Störer in den eigenen Reihen

Innovatoren haben es auf dem Buch­markt schwer. Die Start-ups, die in den vergangenen fünf Jahren bleibenden Eindruck hinterlassen haben, lassen sich leicht an einer Hand abzählen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die gleichen Imageprobleme, die im Buchhandel zu Nachwuchssorgen führen, lassen viele In­vestoren einen Bogen um die Branche machen und Jungunternehmern so schnell die Puste ausgehen. Innovative Querdenker stoßen oft auf verfestigte Strukturen, schlimmstenfalls Denkstrukturen.

Change Management schei­tert daran, dass mit alteingesessenen Managern kein Change zu machen ist und nur ein Change the Management bleibt. Doch neben dem Malus, dass es dieser so traditionsbewussten und sehr eingefahrenen Branche mitunter an innovatorischer Durchlässigkeit mangelt, macht ausgerechnet der Branchenverband Innovatoren das Leben schwer.

MVB sondiert und vereinnahmt Ideen 

Die Diskussion, dass der Börsenverein im Zuge der Irrungen und Wirrungen des MVB-Leuchtturmprojekts Volltextsuche/ Libreka wiederholt seinen Mitgliedern (be­sonders aus dem Zwischenbuchhandel) mit Me-Too-Produkten Konkurrenz gemacht hat, ist nicht neu, findet nur aktuell in den Plänen der MVB zur Metadatenbank einen neuen Aufhänger. (Zur Transparenz an dieser Stelle: Auch der buchreport-Verlag Harenberg war in einigen Fällen von diesem Geschäftsgebahren der MVB betroffen)

Möge die bessere Realisierung von Ideen gewinnen, könnte vor diesem Hintergrund die einfache marktwirtschaftliche Devise lauten. Wäre da nicht die vom Börsenverein weiterhin umschiffte Frage, warum ein Verband, der Interessensvertretung und Dienstleister sein sollte, auf einem ohnehin schwierigen Markt als Konkurrent auftritt. Und, was viel gewichtiger erscheint, würde der Verband durch seine Wirtschaftstochter MVB – offenbar auf der permanenten Suche nach Selbstlegitimation – neben den alteingesessenen Akteuren (die sich schon zu wehren wissen) nicht gerade die jungen Innovatoren auszustechen versuchen, die diese Branche doch so nötig hat.

So basieren zentrale Konzepte und Aktivitäten der MVB in den Bereichen digitale Auslieferung, Konvertierung, E-Book-Ausleihe, App (noch nicht umgesetzt) und ak­tuell auch Metadatenbank (insbesondere digitale Vorschau, Trenddaten) auf Ge­schäfts­mo­dellen, die größtenteils junge Unternehmen entwickelt haben und die von der MVB teilweise bis ins Detail identisch auf die eigenen Fahnen geschrieben wurden. Unabhängig davon, ob die MVB die Pläne schließlich realisiert oder irgendwann still und leise begraben hat, die Reaktionen von Kunden und Kapitalgebern der Innovatoren lautet: Warum sollten wir euch weiter unterstützen, wenn der Verband doch Ähnliches plant? 

All dies kulminiert in der Bemerkung eines früheren hochrangigen MVB-Managers, die vom Verband mit großen Worten angeschobene Talentschmiede Prototype („die entwickelten Ideen bzw. Prototypen gehören der Allgemeinheit“) sei ideal für die MVB, um frühzeitig interessante Ideen an Land zu ziehen.

Es bleibt die Hoffnung, dass die MVB unter dem Einfluss des neuen Vorstehers das eigene Programm („Dienstleister der Branche“) endlich realisiert und dabei die vorhandenen Angebote in der Branche integriert statt verdrängt. Sonst droht der Dienstleister des Börsenvereins endgültig selbst zum Disruptor zu werden, der alles Vertrauen verspielt.  

aus: buchreport.magazin 7/2013

Kommentare

13 Kommentare zu "Störer in den eigenen Reihen"

  1. Helmer Pardun | 21. Juli 2013 um 19:23 | Antworten

    @Matthias Ulmer. Die schwache gesellschaftliche Verankerung einer deutschen Organisation wie der des Börsenvereins einschließlich einer doch sehr losen bis konkurrierenden Bindung der repräsentierten Gruppen untereinander mit der europäischen Gewichtigkeit eines Bauernverbandes und der Geschlossenheit der Mitglieder zu vergleichen, ist entweder Unkenntnis oder ein starkes Stück. Im Gespräch gerne mehr dazu.

