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Wie die US-Buchhändler Amazon trotzen

„Es gibt ein Leben nach Amazon“, schreibt Heike Buchter bei Zeit Online. Die Kolumnistin lebt in New York und hat dort einige Beobachtungen zum US-amerikanischen Buchmarkt gemacht.

Buchter stellt zu Beginn ihrer Kolumne mit Freude fest, dass wieder mehr unabhängige Buchhandlungen eröffnen, unter anderem in ihrer Nachbarschaft in Brooklyn. Ihre Beobachtung, dass es den kleinen Buchhändlern wieder besser geht, lässt sich auch mit Zahlen belegen: Laut dem Branchenverband American Booksellers Association haben in den vergangenen Jahren mehr als 300 neue Buchhandlungen eröffnet, 80% der Verbandsmitglieder berichteten 2021 von gestiegenen Umsätzen zum Vorjahr, bei 70% lag der Umsatz sogar über dem Vor-Corona-Jahr 2019. 

„Das Comeback ist auch deshalb unerwartet, weil das Geschäft mit Büchern laut Branchenbeobachtern angeblich unwiederbringlich an Amazon verloren gegangen war“, schreibt Buchter weiter. Tatsächlich hatte Jeff Bezos‘ Start-Up Amazon in den 90er-Jahren zunächst auf den Versand von Büchern gesetzt. „Nicht etwa, weil Bezos ein besonderes Interesse an Literatur gehabt hätte“, weiß Buchter. Büchern seien lediglich am einfachsten zu verschicken gewesen. Durch das Ausnutzen einer Lücke in den US-Steuergesetzen konnte Amazon Bücher bis zu 10% billiger als die lokale Konkurrenz verkaufen. 2015 entschloss sich der E-Commerce-Riese dann dazu, stationäre Buchläden in den USA zu öffnen. „Die Presse schrieb bereits den Nachruf auf Barnes & Noble“, so Buchter. Doch Amazons angebliche datengetriebene Überlegenheit erwies sich als eher gering. Das auf Algorithmen basierte Sortiment funktionierte im Stationären nicht so wie im Digitalen. 

In einer „ironischen Wende“, wie es Buchter beschreibt, musste Amazon alle 68 Standorte im vergangenen Jahr wieder schließen – und ein Teil davon wurde dann vom zuvor totgesagten Barnes & Noble übernommen. Dem US-Filialisten ging es zuletzt auch wieder deutlich besser als noch einige Jahre zuvor, wie CEO James Daunt zuletzt auch gegenüber dem US-Branchenmagazin „Publishers Weekly“ berichtete. Daunt spricht auch über die Expansionspläne von Barnes & Noble: Zu den bereits bestehenden 600 Filialen sollen bis Ende des Jahres 30 dazu kommen. „Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl“, zitiert „Publishers Weekly“ ihn. „Es ist eine aufregende Zeit, um Buchhändler zu sein“.

Das sind die Trends im US-Markt

Kommentare

1 Kommentar zu "Wie die US-Buchhändler Amazon trotzen"

  1. Eines der vielen Amazon-Experimente, bei denen man sich immer wieder fragt: Kennt Amazon eigentlich wirklich seine Marktstärken? Die liegen doch nun mal im Onlinebereich und nicht im stationären Geschäft. Da war Amazon austauschbar und im harten Konkurrenzkampf, während sie online ein Alleinstellungsmerkmal haben. Denn niemand geht in eine Amazon-Buchhandlung, um nur Amazon-Bücher zu kaufen. Da musste Amazon alles bieten, was auch die anderen Buchhändler ebenfalls bieten. Schön, dass nun der stationäre Handel in den USA wieder erwacht.

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