Libri: Bücherwagen wird teurer

Das hatte sich abgezeichnet: Das gewohnte Leistungsspektrum der Logistiker wird sich nicht ohne Anpassungen und Preissteigerungen halten lassen, hatte buchreport in seinem Jahresrückblick prophezeit. Die aufwendige Buchlogistik wird teurer.

Großhändler und Bücherwagenbetreiber Libri kündigt jetzt zum 1. April ein verändertes Transportpreismodell mit einer neuen Pauschale an. Die Transportkalkulation setzt sich damit aus drei Elementen zusammen:

  • Im Barsortimentsbezug gelten weiterhin Kilo-Preise, die mit zunehmenden Umsätzen geringer werden (Jahres-Umsatz-Staffel).
  • Der Tarif für Verlegerbeischlüsse setzt sich künftig wie gehabt aus Kilo-Preis und in Anlehnung an Paketdienste aus einem Fixpreis pro Packstück zusammen.
  • Die neue Transportpauschale ist abhängig von der Zustellfrequenz, für die sich eine Buchhandlung entscheidet.

Im vergangenen Jahr war bereits in der Branche kritisch diskutiert worden, ob die Montagsbelieferung der Buchhandlungen weiter zwingend notwendig ist. Der neue KNV-Eigner Zeitfracht hatte die Über-Nacht-Lieferung kostenkritisch kommentiert und den Preis der Schnelligkeit thematisiert.

Libri will mit der damit verbundenen Preiserhöhung die Lücke zwischen Transportkosten und -erlösen schließen. Das Unternehmen bezuschusse den Transport über den Bücherwagen seit dessen Bestehen, der subventionierte Anteil betrage ein Drittel der Kosten, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Die „äußerst moderaten Erhöhungen“ der Transportpreise im letzten Jahrzehnt hätten nicht verhindert, dass die Lücke zwischen Transportkosten und Transporterlösen immer größer wird: Die subventionierte Summe müsse auf ein vertretbares Niveau gebracht werden, um auch zukünftig wirtschaftlich arbeiten zu können.

Libri-Chef Eckhard Südmersen hatte bereits im vergangenen Sommer in einem buchreport-Interview Alarm geschlagen: „Der Zwischenbuchhandel, Verlagsauslieferungen und Barsortimente, verdient in Deutschland kein Geld. Die Margen im Barsortiment lassen keine weitere Subventionierung der Transporte mehr zu.“ Auch Umbreit-Geschäftsführer Clemens Birk bestätigte: „Die teure Transportlogistik ist kaum kostendeckend zu betreiben.“

Das Gewerbe der Buchlogistiker wird durch mehrere Faktoren erschwert:

  • Marktentwicklung: Es gibt insgesamt weniger zu bewegen, die Absatzzahlen werden mittelfristig weiter schrumpfen.
  • Fragmentierung: Die Buchlogistik leidet unter zunehmender Kleinteiligkeit. Neben der üblichen Vereinzelung im Barsortimentsbezug erleben auch die Verlagsauslieferungen bei den Bestellungen kleinere Stückelungen.
  • Steigende Kosten: Mautgebühren und kletternde Kraftstoffpreise schlagen durch, der Kampf um freie Transportkapazitäten wird schärfer, weil der weiter boomende Online-Handel mehr Fracht auf die Straße bringt.

Libri nennt aktuell folgende Faktoren:

  • „Es mangelt an Fahrern und damit steigen die Lohnkosten.
  • Die Kraftstoffpreise ziehen an und die Maut wurde auf immer mehr Straßen ausgeweitet.
  • Hinzu kommen gesetzliche Regelungen wie Mindestlohn und Lenkzeiteinschränkungen / Pausenregelungen.“

Die permanent zunehmende Verkehrsdichte führe wiederum dazu, dass mehr Fahrer benötigt werden, um die Bücher pünktlich vor Ladenöffnung zu liefern.

Kommentare

3 Kommentare zu "Libri: Bücherwagen wird teurer"

  1. Nur weil man eine Idee schon hatte, ist die nicht unbedingt gut. Liest sich wie ein Antrag von amazon und Co. – Mit dem Vorteil Gebrauchsbücher kurzfristig liefern zu können (BoD vor Ort) allein, wird es kaum funktionieren. Wozu sollen die Verlage hier den Umweg über den Buchhandel nehmen ? Anders: Der Kunde bekommt den Content online bezahlt fürs lesen können und druckt aus, was er braucht. Dazu wird dann eine Online-Freigabe des Drucks nötig sein, wodurch der Verlag den Druck und damit seine Bezahlung regulieren kann. – So viel zur BoD-Fertigungsstrasse im Laden. – Ob man dann von den Ausdrucken für die wenigen Kunden, die keine ausreichende Technik haben, leben kann ist fraglich. Was „schöne Bücher“ angeht, die man so nicht vor Ort drucken kann: Das hat amazon erledigt. Und unsere Regierung hat dabei geholfen, indem sie beim Steuerbeitreiben eher zu uns, als zu amazon und Co kam. Für Jene, die den Ablauf nicht kennen. Das geht zB bei Turnschuhen so: Anprobe bei Galeria Kaufhof, Abfotografieren und zu Hause online bestellen. Wird im Buhhandel genau so gemacht. Der Buchladen ist manchmal auch Paketshop. Und dann holt der Kunde dort sein Buch ab. Alle sind glücklich – bis auf der/die Buchändler/in. Den davon kann man nicht leben.

  2. Zum 385. Male: Schafft endlich die bescheuerte Buchpreisbindung ab! Niemand, aber wirklich auch niemand in der Buch-Wertschöpfungskette ist bereit, hier noch länger die „Subventionen“ für Bücher mitzutragen, deren Preise ja nicht erhöht werden dürfen, weil sonst angeblich die Bildung in Deutschland in Gefahr ist und der Otto-Normalverbraucher außer stande ist, Preiserhöhungen zu tragen. Transportkosten steigen, Postpreise steigen, Marketing-Kosten für Bücher steigen unbemerkt schon seit Jahrzehnten weiter an – aber die Bücher müssen schön billig bleiben, damit man noch Geld mitbringen kann, um ein Buch herauszubringen.
    Übrigens: Nicht nur die Buchhändler müssen hier „schlucken“, es „schlucken“ genauso die Verlage, und es „schlucken“ seit Jahrzehnten auch die Autoren, die von ihren Büchern nur zu einem minimalen Prozentsatz leben können. So geht es wirklich nicht weiter!
    Ein radikaler Umbruch wäre eine Idee, die ich schon vor Jahren hatte, die aber niemand umgesetzt hat: Es müssten solche kleinen „Fertigungsstraßen“ für den Book-on-demand-Druck in jeder Buchhandlung stehen, so dass eine Buchhandlung bei Bestellung ein Buch selbst drucken und binden kann – so wie das Libri bzw. Bod in seinem Bestellzentrum macht, um das Buch anschließend zur Buchhandlung zu transportieren.
    Aber wenn es jeder Buchhändler täte, könnten wir uns den ganzen Versand- und Transportquatsch einschl. sämtlicher Kosten dafür schenken – und der Kunde käme auch wieder in die Buchhandlung, um sein gedrucktes und gebundenes Buch selbst abzuholen.

  3. Sehr geehrte Damen und Herren,
    das ist alles zu verstehen. Aber was kann der Buchhändler dafür?
    Wieder schlucken! Denn die Kosten dürfen ja nicht an den Kunden weiter geleitet werden.

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