  2. So lustig.
    Ich habe mit meinem Verlag eine Auflage von mehreren Hunderttausend.
    Aber was der/die MVB macht, weiß ich bis heute nicht. Dann brauche ich ihn/sie wohl auch nicht. Außer, wenn ich mal wieder 1000 ISBN bestellen muss.

  3. Helmut von Berg | 8. Juli 2013 um 15:46 | Antworten

    Im Zeitalter globaler, digital getriebener Märkte kommt einem die MVB zunehmend als der Hase vor, der es mit den Igeln aufnimmt, weil er über keine belastbaren Einschätzungen der zu erwartenden
    Entwicklungen verfügt. Zudem behindert das gedankliche Korsett der gesamten Konstruktion de facto jeden denkbaren Spielraum, denn es wird als Glaubensbekenntnis gehandhabt.

    Die Auswirkungen sind drastischer als die beispielhaft von Daniel Lenz zart angesprochenen. Dem organisatorischen Rahmen geht selbst das Hasentempo ab. Und bevor ihm ganz und gar die Puste
    ausgeht, sollte man vielleicht aufhören, zwanghaft Entscheidungssituationen herbeizuführen, in denen ›Hauptamtliche‹ des Konglomerats für sich in Anspruch nehmen können, das
    allein richtige zu tun, weil es keine Alternative gibt.

    Demut statt Magenbitter.

  4. Ehrhardt Heinold | 5. Juli 2013 um 16:02 | Antworten

    Als einer der professionellen Begleiter von Prototype möchte ich mich in die Diskussion einschalten. Vorab aber möchte ich Herrn Lenz für diesen wichtigen Impuls danken – die Diskussion ist überfällig.

    Als Präambel möchte ich zur MVB anmerken: Die Aufgabe einer kommerziell orientierten Verbandstochter muss eindeutig geklärt werden. M. E. liegt diese darin, den Wettbewerb zu fördern, nicht durch konkurrenzierende Angebote zu be- oder gar verhindern. Gefördert wird der Wettbewerb vor allem Schaffung von fairen Rahmenbedingungen, also z.B. durch Standards oder Regelungen zum Umgang miteinander. Herrn Ulmers schöner Vergleich mit dem Bauernverband (den Bauernverbänden), die mehrere Fachverlage betreiben, zeigt in der Tat das Dilemma unserer Branche: Denn auch die Bauernverbände machen mit ihren Verlagsaktivitäten anderen Wirtschaftsunternehmen Konkurrenz (u.a.Verlagen und Weiterbildungsanbietern), aber nicht ihren Mitgliedern (was diese sich sicher verbitten würden) und sind so fein raus. Letztlich muss jeder Verband also klären, welche Ziele seine Wirtschaftsaktivitäten verfolgen sollten. Und da gibt es aus meiner marktwirtschaftlich geprägten Sicht nur drei Optionen:

    1. Projekte, die den Wettbewerb befördern (wie z.B. Standards)
    2. Projekte, die sich wirtschaftlich nicht rechnen, aber gebraucht werden
    3. Projekte, die sich rechnen, aber den Mitgliedern keinen Wettbewerb machen (wie z.B. die Buchmesse)

    Nun zu Prototype:

    1. Ich sehe den Zusammenhang zum Kommentarthema, finde die Verquickung aber unglücklich (da stimme ich Katja ausdrücklich zu).

