Plädoyer für den goldenen Weg

Im Januar ist vielerorts Standortbestimmung angesagt. Das gilt auch für die Wissenschaftsverlage, die sich zum Jahresauftakt bei der Fachkonferenz Academic Publishing in Europe (APE) treffen und mit Bibliotheken und Wissenschaft austauschen. Seit Jahren kündet die Konferenz, die in diesem Jahr erstmals vom Berlin Institute for Scholarly Publishing (BISP) organisiert wurde (s. Kasten unten), von den Veränderungen im wissenschaftlichen Publizieren und insbesondere von Open Science, bei dem sämtliche Elemente des Forschungsprozesses frei zugänglich gemacht werden sollen, um Transparenz und Effizienz der Wissenschaft zu steigern.

Entwicklungen in der Wissenschaftspublizistik im Überblick: Hier geht es zum Dossier.

„Open Science ist besser für die Gesellschaft, wie sich am deutlichsten während der Covid-Pandemie gezeigt hat, als durch die Öffnung von Forschung und Wissen ein Impfstoff in Rekordzeit entwickelt werden konnte“, sagte etwa Frank Vrancken Peeters, CEO von Springer Nature, in seiner Keynote. Er plädiert für mehr Partnerschaft und Zusammenarbeit innerhalb des Verlagswesens und der Forschungsgemeinschaft, um die Vorteile von Open Science auszuschöpfen.

Einer der Pfeiler sei Open Access (OA) als Geschäftsmodell, das zunehmend auf dem Vormarsch ist. Die Transformation von Abonnement-­Modellen zu goldenem Open Access (bei dem die final veröffentlichte Version des Verlags, die „version of record“, direkt frei verfügbar ist) werde noch zehn Jahre andauern, prognostiziert Vrancken Peeters und betont: „Als Verleger müssen wir zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass wir in die grüne Open-Access-Sackgasse geraten – die keine offene Forschung liefert, von der Fortsetzung von Abonnements abhängt und kein nachhaltiges Finanzierungsmodell bietet – und stattdessen auf den goldenen Open-Access-Highway zur offenen Wissenschaft gelangen.“

Beim „grünen Weg” handelt es sich um eine Zweitveröffentlichung von Werken auf einem Repositorium.

Zukunftsgesicherte APE-Tagung

Die seit 2006 stattfindende Fachkonferenz Academic Publishing in Europe wurde 2021 zum ersten Mal vom „Berlin Institute for Scholarly Publishing” (BISP) organisiert, einer gemeinnützigen GmbH, die für diesen Zweck von der Walter de Gruyter Stiftung gegründet wurde und sich zu 100% in deren Besitz befindet. Die Walter de Gruyter Stiftung arbeitet unabhängig vom gleich­namigen Wissenschaftsverlag.

APE-Gründer Arnoud de Kemp (76) hat mit diesem Schritt die Zukunft der Konferenz gesichert. De Kemp lädt auch weiterhin zur Konferenz ein und hat für drei Jahre den Vorsitz des Programmkomitees inne. Eric Merkel-Sobotta, ehemaliger Leiter der Unternehmenskommunikation von de Gruyter und 2020 Senior Vice President bei der britischen Fach-Verlagsgruppe Taylor & Francis, wird nebenberuflich BISP-Geschäftsführer.

Pandemiebedingt fand die APE 2021 ausschließlich digital statt. Im kommenden Jahr steht der 10. bis 12. Januar als Termin fest.

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