Initiative bejubelt Plattform »Shopdaheim«

Die Buchketten Thalia Mayersche und Osiander haben am 30. März die Einzelhandelsplattform Shopdaheim.de gestartet: Eine Laden-Suchmaschine mit Standortanzeige auf Google-Karten. Die liefert jetzt Zahlen zur Startphase.

Mit Hilfe der Adressdaten der Großhändler KNV Zeitfracht, Libri und Umbreit, deren Shopsysteme die meisten Buchhändler nutzen, sowie des eBuch-Verbunds waren auf der neuen Plattform bereits zum Start Buchhandlungen in vierstelliger Zahl verknüpft – und auch erste andere Einzelhändler. Denn es soll ein genereller Einzelhandelsfinder sein, auch mit Blick auf Nutzen und Reichweite.

Jetzt meldet die Initiative unter der Überschrift „Grandioser Start“ erste Zahlen:

  • ca. 3000 Buchhändler seien auffindbar, viele Standorthändler, aber auch weitere Ketten wie Hugendubel und Rupprecht.
  • Inklusive 24 weiterer Branchen seien mittlerweile insgesamt ca. 5000 Läden registriert.
  • Zu den hinzugekommenen Branchen gehören Babyausstattung, Confiserie, Kosmetik, Mode und Sport.
  • Ziel sei es, in der ersten Phase 10.000 Läden auf die Plattform zu bringen
  • In der Spitze seien bisher bis zu einer halben Million Seitenaufrufe pro Tag gezählt worden.

Unterstützt durch Medienpartner soll Shopdaheim.de zur populären Ladennavigation werden, die zum Einkauf auch via Online-Kanälen bei lokalen oder regionalen Anbietern animiert, aktuell, während die Läden wegen der Coronakrise geschlossen haben, aber auch darüber hinaus.

 

Belebung der Buy-local-Idee

Auch zahreiche kleinere, individuelle buchhändlerische Marketingaktivitäten der vergangenen Tage zielen in die Richtung. Sie sind nicht wirklich neu, haben aber durch die Coronakrise einen Schub bekommen:

  • Die Politbotschaft „Buy local“, aus dem Angelsächsischen importiert, aber hierzulande bisher überwiegend in den Wind gesprochen
  • Die Pointierung der Onlineshop-Fähigkeit lokaler Händler
  • Die Navigation zu Läden mit Onlineshops („Buchhandlungsfinder“) via Google Maps.

Der Ansatz des stationären Buchhandelsmarktführer Thalia Mayersche in Kooperation mit weiteren Partnern darf als ambitioniertester Anlauf gelten. Die für alle Händler offene Navigationsplattform „Shopdaheim“ wird verbunden mit dem Konsumenten-Appell: „Unterstütze deine regionalen Händler und sichere damit Arbeitsplätze in deiner Region. Solidarität ist stärker als jedes Virus.“

Die Coronakrise ist zwar Anlass und Auslöser, aber Thalia-CEO Michael Busch macht deutlich, dass er mit der konzertierten Shop-daheim-Aktion den Online-Marktführer Amazon im Visier hat.

 

Solidarität der Coronazeit nutzen

Busch beschwört den Geist der Tolino-Allianz. Buchhandelsunternehmen hatten 2012/13 im Verbund erfolgreich die E-Reading-Branchenlösung Tolino als Gegenpol zu Amazons Kindle etabliert. Jetzt gelte es, auch im Online-Handel Terrain zurückzugewinnen. Die Herausforderung: Bei vielen stationären Buchhandelskunden lege sich, sobald es um Online geht, im Kopf ein Schalter Richtung große Internetplattform um, psychologisiert Busch. Er sieht jetzt einen guten Zeitpunk: „In der Coronazeit gibt es enorm viel Solidarität, auch weil die Leute jetzt spüren, wie es sich anfühlt, wenn viele Läden geschlossen sind.“

Für Osiander-Chef Christian Riethmüller, der bei „Shop daheim“ mit eingestiegen ist, fehlte bisher eine deutschlandweite Initiative mit Strahlkraft. Diese dürfte kaum die in wenigen Tagen programmierte Website entfalten, sondern viele „Reichweitenpartner“ wie große Medienhäuser (Burda, Funke, Springer), die bereits Unterstützung signalisiert haben. Als Unterstützer und Multiplikatoren sollen auch die unter Druck stehenden Kommunen eingeworben werden sowie Unternehmen, die ein Interesse haben, dass die Einzelhandelsinfrastruktur erhalten bleibt, wie etwa die Immobilienwirtschaft.

 

Der stationäre Buchhandel sucht Landgewinne

Der Kampf der stationären Händler gilt seit längerem dem Online-Riesen Amazon, der zuallererst Buchhandlungen das Überleben erschwert hat und mittlerweile Hauptkonkurrent nahezu aller Einzelhandelsbranchen ist. Dass Kunden mehr online shoppen, gilt als ausgemacht, erst recht mit den Erfahrungen der Coronakrise. Das Ziel ist aber, die Online-Kunden dann auch online lokal oder regional zu bedienen. Der stationäre Buchhandel hat sich zuletzt kreativ ins Zeug gelegt, um die Welt lernen zu lassen, was er bisher oft nur halbherzig kommuniziert hatte: Wir sind auch Online-Shop! Das wird auf vielen Kanälen kommuniziert, verbunden mit dem Angebot von Beratungs- und Lieferservice. Tatsächlich melden viele Buchhändler, dass ihre Angebote und Lieferdienste jetzt verstärkt angenommen werden.

Klar ist: Die so entwickelten Umsätze werden ohne die Nutzung der Corona-Rettungspakete für viele Händler nicht reichen. Aber es besteht die Hoffnung, dass die Erfahrungen und die positive Aufmerksamkeit in die neue Zeit „danach“ hineinwirken. Diese werde einerseits digitaler sein, aber womöglich auch verbindlicher und wieder lokalisierter, hat Zukunftsforscher Matthias Horx kürzlich die zu erwartende Ambivalenz skizziert.

Der Beitrag enthält Passagen, die zuerst im buchreport.express 14/2020 publiziert wurden.

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