    2. Protoype ist ein Projekt des Börsenvereins, nicht der MVB.

    3. Wir waren uns von Beginn an darüber im Klaren, dass aus einem Verbandsprojekt direkt kein Start-up hervorgehen kann; deshalb gibt es auch keinen „Inverstorenpitch“ als Projektabschluss. Ganz bewusst wurde und wird in der Prototype-Beschreibung immer von Tools und Standards gesprochen (nicht von Start-ups), die allen gehören. Natürlich klingt das wie Semantik, aber diese Abgrenzung haben wir immer klar kommuniziert.

    4. Prototype dürfte eines der transparentesten Projekte des BV sein: Alles wird offen kommuniziert, die Teilnehmer stammen aus allen Teilen der Branche, es werden Zwischenergebnisse kommuniziert. Es gibt zwar einen kleinen Informationsvorsprung bei den direkt Beteiligten, aber der ist m.E. nicht entscheidend.

    5. Die MVB entsendet Teilnehmer in Prototype, ist also gut informiert, hat dadurch aber, wie eben beschrieben, keinen Vorteil.

    6. Wenn die MVB Prototype-Ideen aufgreift und dadurch den Wettbewerb be- oder verhindert, dann sind wir wieder bei meiner Präambel: Was ist die Aufgabe der MVB? Nach welchen Kriterien darf sie unternehmerisch tätig werden? Dabei sollten nicht nur strategische (Die richtigen Dinge tun), sondern auch operative (Die Dinge richtig tun) Faktoren (wie technische Umsetzungskompetenz) bedacht werden, denn operativ hat die MVB, so zumindest der Tenor, den ich oft wahrnehme, offenbar Probleme.

    Wenn dieser Rahmen klar abgesteckt wird, dann gibt es eine Grundlage für Entscheidungen. Die Branche und der Verband sollten diese Klärung endlich vornehmen. Und zwar „sine ira et studio“ und ohne die Angst vor einem Gesichtsverlust.

  5. Matthias Ulmer | 4. Juli 2013 um 15:54 | Antworten

    Ich erlebe unsere Branche nicht weniger innovativ als andere. Im Gegenteil, die Innovationen, die von den Verlagen aktuell aufs Gleis gesetzt werden, dürften nahezu beispiellos sein.

    Auch mangelt es nicht an potentiellen Investoren, es mangelt eher an Übernahmegelegenheiten.

    Weiter kann ich kein Start-up Problem erkennen. Die Zahl der Neugründungen ist erstaunlich hoch. Wenn Sie allerdings eine Neugründung eines Verlags oder einer Buchhandlung nicht als Start-up gelten lassen, dann sieht das anders aus. Dann betrachten Sie aber nicht die Branche sondern eine andere.

    Auch der Hieb zum Change Management erscheint mir mehr polemisch als haltbar. Der Wandel, der in den Fachverlagen stattgefunden hat, der in den Bildungsverlagen im Gange ist, der in den Publikumsverlagen vermutlich erst am Anfang steht, auch der hat historische Dimension. Sicher, es wird einige geben, die sich dem verweigern zu können hoffen. Aber das sind dann wieder die interessanten Kandidaten für zukünftige Investoren.

    Klar, es geht Ihnen darum ein Szenario aufzumalen, bei dem die MVB Schuld ist an allem, was die Branche so beschäftigt.

    Ja, die MVB mach Mitgliedern Konkurrenz. Das reicht ja als Diskussionsgegenstand, da muss man doch keine Innovationsblockade hinfabulieren.

