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Nach Frankfurt mit freundlichen Zahlen

Jedes Jahr bekommt ein Gastland in Frankfurt seinen großen Auftritt. 2022 stehen Spanien und seine Autoren im Scheinwerferlicht der Buchmesse. Die spanischen Verlage haben zuletzt ein Umsatzplus von 5,6% erwirtschaftet.

Don Quijote reitet vor: Zusammen mit seinem Vasallen Sancho Pansa ist Don Quijote eine der bekanntesten Figuren der spanischen Literatur. Der Roman von ‧Cervantes aus dem Jahr 1605 ist ein Klassiker der Weltgeschichte und im spanischen Buchhandel allgegenwärtig. Das Foto entstand 2021 bei der spanischen Buchmesse Liber.(Foto: Liber)

31 Jahre nach dem ersten Schaulaufen Spaniens in Frankfurt dreht sich während der Buchmesse jetzt zum zweiten Mal alles um das Land von der iberischen Halbinsel, seine Literatur und seine Kultur. Der Gastlandauftritt wurde akribisch vorbereitet, einschließlich intensiver Dialoge zwischen deutschen und spanischen Verlegern sowie Treffen von Buchhändlern, aber auch Autoren beider Länder.

Und wie sieht es im Buchmarkt des Ehrengastes aus? Die spanischen Verlage reisen in guter Stimmung an den Main, denn die kürzlich vom Verlegerverband Federación de Gremios de Editores de España (FGEE) vorgelegten Umsatzzahlen weisen für 2021 das beste Ergebnis seit 10 Jahren mit einer Umsatzsteigerung von 5,6% auf 2,58 Mrd Euro aus. Mit 134,8 Mio Euro (+6,8%) war das Digitalgeschäft mit 5,2% am Gesamtumsatz beteiligt.

Zusätzlich gute Laune macht den Spaniern die Tatsache, dass das Wachstum auf einer verstärkter Nachfrage nach Büchern basiert und nicht auf höhere Preise zurückzuführen ist, wie das in vielen anderen Märkten derzeit der Fall ist. 174,1 Mio gedruckte Bücher wurden im vergangenen Jahr verkauft, das ist ein Zuwachs von 5,9%. Auch Downloads digitaler Titel haben zugelegt, allerdings fällt das Plus von 1,7% weitaus moderater aus.

„Die Statistik bestätigt Schwarz auf Weiß, was sich im Verlauf des Jahres gefühlt bereits angedeutet hatte“, kommentiert der im Februar gewählte FGEE-Präsident Daniel Fernández das Zahlenwerk hoch zufrieden: „Der spanische Buchmarkt hat die Pandemie hinter sich gebracht und präsentiert sich wieder in sehr guter Verfassung.“

Wachstum in (fast) allen Warengruppen

Wie gut die Befindlichkeit des spanischen Buchmarkts im vergangenen Jahr war, zeigt auch die Tatsache, dass mit Ausnahme des Schulbuchs (–3,8%) deutliches Wachstum quer durch alle Warengruppen erzielt wurde. Beispielhaft führt FGEE in einem Statement die 3 wichtigsten Marktsegmente auf:

  • Mit einem Plus von 7,7% auf 771 Mio Euro hat das Sachbuch seine Position als umsatzstärkstes Marktsegment einmal mehr zementiert.
  • Dahinter rangiert die Belletristik mit 549 Mio Euro (+8,2%).
  • Den größten Wachstumssprung hat das Kinder- und Jugendbuch mit +17,8% auf 432 Mio Euro geschafft.

Was das schwache Abschneiden des üblicherweise stabilen Schulbuchgeschäfts angeht, gibt sich der Verband unaufgeregt. In einem Statement heißt es, dass 2021 mit der Einführung einer neuen staatlichen Bildungsinitiative und dem Auslaufen eines Schulbuch-Leihsystems für einkommensschwache Familien in vielen Kommunen ein „Jahr des Übergangs“ war.

Planeta und PRH dominieren

Die positiven Zahlen täuschen allerdings nicht über ein Grundproblem des spanischen Marktes hinweg: Das ist der ausgeprägte Konzentrationsprozess in der Verlagslandschaft, der viele kleine Verlage zunehmend in Bedrängnis bringt. Die beiden Buchkonzerne Planeta und Penguin Random House (PRH) dominieren den Markt mit Weile. Das beide Konzerne ihre Marktmacht einsetzen, um Autoren nach ersten Erfolgen bei kleineren Verlagen abzuwerben, sorgt zusätzlich für schlechte Stimmung (s. auch das Interview mit Plataforma-Verleger Jordi Nadal auf S. 38).

