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Die Verlags-Agenda 2023

Die Verlagsbranche ist seit Monaten damit beschäftigt, eine Herausforderung nach der anderen zu bewältigen. Diese Stapelkrisen wirken extrem belastend. Die Unsicherheit nimmt zu, Dynamik und Komplexität wachsen stetig. Zu Recht fragen sich viele Verlagsmanager: Wie sollen wir in solchen Zeiten Prognosen erstellen?

Markus Wilhelm und Olaf Deconinck von Publisher Consultants richten den Blick auf das nächste Jahr und darauf, wie Verlage ihre Zukunft sichern können. Im Channel Strategie & Transformation beleuchten sie, welche Kernthemen auf der Agenda 2023 stehen und welche Handlungsfelder in den Fokus rücken.

 

Markus Wilhelm, Olaf Deconinck (v.l., Foto: Publisher Consultants)

Markus Wilhelm, Olaf Deconinck (v.l., Foto: Publisher Consultants)

Die Herausforderungen für Verlage sind in den vergangenen Jahren immens gewachsen und immer noch vielschichtiger geworden. Die Branche wird von einer Krise zur anderen zusätzlich belastet – zur Pandemie kamen Beschaffungskrise, Personalengpässe sowie die Energiekrise und – last but not least – die kaum mehr abzuwendende Klimakatastrophe. Diese Stapelkrisen überlagern sich mit gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen und treiben einander an.

Vor diesem Hintergrund scheint es unmöglich, „den guten Vorsatz“ für das Jahr 2023 auf eine ganz einfache Formel zu bringen. Doch gerade, weil die Situation so herausfordernd und vom Wandel geprägt ist, gibt es zwei Kernthemen, die zuoberst auf der Verlagsagenda für das kommende Jahr stehen müssen: Komplexitätsbewältigung und die Transformation.

 

Die Komplexitätsbewältigung und die Transformation

Um Lösungen für diese beiden Themen entwickeln zu können, gibt es eine wichtige Voraussetzung: eine Haltung in der Organisation, die ganzheitlich und systemisch denkt. Es geht darum, Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Abhängigkeiten der interagierenden Einzelteile und deren Einfluss auf das Ganze zu erkennen. Wer den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, ist gut beraten, einen Blick von oben darauf zu werfen.

Diese Haltung gilt es, zu verinnerlichen und die Komplexität anzunehmen, ohne sie wie bisher üblich in kleine isolierte Pakete zu packen, die einzeln abgearbeitet werden sollen, ohne einen Bezug zum Ganzen herzustellen. Das gilt für die gesamte Organisation. Möglichst alle Mitarbeitenden müssen ihr Mindset anpassen. Die Anerkennung dieser Perspektive ermöglicht einen neuen Blick und lässt fünf Handlungsfelder mit richtungsweisenden Erkenntnissen in den Fokus rücken.

1. Netzwerk: Wir werden die Komplexität nicht allein bewältigen können

Wenn die Welt an sich schon so komplex und vernetzt ist, ist es ratsam, entsprechend noch stärker vernetzt zu agieren, um die vielen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen: kooperativ und co-kreativ. Vernetzung muss dabei auf alle Ebenen gedacht werden – innerhalb des Unternehmens, zwischen dem Unternehmen und seinen Partnern und Dienstleistern, aber auch zwischen Unternehmen einer Branche.

2. Menschen: Wir müssen die Menschen weiter in den Mittelpunkt stellen – nur sie können die Komplexität bewältigen

Für das Netzwerken braucht es Menschen. Es braucht Menschen, die den permanenten Veränderungen positiv gegenüberstehen, die sich als Teil einer lernenden Organisation verstehen und ihr Lernen und Wissen im Netzwerk teilen. Es braucht Menschen, die sich in ihrer Organisation psychologisch sicher fühlen und für die New Work ein New Normal ist oder wird. Was das genau für jeden einzelnen Verlag bedeutet, wie das aussehen und gelebt werden kann, muss immer individuell im Unternehmen betrachtet werden.

Es braucht Unternehmen, die unter Personalmanagement mehr verstehen als die Verwaltung von Mitarbeitenden. Vielmehr gilt es, das Potenzial der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu nutzen, um sie im Umgang mit der komplexen (Arbeits-)Welt zu fördern. Eine sinnvolle Maßnahme dafür ist beispielsweise ein klares Weiterbildungskonzept für die Mitarbeitenden, damit sie die Aufgaben von morgen bewältigen können.

