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Wieso geht De Gruyter jetzt in die OA-Offensive, Herr Buhr?

De Gruyter forciert den Umbau seines Zeitschriftenportfolios hin zu Open Access (OA): Der Wissenschaftsverlag mit Schwerpunkten in den Geistes- und Sozialwissenschaften und Hauptsitz in Berlin versteht sich als Vorreiter im OA-Publizieren, hat über die Jahre diverse Geschäftsmodelle erprobt und macht jetzt ernst mit dem Umbau in der Breite: In den nächsten 5 Jahren sollen 85% der 320 Abonnement-Zeitschriften in den freien Online-Zugang überführt werden, lautet die Ansage.

Geschehen soll das mit „Subscribe to Open“ (S2O, s. Infokasten) als Hauptmodell. Dieses sei einfacher und nachhaltiger als andere Ansätze, betont Geschäftsführer Carsten Buhr und u.a. auch deshalb ein „faires Modell, weil forschungsstarke Einrichtungen, deren Forschende viel publizieren, nicht mehr zahlen müssen als andere, was im Übrigen auch jeden komplexen und bürokratischen Mechanismus zur Umverteilung der Kosten überflüssig macht“, sagt er im Interview.

Subscribe to Open

„Subscribe to Open“ (S2O) gilt in den (im Vergleich zu den Naturwissenschaften) weniger gut finanzierten Geisteswissenschaften als interessantes Open-Access-Transformationsmodell für gut eingeführte Zeitschriften: Es sichert sowohl deren Finanzierung ab, erfordert aber auch keine Mehrkosten.

Entwickelt wurde der Ansatz vom US-Verlag Annual Reviews. Er soll einen vergleichsweise einfachen und unaufwendigen Systemumbau vom Abomodell auf Open Access (OA) ermöglichen. Die Abonnenten führen dabei ihre bestehenden Abonnements unverändert weiter und ermöglichen dadurch gleichzeitig für alle anderen den freien Zugang zu den Inhalten sowie gebührenfreies OA-Publizieren für die Autoren. Verlage können so relativ risikolos auch Zeitschriften auf Open Access umstellen, deren Finanzierung über ein APC-System, bei dem die Autoren Veröffentlichungsgebühren (APC – Article Processing Charges) für jeden Artikel zahlen, nicht abzubilden wäre. Sollte bei einer „Subscribe to Open“-Finanzierung die Abonnenten-Zahl irgendwann unter einen festgelegten kritischen Wert fallen, wird die Bezahlschranke wieder hochgezogen. Abonnenten haben aber weiter Zugriff auf die Inhalte.

Carsten Buhr (c)Drehkraft Berlin

Wieso geht De Gruyter jetzt in die Open-Access-Offensive?

An einem nachhaltigen Weg, unser Zeitschriftenportfolio zu transformieren, arbeiten wir schon lange. Wir haben einiges ausprobiert und es war auch notwendig, Erfahrungen mit verschiedenen Modellen zu sammeln. Jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir sagen können: Subscribe to Open ist erprobt, es funktioniert und ist für die meisten unserer Zeitschriften, gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften, der beste und sinnvollste Weg.

Wir sehen – wenn wir uns die Nutzungs- und Downloadzahlen unserer OA-Zeitschriften im Vergleich zu denen unserer Abonnementzeitschriften ansehen – eindrucksvoll bestätigt, dass Open Access zu einer deutlich verbesserten Nutzung und damit zu einer höheren Reichweite führt. Das ist letztlich ein schlagendes Argument, denn eine unserer Hauptaufgaben als Wissenschaftsverlag ist es immer schon gewesen, die bestmögliche Verbreitung für die wissenschaftlichen Werke zu finden, die wir verlegen.

De Gruyter: 5-Jahres-Plan für Open Access

Wie groß ist der Druck seitens der Wissenschaft, OA voranzutreiben?

Der Druck ist je nach Disziplin sicher unterschiedlich, aber insgesamt merken wir, dass in der Wissenschaft die Vorteile von Open Access immer stärker gesehen werden und Autorinnen und Autoren auch zunehmend OA publizieren wollen.

Zugleich erhöht die Wissenschaftspolitik und Forschungsförderung, nicht nur, aber vor allem im europäischen Kontext, durch entsprechende Förderauflagen und -empfehlungen den Druck auf alle Beteiligten, die Open-Access-Transformation voranzubringen und Open-Access-Publizieren breit zu ermöglichen.

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