Vorlesestudie 2020 sieht reichlich Nachholbedarf

In mehr als zwei Dritteln aller deutschen Haushalte lesen Eltern ihren Kinder einigermaßen regelmäßig vor. Das ist die gute Nachricht aus der Vorlesestudie 2020, deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden.

Die schlechte Nachricht ist: 32% der Eltern lesen selten oder nie vor, heißt es. Diese Zahl ist immerhin seit Jahren konstant und war auch schon Ergebnis der Vorjahres-Umfrage.

Erstmals gehen die Organisatoren der Studie, die Stiftung Lesen, die Wochenzeitung „Die Zeit” und die Deutsche Bahn, auch den möglichen Gründen für den Mangel an Vorlesezeit nach. Dazu wurden 528 jener Eltern befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen.

Drei Kernprobleme sind dabei benannt worden:

  • Zu wenig Zeit für das Vorlesen: Je zur Hälfte nannten die befragten Eltern als Grund die eigene Erschöpfung und andere Arbeiten im Haushalt sowie die Meinung, dass den Kindern z.B. in der Kita bereits ausreichend vorgelesen werde.
  • Es gibt zu wenig passende Kinder- und Jugendliteratur in den Haushalten: 68% der Haushalte gaben an, dass ihre Kinder nur maximal zehn Bücher besitzen. Das werde allerdings oft nicht als Nachteil oder Mangel betrachtet, wobei 57% der Eltern sich wünschten, dass ihre Kinder häufiger Bücher geschenkt bekämen. Die Studie deutet an, dass Buchgeschenke auch die Vorlese-Wahrscheinlichkeit erhöhten.
  • Wenig Spaß beim Vorlesen: Fast 50% der Eltern hätten eigene Vorbehalte, weil sie mit dem Vorlesen eigene Erwartungen verbänden. Demnach glaubten sie, beim Vorlesen schauspielern zu müssen oder ihre Kinder zu ruhigem Zuhören bringen zu müssen. Aus diesen Erwartungen erwüchse ein Druck, der dann ein entspanntes Vorlesen verhindere.
Vorlesen daheim. Foto: Stiftung Lesen.

Vorlesen daheim. Foto: Stiftung Lesen.

Die Realität sei, so heißt es, dass Kinder in Wenig-Leser-Haushalten auch nur über geringe Bücherbestände verfügten. Rund 68% der Kinder besitzen demnach maximal zehn Bücher, nur 12% der Kinder verfügen über 21 bis 50 Bücher.

Dabei sehen 73% der befragten Eltern auch nur einen bedingten Mehrwert für die Kinder, die meisten davon, weil die Kinder ohnehin „zu unruhig” seien oder gar nicht wirklich zuhöre. 

Trotzdem besteht bei 50% der Eltern zumindest eine grundsätzliche Bereitschaft, Kindern vorzulesen. Auch aus diesem Grund betont Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, dass es wichtige Aufgabe sei, Hemmschwellen abzubauen und die Vorteile des Lesens zu verdeutlichen.

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2020 hat iconkids & youth im Mai und Juni 528 Eltern von Kindern im Alter von 1-6 Jahren (358 Mütter, 170 Väter) persönlich-mündlich befragt, die maximal einmal pro Woche vorlesen. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Gruppe der selten und nie vorlesenden Eltern bundesweit.

 

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