Verlage
Freitag, 02. August 2013 (10:30 Uhr)


Dresdner Bibliotheken bieten E-Book-Verleih bundesweit an

E-Book-Flatrate für 10 Euro im Jahr

Zuletzt schienen sich die Wogen im Streit um den E-Book-Verleih in Bibliotheken geglättet zu haben – jetzt könnte ein Angebot der Städtischen Bibliotheken Dresden für Aufruhr sorgen. Dort können Nutzer bundesweit die „Onleihe“ nutzen – womit sich eine Befürchtung der Verlage bestätigt. 

Schon der Verbund von mehreren Bibliotheken, die gemeinsam E-Books erwerben und an die Nutzer der Region ausleihen (buchreport berichtete) ist vielen Verlagen ein Dorn im Auge: Zwar ist es aufgrund der knappen Budgets der Bibliotheken durchaus verständlich, dass sie die Lizenzen gemeinsam erwerben und den E-Book-Verleih im Verbund für einen größeren Nutzerkreis anbieten. Doch die Verlage erhalten für den größeren Nutzerkreis dieselbe Verleih-Gebühr wie bei einer Einzel-Bibliothek – und haben dadurch deutlich weniger Einnahmen.

Mit dem von Dresden aus angebotenen bundesweiten Verleih von digitalen Büchern (entdeckt via lesen.net) gewinnt das Streit-Thema eine neue Tragweite: Das E-Book-Angebot ist für eine Jahresgebühr von 10 Euro für jedermann verfügbar – subventioniert durch die öffentlichen Mittel der Stadt. Für die „Onleihe“ kann sich der Nutzer online registrieren, der Besuch vor Ort erübrigt sich – so dass man auch aus weiter Entfernung auf den Bestand zugreifen kann. Aktuell stehen rund 7.000 E-Books im virtuellen Regal der Bibliothek. Auch wenn die Titel nicht von mehreren Nutzern gleichzeitig ausgeliehen werden können – mit dem für die physische Ausleihe konzeptionierten Bibliotheks-Modell ist das Angebot kaum noch vergleichbar, da der Nutzerkreis online stark ausgeweitet werden kann. Nachteil für die Dresdner: Leiht ein Nutzer von außerhalb ein E-Book aus, ist es in der Regel nicht mehr verfügbar (sofern es nicht für die parallele Nutzung lizenziert wurde).

„Mit dem bundesweiten Verleih bewahrheitet sich eine Befürchtung der Verlage“, erklärt Matthias Ulmer, designierter Vorsitzender des Verlegerausschusses im Börsenverein und Verleger des Stuttgarter Eugen Ulmer Verlags auf Nachfrage von buchreport.de. „Für Verlage wäre eine nutzungsabhängige Gebühr sinnvoll, bei der pro Ausleihe eine Gebühr bezahlt wird. Bei einem solchen Modell wäre es für den Verlag unerheblich, ob ein E-Book-Verleih nur in einer Region, im Verbund oder bundesweit angeboten wird.“ 

Update: Inzwischen liegt eine Stellungnahme der Städtischen Bibliotheken Dresden vor. Als eine Art Flatrate sei das Angebot keinesfalls gedacht, betont Bibliotheksdirektor Artend Flemming. 

Eine übergreifende, einvernehmliche Lösung im Streit um den E-Book-Verleih in Bibliotheken ist übrigens vorerst nicht in Sicht: Gespräche zwischen Börsenverein und dem Deutschen Bibliotheksverband (DBV) wurden aus kartellrechtlichen Bedenken abgeblasen. Nun müssen die Verlage und Bibliotheken in Einzelgesprächen Lösungen erarbeiten. 



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