Sichtbar sein und digitale Kompetenz herausstellen

Unabhängige Fachinformationshändler halten den Service-Gedanken hoch. Sorgen bereitet den RWS-Sortimentern aber der Direktvertrieb der Verlage.

Die Herausforderungen im Fachinformationshandel nehmen mit der Digitalisierung beständig zu: So weit die grundlegende, nicht besonders aufregende Erkenntnis aus einer Diskussionsrunde mit den unabhängigen RWS-Sortimentern Bianca Kölbl (Biazza), Tillmann Röpenack (Solon) und Adolf Wolz (Schöningh). Aufschlussreich sind gleichwohl die Folgerungen, die die Händler ziehen, um sich auch zukünftig an den verschiedenen Fronten – Kunden, Verlage und die großen Fachinformationsmittler – zu bewähren:

  • Wolz und Kölbl, die auch im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen (AWS) aktiv ist, haben unmittelbar vor dem Online-Meeting mit buchreport an einem Webinar zu einer neuen Plattform für den Datenbankvertrieb teilgenommen, die von Solon insbesondere für kleine und mittlere Buchhandlungen entwickelt wurde.
  • Es zeichnet sich ein Trend zu kleineren Vertriebsverbünden ab. Ein Beispiel hiefür ist die neu gegründete Vertriebsgemeinschaft Fachmedien, zu der neben Schöningh die Buchhandlungen A. Stein’sche sowie Brunswiker + Reuter gehören.
  • Während Solon sich als reiner Versender auf die Entwicklung von Softwarelösungen spezialisiert hat, spielt für Schöningh und Biazza die doppelte Verankerung im RWS- und im allgemeinen Sortiment eine wichtige Rolle – sowohl zur Risikoverteilung auf mehrere Standbeine als auch zur gegenseitigen Befruchtung der Geschäfte.

 

Im allgemeinen Sortiment hat Covid-19 massive Auswirkungen. Wie stark ist der RWS-Handel betroffen?

Kölbl: Tatsächlich laufen auch hier die Geschäfte etwas ruhiger. Die Bibliotheken haben teilweise geschlossen. Hier können wir in Einzelfällen Bestellungen nicht liefern, weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit oder im Homeoffice sind. In anderen Fällen wiederum liefern wir, aber die Rechnungen werden aufgrund des Personalmangels nicht beglichen. Die Anwälte arbeiten vermehrt im Homeoffice und sind deshalb ebenfalls zurückhaltender bei Bestellungen.

Röpenack: Auch wir stellen einen Rückgang bei den Kundenkontakten fest. Es gibt eine – allerdings nicht übermäßig – gestiegene Nachfrage nach Online-Produkten. Viele Kunden kommen leider nicht darauf, dass wir auch für Online-Produkte die ersten Ansprechpartner sind.

Wolz: Gerade im kommunalen Bereich erleben wir eine starke Nachfrage nach digitalen Produkten. Hier sind wir auch schon lange dabei, diese Angebote im persön­lichen Gespräch in den Vordergrund zu rücken und haben zu Beginn des Shutdowns geschaut, welche Datenbank wir freischalten können und wo die Verlage Testzugänge anbieten.

Auch ohne Corona ist Fachinformation kein Selbstläufer mehr. Wo liegen die größten Herausforderungen?

Kölbl: Das größte Problem sehe ich in der Sichtbarkeit. Wir haben Kunden, mit denen wir 40.000 Euro Umsatz erzielen, die ihren Beck-online-Zugang aber dennoch über den Verlag freischalten lassen, obwohl wir immer wieder kommuniziert haben, dass wir die Datenbank auch im Portfolio haben.

Woran liegt das?

...

 

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im buchreport.spezial RWS (Frühjahr 2020), verfügbar hier im E-Paper-Archiv und hier als gedruckte Ausgabe.

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