    Vielleicht hilft es Ihnen, einen Blick auf andere Branchen zu werfen, nehmen Sie mal die Bauern. Ein Bauernverband bietet seinen Mitgliedern Fachzeitschriften, Datenbanken, Metadaten, Bildugnseinrichtungen, Messen, Kongresse, Handelsorganisationen, Versicherungen, Beratung etc. Das ist fast das identische Leistungsspektrum wie beim Börsenverein bzw. der MVB. Was der Bauernverband nicht macht: er züchtet keine Schweine und baut keinen Mais an. Er macht also seinen MItgliedern keine Konkurrenz. Das bedeutet aber doch nur, dass jeder Verband für seine Mitglieder Informationsdienstleister ist und das nun eben in der Branche der Informationsdienstleister logischerweise zu Konkurrenz führt. Das heißt NICHT, dass der Verrband etwas tut, was er nicht sollte, sondern dass es bei uns ein Konfliktpotential gibt, das es in anderen Branchen so nicht geben kann. Bleibt damit nur die Frage, wie man mit den Konflikten umgeht: da gibt es zwei Lösungen: entweder der Verband verzichtet generell auf Leistungen, die auch einer aus der Branche anbieten könnte. Dann hätten wir weder Börsenblatt noch Buchmesse noch die Schulen des Buchhandels noch VLB etc. etc. Oder der Verband verzichtet nicht und macht es davon abhängig, ob die Mitglieder ihm jeweils den Auftrag geben. Dann gibt es den Konkurrenzkonflikt, weil ihn die Mitglieder in der Abwägung der Dinge hinnehmen. So meine ich ist das derzeit im Börsenverein.

    Dass das den davon betroffenen auf den Magen schlägt, das kann ich nachvollziehen. Da empfehle ich aber einen Magenbitter, statt – wie bei Prototype – mit skurrilen Verdächtigungen zu kommen.

    • Lieber Herr Ulmer, danke für den Kommentar. Dessen Tenor mich natürlich nicht wundert, weil Sie seit Jahren die MVB in Schutz nehmen, egal, welchen Schachzug die MVB gerade unternimmt.

      Mir (Daniel Lenz) ging es in dem Kommentar zwar auch um die grundsätzliche Frage der Konkurrenz – mit der sich die etablierten Firmen der Branche (auch wir) auseinandersetzen müssen.

      Im speziellen kritisiere ich aber, dass es Startups schwer haben in der Branche, und zwar auch wegen des Verbands. Zahlreiche junge Firmen berichten, dass die MVB ihre Ideen, (teilweise, nachdem sie sie sich haben präsentieren lassen), abgekupfert oder, um es etwas neutraler zu formulieren, vereinnahmt hat. In der Facebook-Gruppe zu Prototype gibt es eine lange Diskussion zu diesem Kommentar, in dem einige Betroffene, darunter eine Mitarbeiterin von Ihnen, rekapitulieren, wie das ganze gelaufen ist. Meine Kritik scheint also nicht so ganz aus der Luft gegriffen („skurrile Verdächtigungen“) zu sein.

      Klar kann man sagen, es ist der Auftrag der MVB, solche Ideen der Branchen-Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Nur mit der Prämisse haben es Startups, die jede Branche, auch unsere, braucht, extrem schwer. Sie sind innovativ, und dann kommt die MVB und schreibt sich diese Ideen auf die eigenen Fahnen. Das kann dazu führen, dass die Investoren der jungen Unternehmen ins Zweifeln geraten (weil der Verband jetzt auch bei der Geschäftsidee mitmischt), und schon gibt’s massive Probleme. Das hat eine andere Dimension. Und das wird gerade wieder an der Metadatenbank deutlich.

      Ihr Generalverdacht, wie gäben der MVB die Schuld an allem, was die Branche beschäftigt, ist schon abenteuerlich. Gleichwohl, wir haben von Anfang an bei Libreka Zweifel gehabt, und die waren, wie man spätestens jetzt sieht (nachdem große Summen in ein Endkundengeschäft geflossen sind, das aufgegeben wird), wohl berechtigt.

      Abschließend noch eine Bemerkung zum Change Management-Passus. In Ihren Augen eine Finte, um auf die MVB herumzuhacken. Andere glauben offenbar tatsächlich, wie ich, dass es mitunter Management-Defizite gibt, die Innovationen verhindern: http://www.buchreport.de/nachr

      • Matthias Ulmer | 4. Juli 2013 um 16:53 | Antworten

        Lieber Herr Lenz, um das nicht endlos werden zu lassen nur eine Anmerkung zu Prototype: Wir diskutieren in Verlegerausschuss und Vorstand das Problem, dass bei Prototype tolle Ideen entstehen, danach aber niemand diese aufgreift, die Vermittlung an die Verlage bzw. die Praxis misslingt und damit die wichtigen Initiativen verpuffen. Entweder diskutieren wir im Verband am Problem vorbei oder Ihr Kommentar. Ich weiß die Antwort nicht, es würde sich aber wohl lohnen, den einzelnen Prototype Projekten konkret nachzugehen, um weitere Pauschalierungen zu vermeiden.