Sowohl Planeta als auch PRH verwalten ein komplexes Netz von Tochterverlagen, mit dem sie auch die Nachfrage der Spanisch sprechenden Buchmärkte in Lateinamerika bedienen. Doch gerade dieser wichtige Exportmarkt hat sich in den letzten Jahren als schwierig erwiesen.

Das hat mit Problemen in der Lieferkette im Gefolge der Corona-Pandemie zu tun, aber auch damit, dass auch die Konzernverlage in der Region ihre Bücher immer öfter vor Ort produzieren. Für 2022 hat Fernández deshalb das Ziel ausgegeben, das Exportgeschäft nicht nur nach Lateinamerika, sondern auch innerhalb Europas kräftig auszubauen. Und der Gastlandauftritt soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

Laut FGEE wurden 2021 Bücher aus Spanien im Wert von 180,55 Mio Euro nach Lateinamerika exportiert, 2,1% weniger als im Jahr zuvor. Wichtigster Abnehmer war einmal mehr Mexiko, doch auch dieser normalerweise stabile Markt blieb mit 62,9 Mio Euro um 13 Mio Euro deutlich hinter 2020 zurück.

Standorthandel ist die Nr. 1

Bei den Vertriebskanälen dominiert laut FGEE-Statistik auch weiterhin der Standortbuchhandel:

  • Zusammen kommen unabhängige Buchhändler (35,2%) und Buchfilialisten (18,6%) auf einen Marktanteil von 53,8%.
  • Für den Online-Handel schlugen 23,9% zu Buche.

Sprecher der Verlage: Daniel Fernández wurde im Februar zum zweiten Mal als Präsident des spanischen Verlegerverbands gewählt. Das Amt hatte der 61-Jährige bereits zwischen 2015 und 2018 inne. (Foto: FGEE)

Der vergleichsweise niedrige Marktanteil der Buchketten überrascht ein wenig. Zwar ist bekannt, dass sowohl die Fnac als auch die Warenhauskette Corte del Inglés ihr Buchsortiment in letzter Zeit zurückgeschraubt haben, aber dafür ist die Planeta-Tochter Casa del Libro mit zum Teil sehr attraktiv und einladend aufgemachten Filialen in großen und vielen mittelgroßen Städten präsent. Wie viel Umsatz der größte spanische Filialist macht, wird allerdings, wie bei Planeta üblich, streng unter Verschluss gehalten.

Besser als erwartet hat der unabhängige Buchhandel 2021 hinter sich gebracht. Die FGEE-Statistik gibt dessen Umsatz mit 900 Mio Euro an, das entspricht einem Zuwachs von 8,2%. Es gibt in Spanien etwa 3500 Buchverkaufsstellen, von denen gut 1000 im Buchhändlerverband CEGAL organisiert sind, der seine Mitglieder seit November 2020 mit dem Online-Shop Todostusli-bris.com unterstützt.

Ein Gradmesser für die Befindlichkeit des Buchhandels ist alljährlich der Diada de Sant Jordi, der katalonische Festtag des Heiligen Georgs am 23. April in Barcelona, der auch international (mit anderem Patron) als Welttag des Buches gefeiert wird. Bei dem mit Abstand umsatzstärksten Tag im katalanischen Buchhandel werden um die 1,6 Mio Bücher verkauft, die einen Umsatz von 20 Mio Euro und mehr in die Kasse bringen. 2022 soll es einen neuen Rekord gegeben haben.

Anja Sieg

Messe-Gastland Spanien – im buchreport.magazin 10/2022

Spanien

ca. 47,6 Mio Einwohner

Umsatz: 2,58 Mrd € (+5,6%)

 

Neuerscheinungen: 79,373 (+6,4%)

  • 55.197 gedruckte Exemplare
  • 24.176 digitale Ausgaben

Durchschnittspreis: 13,97 €

Preisbindung: ja

Mehrwertsteuer (%)

Allgemein/Bücher/E-Books: 21/4/4

Zahl der verkauften Bücher: 174,1 Mio € (+5,9%)

 

Vertriebswege (Auswahl)

  • Buchhandel: 35,2%
  • Buchketten: 18,6%
  • Internet: 23,9%

Buchmesse: Liber, Fachmesse, wechselnd in Madrid und Barcelona, 5.-7. Oktober 2022 (Barcelona)

Quelle: Federacion de Gremios Editores de España (FGEE)

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