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Die Digitalisierung des Seminargeschäfts nach Corona

Webinar (Foto: 123RF.com/murrstock)

Die Corona-Pandemie hat das Veranstaltungsgeschäft von Grund auf erschüttert. Die Lockdowns brachten das Kerngeschäft der Veranstalter auf unabsehbare Zeit zum Erliegen. Branchenfremde Anbieter sprangen schnell in die Lücke, indem sie kostenlose, gesponserte Webinare veranstalteten.

Die Akademie der Deutschen Medien hat als Weiterbildungsanbieter nach wenigen Wochen die ersten virtuellen Angebote platziert. Wie das das Akademiegeschäft verändert und wie die Kunden das digitale Programm annehmen, erläutert Geschäftsführer Bernd Zanetti im Channel Produktion und Prozesse auf buchreport.de.

 

Hat die Akademie der Deutschen Medien die Pandemie überwunden, oder rechnen Sie mit neuen Risiken und Einbrüchen für Ihr Geschäft?

Es wäre vermessen, zu sagen, wir sind durch. Wir wissen nicht, was für Überraschungen die Pandemie noch für uns bereithält, aber wir haben jetzt einen Stand erreicht, der es uns ermöglicht, in der Pandemie gut zu überleben. Wir haben das komplette Seminarprogramm virtualisiert und können die volle Breite anbieten. Nur bei den Konferenzen haben wir uns zurückgehalten, da Online-Konferenzen aufgrund der Gratis-Konkurrenz schwer zu monetarisieren sind.

„Es war ein Höllenjahr für uns.“

Wie stark waren die Buchungsrückgänge, die Veranstalter von Konferenzen und Seminaren durch Corona zu verkraften hatten?

Wer keine digitalen Formate anzubieten hatte, schlug natürlich auf Null auf. Im Jahr 2020 war der Rückgang um ein Drittel und mehr vom Jahresumsatz nicht ungewöhnlich. Es war ein Höllenjahr für uns, da der Aufwand für die komplette Umstellung des Programms innerhalb weniger Monate enorm und nur durch eine außerordentliche Teamleistung möglich war.

Bewegten sich die Einbußen in der Medienakademie im selben Korridor?

Ja, natürlich mussten auch wir die Einbußen durch Sparmaßnahmen ausgleichen. Da wir aber vom „worst case“ ausgingen – der sich ja dann auch bestätigt hat –, haben wir sofort beschlossen, das komplette Programm in Onlineformate umzuwandeln, und dies im Laufe des Jahres auch durchgezogen. Dadurch stieg der Umsatz schrittweise wieder an; inzwischen haben wir einen Großteil des Rückgangs wieder aufgeholt.

Was waren die größten Herausforderungen, auf die Sie sich mit dem ersten Lockdown einzustellen hatten?

Die neuen Formate mussten medienadäquat umkonzeptioniert und umgesetzt werden. Wir mussten die technische Infrastruktur schaffen. Neben unseren Mitarbeiter/innen mussten wir auch unsere vielen freien Dozenten briefen und schulen.

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Hatte die Medienakademie Erfahrung mit digitalen Veranstaltungsformaten oder musste das Team bei Null anfangen?

Seit etwa 2017 haben wir mit offenen Veranstaltungen und mit Firmenveranstaltungen in digitalen Formaten experimentiert. Zum Beginn der Pandemie boten wir allerdings keine einzige Online-Veranstaltung an, denn das Interesse der Kunden an angemessen bepreisten Angeboten war überschaubar.

Was hat Ihnen bewusst gemacht, dass es ohne Digitalisierung der Veranstaltungen langfristig nicht gehen wird?

Dass das Thema Onlineveranstaltungen immer wichtiger werden wird, war schon länger klar. Da allerdings in Deutschland und in unserem Segment der beruflichen Weiterbildung das Kundeninteresse an Online vor Corona nicht so groß war, haben wir uns stärker auf Präsenzveranstaltungen konzentriert. Corona war für uns der Anlass, das umzusetzen, was wir schon seit Längerem machen wollten – zumal wir von Anfang an nicht von einem schnellen Ende der Pandemie ausgingen.

Wie hat sich der Bedarf Ihrer Kunden gewandelt?

Der Bedarf der Kunden hat sich aus unserer Sicht nicht dramatisch gewandelt. Die digitalen Themen, die zuvor schon stark nachgefragt waren, sind es nach wie vor. Führungs- und Softskill-Trainings, bei denen Präsenz und Interaktivität einen starken Mehrwert liefern, waren etwas weniger nachgefragt. Wir hatten im Prinzip den Ansatz, die Seminare, die wir on-site anboten, in digitale Formate umzusetzen, und wollten uns inhaltlich und formal nicht grundsätzlich einschränken. Das hat im Wesentlichen auch funktioniert.

Inwieweit mussten die einzelnen Veranstaltungskonzepte an das digitale Format angepasst werden?

Wir mussten andere Pausenstrukturen einziehen, wir mussten die Interaktivität mit anderen Mitteln wie Spontanumfragen, digitalen Whiteboards oder Kollaborationstools erreichen. Vor allem mussten wir uns auf digitale Kommunikationsweisen einstellen, wenn es galt, die Teilnehmer während der Sessions laufend zu aktivieren und ihre Aufmerksamkeit hochzuhalten.

„Der interne Aufwand ist für digitale Veranstaltungen eher größer als für Präsenzveranstaltungen.“

Was bedeutete dieser Wandel für das Team?

Wir mussten jedes Teammitglied mitnehmen und befähigen, diese Onlinetrainings und -seminare technisch und inhaltlich zu betreuen. Wir mussten interne Prozesse entsprechend anpassen. Der interne Aufwand ist für digitale Veranstaltungen eher größer als für Präsenzveranstaltungen, da technische Betreuung und Moderation von Teammitgliedern übernommen worden sind.

Welche Auswirkungen hatte die Digitalisierung auf die Preisgestaltung?

Unser Ansatz war, den Teilnehmern die gleiche Weiterbildungsqualität zu bieten. Wir sind deshalb auch aufgrund des internen Aufwands konsequent bei einer vergleichbaren Preisgestaltung wie bei Präsenz-Seminaren geblieben. Es gab allenfalls kleine Preisbewegungen nach unten.

Lassen sich die Preise durchsetzen?

Unsere Preisstrategie war letztendlich gut zu kommunizieren. Wenn die Teilnehmer digital das Gleiche lernen wie on-site, akzeptieren sie auch unsere Preise.

Inwieweit konnten Sie neue Kundengruppen gewinnen?

Am Anfang gab es einige Stammkunden, die gegenüber Online skeptisch waren. Wir haben aber dann erfreulicherweise auch neue Kunden gefunden, insbesondere international aktive Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen, die schon vor Corona auf digitale Seminare gesetzt hatten.

„Es geht nicht darum, dass man möglichst viele und innovative Tools einsetzt.“

Was sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren für das Gelingen eines digitalen Veranstaltungsprogramms?

Auch bei digitalen Veranstaltungen muss der Inhalt immer im Mittelpunkt stehen. Es geht also nicht darum, dass man möglichst viele und innovative Tools einsetzt, sondern darum, ein adäquates didaktisches Vermittlungskonzept zu entwickeln, das sowohl von Akademieseite als auch von Dozentenseite überzeugend umgesetzt werden kann und den Teilnehmern somit einen optimalen Lernerfolg sichert.

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