        • Lieber Herr Ulmer, ich habe mich offenbar missverständlich ausgedrückt (oder zu wenig Magenbitter getrunken). Mir geht es gar nicht um Prototype, das sind ja noch keine ausgereiften Geschäftsmodelle, geschweige denn gibt es da Investoren. Es geht um ganz zentrale Entwicklungen der MVB, wie im Kommentar erwähnt: Ausleihe, App, Konvertierung, Metadatenbank, wo auf einmal die Geschäftsideen anderer auftauchen.

          Mit Blick auf Prototype ist nur eben dieser markante Satz gefallen, der das ganze Problem beschreibt.

          • Matthias Ulmer | 4. Juli 2013 um 21:31 |

            Die Metadatenbank wurde in Facebook angeregt und die MVB explizit aufgefordert, von Vorstand, das als Konzept zur Entscheidung vorzulegen. Wo war denn die Alternative?
            Und auch bei der Ausleihe war das nicht anders. Da wurden bestehende Anbieter, unter anderem die MVB um ein umsetzbares Modell angefragt, im Hinblick auf eine Lösung für die Bibliotheken. Die MVB hat dabei klar gesagt, dass sie es nicht selbst machen kann, gerne aber als Content Lieferant mit einem Anbieter eines umsetzbaren Modells zusammen arbeiten würde.
            Konvertierung ist ein Service, den quasi jeder anbietet, auch da hat die MVB ein Angebot mit einem Dienstleister vorgelegt.
            Bei Apps ist mir nichts bekannt. Insgesamt kann ich auch in diesen Fällen bei meinen Informationen den Vorwurf nicht nachvollziehen, würde das aber gerne weiterverfolgen, auch außerhalb des Forums hier, wenn das gewünscht ist.

          • KatjaSplichal | 5. Juli 2013 um 10:26 |

            Äpfel und Birnen, alle Beide!
            Herr Lenz, es war journalistisch und inhaltlich unklug, den einen Satz des hochrangigen Ex-Managers bzgl. ProtoTYPE in Verbindung mit einem strukturellen Problem zu bringen, und Herr Ulmer, es ist nicht richtig, den von Herrn Lenz abgegebenen (und vorab an mannigfaltiger Stelle geprüften) Einschätzungen mit einer Aufforderung zum Alkoholkonsum zu begegnen. Wie immer, wenn zwei sonst so kluge Leute einander das argumentatorische Wasser abzugraben versuchen und nicht weiter kommen, kann man davon ausgehen, dass Unklarheiten im Ausdruck ursächlich sind.
            1) eine gute Hand voll „externer“ Start-Ups hat massive Probleme mit den jeweiligen Verhandlungspartnern bei der MVB gehabt – inhaltliche und, sagen wir mal: persönliche.
            2) Eine nicht zu unterschätzende Zahl an Geldgebern und Investoren verfolgt die Branchenmedien sehr genau. Eine finanziell gut bis prächtig gerüstete Wirtschaftstochter, die auf Buchmessen, Podien und anderen Branchenevents großtönern „neue“ Konzepte, Produkte und Ideen präsentiert, die so haarklein in den bei Gesprächen/Kooperations- und/oder Übernahmeversuchen ausgetauschten Unterlagen stehen – Konzepte, die dann nicht einmal umgesetzt werden, wohl gemerkt, die schreckt solche die Branchenmedien verfolgenden Investoren ab und bedeutet für so manche gute Idee (und die dahinter stehenden Leute!) den Genickschuss.
            3) Es geht weder um Verschwörungstheorien noch um Schuldzuweisungen, es geht nicht um Befindlichkeiten und nicht um Schnaps – es geht auch im Wesentlichen nicht um das Paradoxon der Informations-Vermittlungs-Branche mit ihren 3-4 Säulen, sondern um so etwas basales wie „Einsicht“. Es geht um das ganz simple Problem, dass man (nicht alle 140, nur die wichtigen) bei der MVB bisher nicht verstanden hat, welche Rolle man in dem Geflecht aus Eigen-, Fremd- und Misch- bzw. Metainteressen zu spielen hat und wie es diese zu kommunizieren gilt. Auch ein funktionierendes Berichtswesen ans Mutterschiff kann ich bislang nur in Teilen erkennen und (Nähkästchen) Aussagen wie „Wir warten noch ein halbes Jahr, dann kaufen wir Euch für nen Appel und ein Ei“ nach einer Buchprüfung bei einem Start-Up und Mitglied des Vereins tragen nicht dazu bei, dass ich den Eindruck gewinne, mich in einem innovationsförderlichen Umfeld zu bewegen.

