen Preis verlangen.

Mit dem Argument, dass Verlage und Autoren vom Bibliotheksboom so wirtschaftlich nicht profitieren, wird die Forderung nach stärker nutzungsabhängiger Abrechnung laut. Das läuft allerdings den Interessen der Bibliotheken massiv entgegen. Diese ärgern sich bereits über die aktuellen Konditionen, etwa dass Verlage interessante Titel erst mit Zeitverzug („Windowing“) für die Bibliotheksnutzung freigeben und dass sie für die Ausleihlizenz Preise oberhalb des normalen Kaufpreises ansetzen.

Bereits seit Längerem fordert deshalb der Deutsche Bibliotheksverband, dass den Büchereien die gleichen Rechte für elektronische wie für gedruckte Werke eingeräumt werden. Die Kampagne „E-Medien in der Bibliothek: mein gutes Recht!“ zielt auf eine entsprechende Änderung des Urheberrechts. In Musterbriefen an ihre Bundestagsabgeordneten sollen Bibliotheksnutzer fordern, dass „das E-Book-Angebot in meiner Bibliothek nicht durch hohe Kosten oder große zeitliche Verzögerungen eingeschränkt wird“. Ermutigt sehen sich die Bibliotheken auch durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2016, in dem unter gewissen Voraussetzungen E-Books gedruckten Büchern gleichgestellt werden. Die Bundesregierung hat tatsächlich angekündigt, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Onleihe zu überprüfen.

Damit die Verlage in der damit absehbaren politischen Diskussion aus der Defensive kommen, präsentiert der Börsenverein mit Marktforschern der GfK zum Jahresende 2019 in Berlin eine Studie, mit der gezeigt wird, dass die Onleihe-Nutzung unmittelbaren Einfluss auf den Buchmarkt hat. Laut Studie sind die Nutzer der kostenlose Onleihe „überdurchschnittlich gut situiert und gebildet“, und viele kaufen weniger gedruckte Bücher und E-Books, seit sie die Onleihe nutzen.

Es ist jedenfalls nicht erkennbar, wie die unterschiedlichen Interessen von Verlagen und Bibliotheken versöhnt werden können. Es sei denn mit dem Zaubermittel höherer und nutzungsabhängiger Ausgleichszahlungen an Autoren und Verlage. Auf der Agenda ist das Thema: Die Bundesregierung hatte im Koalitionsvertrag das Ziel formuliert, dass unter Wahrung der Vertragsfreiheit Bibliotheksnutzer einen „noch besseren Zugang“ zu E-Books bekommen sollen…

Hier sind alle 7 „Themen des Jahres 2019″ gebündelt.

Kommentare

1 Kommentar zu "E-Book: Die flachste Flatrate"

  1. Jörg Weinreich | 7. Januar 2020 um 8:59 | Antworten

    Um die hier doch recht einseitig dargestellte Thematik um die Position der Bibliotheken zu erweitern, bitte ich die geschätzten Leser*innen, die Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) zur o.g. Studie zu lesen, zu finden hier: https://www.bibliotheksverband.de/fileadmin/user_upload/DBV/positionen/dbv_stellungnahme_GfK-Studie_Onleihe.pdf

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