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Chef-Kontrolleur wirft das Handtuch

Die Debatte über den Vertrieb von Erotik- und Esoterik-Inhalten durch den von der katholischen Kirche gesteuerten Weltbild-Konzern hat erste personelle Konsequenzen, und zwar auf der obersten Ebene: Der Finanzdirektor der Diözese Augsburg, Klaus Donaubauer (Fotomontage) ist von seiner Funktion als Aufsichtsratschef der Augsburger Verlagsgruppe  mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Donaubauers Bistum hat weitere personelle Konsequenzen und den im Zuge der Finanzkrise auf Eis gelegten Verkauf des Medienkonzerns in Aussicht gestellt.

Donaubauer zog nach 18 Jahren im Aufsichtsrat die Konsequenz aus der anhaltenden kontroversen Debatte um die inhaltliche Ausrichtung des größten katholischen Medienhauses im deutschsprachigen Raum. In einer Pressemitteilung des Bistums Augsburg heißt es wörtlich:

„Angesichts der Debatte über die Teilhaberschaft zwölf deutscher Bistümer, des Katholischen Militärbischofsamtes und des Verbandes der Deutschen Diözesen (VDD) am Weltbildverlag und im Zusammenhang mit der Diskussion über die Verwobenheit des Unternehmens mit der Produktion und dem Vertrieb literarischer Erzeugnisse, die der Menschenwürde und damit der Verkündigung und Lehre der Katholischen Kirche zutiefst widersprechen, kann der Rücktritt Dr. Donaubauers sicher nur als eine erste persönliche Konsequenz verstanden werden.“

Dass Donaubauer in dieser Woche den Hut genommen hat, ist ein Signal mit Blick auf die Tagung des Rats der Deutschen Bischofskonferenz am kommenden Montag. Beim Treffen steht ebenfalls die Weltbild-Debatte auf der Agenda. Entscheidende Frage: Können sich diejenigen in der Kirche durchsetzen, die für einen Verkauf des „verweltlichten“ Konzerns sind? Das heutige Signal von Donaubauer aus Augsburg ist eindeutig, heißt es doch in der Pressemitteilung: Unabhängig von möglichen weiteren Personalien in Folge der Weltbild-Debatte „verfolgt das Bistum Augsburg bereits seit einiger Zeit eine klare Option, die aber mit den anderen Gesellschaftern noch kommuniziert werden muss.

Und: „Auf der Sitzung des Ständigen Rates der deutschen Bischöfe Anfang nächster Woche müssen dazu weitere konkrete Schritte beraten werden, die der Komplexität der Unternehmensgruppe Weltbild angemessen sind.“

Die Debatte geht zurück auf eine kurze buchreport-Meldung zur Angebotspolitik des Weltbild-Online-Shops, der entgegen früherer Bekundungen zahlreiche Erotiktitel im Programm führte – inzwischen wurden entsprechende Artikel teilweise (beispielsweise Bücher aus dem Hamburger Blue Panther Books Verlag) herausgenommen.

Daraufhin berichteten auch Publikumsmedien wie „Welt“ oder „Berliner Morgenpost“ und sogar Boulevardmedien wie der Kölner „Express“ großflächig über das Thema. Zuletzt hatte sich sogar Papst Benedikt XVI explizit gegen die „Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet“ ausgesprochen – ein Seitenhieb gegen den Medienkonzern (hier mehr zum Verlauf der Debatte).

Nicht nur Weltbild steht im Fokus der Debatte, sondern inzwischen auch die DBH-Tochter Wohlthat’sche Buchhandlung (die angeblich Erotikartikel auch direkt angekauft und ins eigene Sortiment übernommen habe), sowie der Verlag Droemer-Knaur (gehört zu 50% Weltbild),  der eine eigene Reihe von erotischen Romanen im Programm hat.

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