Mischa Mangel über »Ein Spalt Luft«

In den aktuellen Frühjahrs-Programmen finden sich zahlreiche Romandebüts deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. buchreport stellt 15 dieser Newcomer in Steckbriefen vor. Heute: Mischa Mangel.

Mein Roman in drei Sätzen

„Nur meine Mutter weiß, was in den circa 21 Monaten geschehen ist, als wir beide allein waren.“ – „Sie sieht auf den Arm des Mannes, der Arm hängt an der Körperseite zu Boden, zwischen Schulter und Armansatz ein Spalt Luft.“ – „Wer hat den denn zusammen­geflickt?“

Mein Weg zu Suhrkamp

Unrealistisch, dachte ich. Ich habe meinem späteren Lektor ungefragt das Manuskript geschickt. Er hat es zu Ende gelesen, war begeistert. Dann haben die anderen gelesen und waren auch begeistert. Ansonsten gern zu Fuß.

Mischa Mangel, geboren 1986, lebt in Berlin und hat Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim studiert, außerdem dort und in Marseille Kulturvermittlung/Médiation Culturelle de l’Art. Er war Finalist des Literaturpreises Prenzlauer Berg 2015. „Ein Spalt Luft“ (Suhrkamp) ist sein Debütroman. (Foto: Heike Steinweg)

Das Verdienst meines Lektors

Jacob Teich hat sich das Manuskript mit einer mir zunächst etwas unheimlich anmutenden Tiefe anverwandelt – und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Er hat diejenigen Worte und Sätze herausgehört, die ich überhört hatte, alles, was zu viel war, gestrichen und den Text immer wieder gegen meinen Kürzungsdrang verteidigt.

Mein Eindruck von Literaturbetrieb und Buchbranche

Alles fließt. (Alles, was ich bisher vom Literaturbetrieb weiß, weiß ich von Kathrin Bach und Jacob Teich.)

Meine Lieblingsbuchhandlung

Anakoluth, Schönhauser Allee 124, 10437 Berlin

Meine Lieblingsautoren

Momentan: Claudia Rankine, Marion Poschmann, Nadja Küchenmeister, Jean Racine, Friedrich Hölderlin. Immer: Jane Hirshfield (neuer Gedichtband!), Agota Kristof, Emily Dickinson, Annie Ernaux, Olivia Rosenthal, Franz Kafka, Ilse Aichinger, Friederike Mayröcker.

So lese ich

Gerade höre ich vor allem. Wenn ich etwas mag, dann immer wieder, z.B., siehe oben, Racine, das ist so schön schräg und rhythmisch.

Schreiben ist für mich

Unverzichtbar, hätte ich lange gesagt. Das war dann allerdings meist ziemlich verkrampft. Jetzt würde ich sagen: Warten, bis sich eine Dringlichkeit einstellt; dann damit arbeiten. Wahrscheinlich stimmt irgendwie beides.

Wenn ich nicht gerade schreibe

Alltag!

Warum haben Sie dieses Debüt ins Programm genommen?

In „Ein Spalt Luft“ umkreist ein junger Mann die Geschichte seiner Kindheit und Familie: Kurz nachdem er geboren wurde, leidet seine Mutter zum ersten Mal an einer Psychose und aus dem jungen Elternglück wird schnell ein Unglück. Diesen Blick zurück in die eigene Vergangenheit schildert der Roman einfühlsam und vielschichtig. Die Verwicklungen aller Familienmitglieder berühren zutiefst – und es ist absolut beeindruckend, mit welch sicherem Sprachgefühl und großer Intuition für ganz verschiedene Töne Mischa Mangel diese Geschichte erzählt.

Doris Plöschberger, Programm­leiterin Deutschsprachige Literatur

Debütantinnen und Debütanten – im buchreport.magazin 01/2021

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