»Es gibt ein Überangebot an Fachmedien«

Die Coronakrise beschleunigt die Veränderungen im berufsbezogenen Fachinformations-Markt. Ingo Mahl richtet das Angebot der Branchengröße Vogel Communications Group (Würzburg) neu aus. Mit welcher Zielrichtung und mit welchen Ansätzen, erläutert er in einem ausführlichen Interview im buchreport.magazin Dezember 2020. Hier ein Auszug mit Statements zur Lage der Fachinformationsbranche.

Wie entwickelt sich der Markt der Fachinformationsmedien?

Ingo Mahl treibt in der Vogel Communications Group als Chief Product Officer strategisch-strukturelle Veränderungen voran. Die Angebote sollen sich stärker an Themen, denn an Branchen ausrichten. Digitale Angebote stehen im Zentrum, Print spielt eine veränderte Rolle im Medienmix. (Foto: Maigut Fotografie)

Bereits vor der Coronakrise war die ökonomische Situation im Geschäft mit den Fachmedien angespannt. Die bekannte Medienkrise führte zu kontinuierlich sinkenden Werbeumsätzen mit schlechten Renditen sowie einer grundsätzlich zu großen Abhängigkeit von den print-orientierten Geschäftsmodellen. Es gibt in zahlreichen Märkten und Zielgruppen ein Überangebot an Fachmedien, vor allem gibt es zu viele austauschbare. Wer ein Must-have-Angebot bereitstellen kann, wird seinen Markt dominieren, Nice-to-have-Angebote hingegen werden verschwinden. Viele Anbieter, die mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten können, werden aufgeben.

Wie sehr hat sich die Fachinformationswelt in diesem speziellen Jahr 2020 verändert?

Die Krise ist ein kraftvoller Katalysator für die Transformation in der Medienwelt, und damit natürlich auch für Fachmedien. Veränderungsprozesse wurden massiv beschleunigt, mit teilweise disruptiver Ausprägung. Dieses Jahr hat uns aber auch gezeigt, wie bei Fachinformationen der Bedarf an gutem, nutzwertigem Content signifikant gestiegen ist. Nicht nur kurzfristig, sondern spürbar nachhaltig.

Was bedeutet das fürs Angebot?

Durchsetzen wird sich, wer die größte Relevanz erzielen und den größten Nutzen beim Leser stiften kann. Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Deshalb investieren wir gegen den Markttrend viel in die redaktionelle Weiterentwicklung. Interessant ist im Übrigen, dass sich im Gegensatz zur Situation auf dem Anzeigenmarkt neben Rekordbesucherzahlen für unsere Fachportale leserseitig auch die Nachfrage nach Fachzeitschriften deutlich positiv entwickelt hat. Die Fachzeitschrift hat eher noch an Bedeutung gewonnen.

Welche Perspektiven hat Print als Sichtbarkeits- und Update-Medium?

Print wird auch zukünftig eine wesentliche, aber veränderte Rolle im Medienmix spielen. Für bestimmte Leserbedürfnisse bietet sich aber kaum ein anderes Format vergleichbar gut an wie Print: Orientierung, Analyse, Meinung, Überblick, Kommentierung. Ich kann in unvergleichlicher Art und Weise Geschichten erzählen, komplexe Zusammenhänge übersichtlich darstellen, Wissen nachhaltig vermitteln und den Lesern eine Form der Vertiefung und Verinnerlichung bieten, die digitalen Nutzungsformen abgeht. Print wird weiterhin von Bedeutung sein. Anders, aber wichtig!

Dieses Kurzinterview erschien zuerst im buchreport.express 48/2020.

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