            Randüberlegung: Nehmen wir mal an, die MVB nähme sich vielversprechender Ideen an, setzte diese Dank großem Bankkonto, guter Leute, prima Vernetzung und klasse Rückhalt aus der Branche zügig und in bester Qualität um, so dass am Ende zwar einer weint (der kleine Depp im Start-Up, der kein Funding bekommen hat, Flurschaden), aber 1000de etwas davon haben (die ganze Branche zum Beispiel) – wie viel besser wäre dann die Stimmung? Und wenn man jetzt noch dazu überginge, sein Gegenüber bei der Übernahme von Idee und/oder Firma mit Respekt zu behandeln.. der Himmel auf Erden.

            Da wir aber nicht i Himmel sondern in der freien Wirtschaft mit freien Wirtschaftstöchtern sind: vergessen Sie es 🙂

          • Matthias Ulmer | 5. Juli 2013 um 15:23 |

            Nein, den Himmel auf Erden vergesse ich nicht, insbesondere wo er eigentlich der Normalfall sein sollte.

  6. Hans Paulsen | 3. Juli 2013 um 12:39 | Antworten

    Was noch zu ergänzen wäre: Beipiel DRM/SiDiM

    Einerseits ist die MVB laut Presse in die Entwicklung des genannten Systems involviert (ich vermute mal auch finanziell),
    http://www.buchreport.de/nachr
    andererseits hat der Börsenverein, Besitzer der MVB dazu folgende Meinung: … „Diesen Weg“, sagt Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis, „hält der Börsenverein für sehr bedenklich, weil am Kern des Produkts Manipulationen vorgenommen werden.“… So zu lesen hier http://www.faz.net/aktuell/feu

    Ist das Kontrollverlust? Wiederholt sich das u.U (Netto-Shop)? Die zahlenden Mitglieder des BV sollten doch mal bei Gelegenheit anfragen, was diese „Ausflüge“ denn so kosten.

  7. Hans Paulsen | 3. Juli 2013 um 10:06 | Antworten

    Dem Artikel kann man nur zustimmen! Die Frage des warum die MVB so vorgeht lässt sich beantworten: es geht um die Sicherung von deren Jobs. Da sie wenig eigene Ideen generieren, bedient man sich extern. Die Tatsache, dass die MVB selten bis nie in der Lage ist, Projekte umzusetzen, zeigt sich in ihrer Spur von Misserfolgen. Um mal ein paar zu nennen:

    – Libreka: ohne Kommentar

    – Metadatenbank: viel zu spät, wir haben 2013, schon jetzt ein Zankapfel

    – DRM: siehe die aktuelle Diskussion (Stichwort SiDiM)

    Ich wünsche dem neuen Vorstand des BV die Kraft, diesen Augiasstall auszumisten, wobei ich nicht glaube, dass man mit der personellen Besetzung so weiter machen kann.

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