Gullivers Sorgen

Bertelsmann-Vorstand (v.li.): Markus Dohle, Anke Schäferkordt, Thomas Rabe, Judith Hartmann, Achim Berg (Foto: Bertelsmann).

Als „gefesselten Gulliver“ hat das „Handelsblatt“ im Vorfeld der Bekanntgabe der Bertelsmann-Bilanz für 2013 den Medienkonzern genannt: Der Vorstandsvorsitzende Thomas Rabe hat zwar einen klaren Wachstumskurs verordnet, kommt aber derzeit nicht vom Fleck, wie die Bilanzpressekonferenz in Berlin gezeigt hat. Die Buchtochter entwickelt sich im Jahr eins nach dem „Fifty Shades“-Boom vergleichsweise gut.

Zumindest beim Umsatz konnte Rabe noch keine großen Sprünge machen. Die Erlöse stiegen im vergangenen Jahr trotz der Konsolidierungseffekte aus der Fusion von Penguin und Random House zum 1. Juli 2013 und trotz der vollständigen Übernahme des Musikverlags BMG nur um 2% auf 16,4 Mrd Euro. Im Umkehrschluss: Ohne die Sondereffekte büßte Bertelsmann Umsatz ein – „organische Wachstumsschwäche”, heißt dies bei Bertelsmann, jenem Konzern, dessen Umsatz nach Rabes Wunsch in den kommenden Jahren die 20 Mrd-Euro-Marke passieren soll.

Rabe erklärte bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien schwierig gewesen, außerdem habe sich das Buchgeschäft nach dem „Fifty Shades“-Boom normalisiert. Schließlich sei der Rückbau bei nicht profitablen Geschäften forciert worden. Trotz des nur leichten Umsatzplus‘ sei 2013 ein erfolgreiches Jahr gewesen.

Immerhin: Unter dem Strich verbuchte Bertelsmann 2013 aber mit 870 Mio Euro einen deutlich höheren Konzerngewinn als im Vorjahr (619 Mio Euro). Ein Zuwachs von 42%.
Wie sich (Penguin) Random House geschlagen hat

Dass Bertelsmanns Buchtochter Random House nicht an das Rekordjahr 2012 anknüpfen konnte, war zu erwarten: Die Erotik-Trilogie „Fifty Shades“ (von der bis dato weltweit 100 Mio Exemplare verkauft wurden, davon 8 Mio in Deutschland), hatte den Umsatz um fast ein Viertel auf 2,1 Mrd Euro wachsen lassen, der Gewinn stieg um 76% auf 325 Mio Euro, die Umsatzrendite erreichte sensationelle 15%. 

Doch dass die Zahlen für 2013 in der Bilanz dennoch ein Umsatzplus enthalten, ist auf Konsolidierungseffekte aus der Fusion von Random House und Penguin zurückzuführen: 
  • Umsatz: +24% auf 2,66 Mrd Euro (enthalten ist der Umsatz der deutschen Verlagsgruppe Random House sowie der Penguin-Umsatz im 2. Halbjahr 2013; rechnet man Penguin heraus, sank der Umsatz von Random House um rund 10% auf 1,9 Mrd Euro).
  • Gewinn (EBITDA): 363 Mio Euro (+11%)
  • Umsatzrendite: 11,6%. 
  • 100 Mio E-Books wurden weltweit verkauft, die Zahl der Titel liegt bei 77.000.
  • Aktuelle Zahlen zu Penguin Random House: 250 Verlage, 15.000 Neuerscheinungen und 700 Mio verkaufte Bücher pro Jahr, Umsatz rund 3 Mrd Euro 
Auch im laufenden Geschäftsjahr wird die Buchtochter zulegen, die geplante Übernahme der Publikumsverlagssparte von Santillana beschert dem Unternehmen, sollten die Kartellwächter zustimmen, einen zusätzlichen dreistelligen Mio-Umsatz. Weitere Übernahmen durch den Verlagsgiganten sind zu erwarten.
In Deutschland büßte die Verlagsgruppe Random House nach buchreport-Recherchen im vergangenen Jahr 1,2% Umsatz (auf 340 Mio Euro) ein – „nur“ müsste man ergänzen, eine gute Bestsellerbilanz sorgte dafür, dass die Einbußen nach dem „Shades“-Rausch nicht noch höher ausfielen. Der Digitalanteil lag erstmals über 10%. (Weitere Zahlen zur Verlagsgruppe Random House sind im kommenden buchreport.magazin 4/2014 zu lesen, in dem die 100 größten Buchverlage im deutschsprachigen Raum analysiert werden. Hier können Sie das Heft bestellen).

Thomas Rabe zeigte sich sehr zufrieden mit der Buchsparte, die Fusion mit Penguin habe sich schon jetzt ausgezahlt.

Markus Dohle, CEO von Penguin Random House, nannte für die Zukunft drei Erfolgsfaktoren:

  • Integration: Die Integration von Penguin und Random House werde drei Jahre dauern, die ersten neun Monate seien schon gut angelaufen.
  • Innovation: Die Geschwindigkeit und Schlagzahl der Innovationen solle deutlich erhöht werden, jetzt könne man Investitionen bündeln.
  • Internationalisierung: Der internationale Kurs werde weiter ausgebaut.
Gruner+Jahr & Co. schwächeln beim Umsatz 

Die Bilanzen weiterer Bertelsmann-Töchter:

Medien (Gruner+Jahr): Der Umsatz schrumpfte um 7% auf 2,1 Mrd Euro, der Gewinn (EBITDA) sank um 20% auf 193 Mio Euro.
Fernsehen (RTL): Die RTL Group büßte zwar ebenfalls Umsatz ein (-2% auf 5,9 Mrd Euro), unter dem Strich stieg der Gewinn (EBITDA) aber um 80% auf 1,3 Mrd Euro. 
Dienstleistungen (Arvato): Der Umsatz stagnierte bei 4,4 Mrd Euro, das EBITDA stieg aber nach mauen Jahren um 10% auf 401 Mio Euro.
Druckgeschäft (Beprinters, Prinovis): Der Umsatz sank deutlich um 8% auf 1,1 Mrd Euro, das EBITDA um fast ein Viertel auf 92 Mio Euro.

Corporate: In der Sparte „Sonstiges“ wird erwähnt, dass die Umsätze des Clubgeschäfts weiter sinken – dies sei ein geplanter Rückbau.

Rabe hatte in den vergangenen Jahren folgende Prioritäten von Bertelsmann skizziert:
  • Stärkung der Kerngeschäfte
  • Digitale Transformation
  • Aufbau von Wachstumsplattformen und 
  • Erschließung von Wachstumsregionen.

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