3. Corporate Social Responsibility (CSR): Es funktioniert nur mit ganzheitlicher Nachhaltigkeit

In allem unternehmerischen Handeln steckt eine unternehmerische Verantwortung, die mit Corporate Social Responsibility einen ganzheitlichen Blick auch auf die nachhaltige (Unternehmens-)Entwicklung wirft. Es geht darum, getragen von Menschen eine Entwicklung zu fördern, die ressourcenschonend denkt, die Prozesse gestaltet und die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich auch CSR besser in der Kooperation – auf allen Ebenen, innerhalb des Unternehmens, zwischen Unternehmen und Dienstleistern und innerhalb der Branche – bewältigen lässt als in der isolierten Perspektive von Einzelmaßnahmen.

4. Digitalisierung: Alles verändert sich

Der Zukunftsexperte Tim Cole bringt den Kern der digitalen Transformation auf den Punkt: „Alles, was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert. Alles, was sich vernetzen lässt, wird vernetzt. Und das ändert alles.“ Als technologischer Teil des Netzwerk-Gedankens hilft uns die Digitalisierung, Standards, künstliche Intelligenzen und Prozesse zu schaffen, mit denen sich die Komplexität bewältigen lässt – auch wenn die Digitalisierung natürlich zugegebenermaßen selbst komplex ist.

Aber so, wie man Feuer mit Feuer bekämpft, lässt sich Komplexität auch zielgerichtet mit Komplexität begegnen und bewältigen. Die Digitalisierung wird Organisationen dauerhaft beschäftigen und bietet gleichermaßen großes Potenzial für Transformation, das es zu nutzen gilt.

5. Wachstum: Wir müssen Wachstum neu denken – damit wir zukünftig wachsen können

Unter all den Handlungsfeldern der Transformation und Komplexitätsbewältigung fordert das Handlungsfeld Wachstum sicherlich am schärfsten heraus. Es gilt, Wachstum nicht mehr nur ökonomisch zu denken, sondern auch ökologisch und sozial. Sind wir der Reduzierung unseres CO₂-Fußabdrucks um 3% nähergekommen, so wie wir unseren Umsatz um 3% steigern wollten?

Wachstum, neu gedacht und eingebettet in alle vorangegangenen Überlegungen, schaut auf einen unternehmerischen Beitrag zum Gemeinwohl, schaut auf die Innovation genauso wie auf das Gegenteil, die Ex-Novation: Das bedeutet, Prozesse, Praktiken oder Technologien abzuschaffen, die nicht mehr wirksam sind oder gar den Nachhaltigkeitszielen entgegenstehen. Die Abschaffung von Altem, Ex-Novation, ist dabei ein bedeutender Teil der Innovation.

Der Channel Strategie & Transformation

Weitere Lösungen, Impulse und Erfahrungsberichte lesen Sie im Channel Strategie & Transformation von buchreport und Channel-Partner Publisher Consultants.
Hier mehr… 

 

Das Ziel: Aus drei mach sechs für die ganzheitliche Wertschöpfung

Für Verlage ist es unumgänglich, sich der zunehmenden Komplexität und dem ständigen Wandel zu stellen. Der Umgang mit diesen Themen muss „der gute Vorsatz“ für das nächste Jahr sein. Wer offen ist für eine (neue) Haltung, die einen systemischen und ganzheitlichen Ansatz zulässt, kann alles und alle in den Blick nehmen, alles miteinander verbinden, Wechselwirkungen berücksichtigen und gemeinsam mit anderen handeln.

Aus dieser neuen Perspektive können dann die fünf Handlungsfelder

  1. Netzwerk
  2. Menschen
  3. Corporate Social Responsibility
  4. Digitalisierung
  5. Wachstum

in die täglichen Überlegungen und Maßnahmen integriert werden.

Es lohnt sich: Systemisches und vernetztes Denken in der gesamten Organisation führt zu einer ganzheitlichen Wertschöpfung. Diese ergänzt das magische Dreieck von Zeit, Qualität und Ressourcen zu einem Sechseck, das mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten die Basis für die Zukunftskunst im Jahre 2023 ist.

 

Die Verlagsagenda 2023 genauer erforschen

Verlagsagenda 2023: 2 Großthemen, von denen viele einzelne Themen und Projekte ausgehen, die sich über die ganze Organisation erstrecken. Einfach auf die Grafik klicken und entdecken! (Grafik: Publisher Consultants)

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