Eine für alle, alle für eine

Zwei Monate, nachdem der Vorstand des Börsenvereins auf Druck insbesondere des Buchhandels den Kurs der MVB korrigiert – Shopsysteme und E-Book-Auslieferung seien dagegen „keine primären Aufgaben der MVB“ – und die Entwicklung einer Metadatenbank auf Basis des VLB ganz oben auf die Agenda gesetzt hat, folgt ein konkreter Fahrplan. Das Projekt erscheint ambitioniert, steht und fällt aber mit einer Zusammenarbeit der Barsortimente. 

Die zentralen Analysen und Ideen der MVB im Überblick:
Referenzmetadatenbank: Nach Einschätzung der MVB monieren Verlage die heute ineffiziente Methode der Datenlieferung an eine Vielzahl von Daten-Anbietern (VlB, Barsortimente, Amazon). Eine Befragung von 30 Verlagen unterschiedlicher Größe im Mai 2013 habe ergeben, dass der Wunsch besteht, Metadaten nur an einer zentralen Stelle einzugeben. Dies soll nach Wunsch des Börsenvereins künftig „VLB+“ sein, eine „zentrale und neutrale Drehscheibe zum Ein- und Ausspielen von Daten“. Hier würden die auf Plausibilität geprüften Daten an Barsortimente, Shops und andere Datenbanken verteilt – eine Referenzdatenbank für alle Metadaten, analog dazu, dass das VlB bereits eine Referenzdatenbank für die Preise sei.
Barsortimente: Bislang hat ein Teil der Zwischenbuchhändler eher skeptisch auf die Perspektive einer MVB-Metadatenbank reagiert. Dass sic die Barsortimente mit den eigenen Daten abgrenzen wollten, sei nachvollziehbar, schreibt die MVB. Und wirbt für den „direkten Vorteil“, den die Barsortimente bei einer Einspeisung der eigenen Daten hätten: Umfang und Qualität der Daten steige. Die gesamte Branche profitiere, wenn das „traditionelle Kirchturmdenken“ überwunden werde. Jetzt müsse man gemeinsam „tragfähige Modelle“ einer Zusammenarbeit finden – konkreter wird die MVB aktuell nicht.
Relevanz von Metadaten: Die MVB betont, wie wichtig ausführliche Metadaten sind und verweist auf eine Studie von Nielsen, nach der die Verkäufe von Belletristik-Titeln, die mit Metadaten gemäß der BIC-Norm ausgestattet waren (Autor, Titel, Reihen- und Auflageninformation, Umfang, Maße, Sprache, Medientyp, Zielgruppe, Sachgebiet) um bis zu 173% steigen; Sachbücher mit vollständigen Metadaten verkauften sich 33 Prozent besser als Titel mit unvollständigen Angaben. Titel mit Bild fanden demnach fast dreimal so häufig den Weg in den Warenkorb wie Titel ohne Bild.
Umfang der Metadatenbank: Neben den Titelbeschreibungen (z. B. Titel, Autor, Cover, Kurzbeschreibung, Schlagworte, Warengruppe), Produktbeschreibungen (z. B. Format, Seiten, Auflage) und Verkaufsdaten (z. B. ISBN, Preis, Erstverkaufstag, Vertriebsrechte, Lieferbarkeitsangaben) soll die Datenbank Metadaten im erweiterten Sinne umfassen:
  • Medien- und Leserrezensionen
  • Blogeinträge
  • Annotationen
  • Statusmeldungen auf Facebook
  • Verlagsvorschauen
  • Werbetexte
  • Terminkalender zu Lesereisen
  • Möglichst auch Verkaufsdaten an der Kasse, Kundenbewegungen in Webshops, Such- und Bestelltrends bei Barsortimenten oder bei dem Bestellclearing-Service IBU. 
Start-Projekte: Die Frankfurter haben drei Bausteine für den ersten Projektabschnitt entwickelt:
1. „Qualitätsoffensive“: Die Datenqualität, bezogen auf Vollständigkeit und Konsistenz sowie durch Anreicherung und Veredelung von Metadaten, soll gesteigert werden. Dies soll durch Veredelungen durch ein aufgestocktes „VlB+“-Team (acht zusätzliche Redakteure) sowie Schulungen der Verlage erfolgen. Viel Wert legt die MVB darauf, dass die Verlage täglich ihre Metadaten beim VlB+ aktualisieren – besonders Lieferbarkeitsinformationen seien wichtig. Diese „Qualitätsoffensive“ habe schon begonnen.
2. Bewertungsdatenbank: Die MVB will eine zentrale Bewertungsdatenbank aufbauen. Idee: Die Buchhändler sammeln in ihren eigenen Online-Shops Kundenbewertungen und stellen diese allen anderen Shops zur Verfügung. Hintergrund: Beim Online-Kauf machten 40% der Nutzer ihren Kauf von Empfehlungen durch Freunde und anderer Internetnutzer abhängig. Zeitplan: Start ab 3. Quartal 2013, fertig: Leipziger Buchmesse 2014.
3. Vorschauservice: Die MVB will für Verlage und Buchhandel eine Vorschau-Datenbank aufbauen, vergleichbar mit in der Branche vorhandenen Angeboten wie der eVorschau der Buchhändlergenossenschaft eBuch, mit Anknüpfungspunkten zu Lösungen wie Edelweiss in den USA. Das Portfolio umfasst das Erstellen von digitalen Vorschauen, einen zielgruppengerechten Versand von Vorschauen und eine Verarbeitung von Neuerscheinungsinformationen für den Buchhandel. Zeitplan: Start 1. Quartal 2014, fertig: Mitte 2014.
Der ausführliche Fahrplan ist in einem Whitepaper der MVB nachzulesen (hier zum Download).

Kommentare

1 Kommentar zu "Eine für alle, alle für eine"

  1. Buchbetreuerin | 20. Juni 2013 um 18:13 | Antworten

    Die Idee finde ich gut. Und ich hoffe, dass sich die MVB (anders als beim Libreka-Durcheinander) diesmal als fähig erweist, das Ganze auch umzusetzen. Es setzt im Übrigen auch voraus, dass Verlage offensiver mit der Kritik von Rezensenten umgehen – und diese ggf. sehr schnell für Produktnachbesserungen verwenden. Bisher fristen die Buchrezensionen, wie sie v.a. bei Amazon zu finden sind, noch ein Schattendasein. Wer aber genauer hinschaut, sieht auch, dass sie mehr und mehr Einfluss auf die Kaufentscheidungen von Konsumenten haben.

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