Augsburg will Apple ausstechen

Keine vier Wochen ist es her, dass Amazon mit einem 199-Dollar-Tablet dem Rivalen Apple den Kampf ansagte. In Deutschland, wo es noch kein Auslieferungsdatum für den „Kindle Fire“ gibt und das iPad den Markt beherrscht, attackiert die Allianz aus Weltbild und Hugendubel die Vormachtstellung von Apple: mit einem 160-Euro-Tablet. buchreport.de skizziert Botschaft, Hoffnung, Geschäftsmodell und Perspektive der T-Offensive.

Nachdem Weltbild bereits im Mai 2011 ein Tablet für rund 160 Euro auf den Markt brachte, das nach kurzer Zeit vergriffen war, schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Augsburger das Thema erneut und mit größerem Maßstab aufgreifen: derselbe Preis, derselbe Hersteller (Cat), diesmal jedoch wird der Start von selbstbewussten Botschaften begleitet.

Das Gerät:

  • 8-Zoll-Multi-Touch-Bildschirm mit einer Auflösung von 800×600 Pixel im 4:3 Format
  • Telechip 1,2 GHz Cortex A8 Prozessor
  • Betriebssystem Android 2.3 (updatefähig)
  • 2 Kameras (vorn 1,3, hinten 2,0 Megapixel) für Filme, Fotos und Videotelefonie
  • GPS-Modul für Navigation
  • Akku mit bis zu 8 Stunden Laufzeit
  • 4 GB interner Speicher (mit microSD-Karten erweiterbar)
  • 512 MB RAM Arbeitsspeicher
  • WLAN-Anschluss
  • Flash 10.3
  • Anschlüsse für Mini-USB, Mini-HDMI, microSD/SDHC Speicherkarten
  • inkl. USB-Kabel, USB-Adapter, Netzteil
  • Gewicht: ca. 500g
  • Preis: 159,99 Euro
  • Die Benutzer können direkt auf den Android-Marketplace (über 100.000 kostenlose Apps) sowie die mobilen Shops von hugendubel.de und weltbild.de zugreifen.
  • Das Tablet ist in den Webshops von Hugendubel und Weltbild sowie den Münchner Hugendubel-Buchhandlungen sowie allen Weltbild-Filialen erhältlich.

Die Botschaft:

Weltbild und Hugendubel positionieren sich in direktem Wettbewerb zu Apple und anderen Tablet-Anbietern. „Diese herausragende Preis-Leistung soll unseren Kunden zeigen, dass wir auch in der digitalen Welt die Nr. 1 sind“, lässt sich Nina Hugendubel in einer Pressemitteilung zitieren. Ähnlich selbstbewusst zeigt sich Weltbild-Geschäftsführer Klaus Driever, der mit Blick auf den Preis erklärt: „Unser Tablet ist das erste, das für `nen Appl und ´n Ei erhältlich ist. Ein starker Tablet PC – zu diesem Preis, bei dieser Ausstattung, das können nur Hugendubel und Weltbild.“

Die Hoffnung:

Weltbild & Co. gehen davon aus, dass es trotz des hohen Marktanteils von Apple (die Webanalyse-Firma Webtrekk registrierte im 3. Quartal für das iOS-Betriebssystem der Smartphones und Tablet-Computer von Apple bei der mobilen Internet-Nutzung einen Marktanteil von 78% in Deutschland) im unteren Preissegment noch Platz gibt. Und der soll möglichst großflächig besetzt werden, solange Amazon hierzulande das eigene Tablet noch nicht offeriert. Dass es eine für niedrige Tablet-Preise empfängliche Zielgruppe gibt, das hat Hewlett Packard unfreiwillig bewiesen: Beim ursprünglichen Preis von rund 400 Euro war das „Touchpad“ eine lahme Ente, zum 99-Euro-Dumpingpreis (anlässlich des Abschieds von HP vom Tablet-Markt) ein Renner.

Das Geschäftsmodell:

Wie Amazon verdient Weltbild, wenn überhaupt, nicht viel Geld mit der Hardware. Erst mit dem Verkauf von Inhalten (z.B. Musik und E-Books im digitalen Format) soll ein Schuh daraus werden. Bei Amazon führt dieser Kurs dazu, dass der Gewinn aktuell im Sinkflug ist und die Investoren not amused sind. Weltbild dürfte zwar nur einen Bruchteil der Amazon-Investitionen ins Kindle-Programm fürs eigene E-Book-Geschäft aufwenden, verfügt aber über einen vergleichsweise langen Atem, weil keine Aktionäre im Hintergrund auf exzellente Quartalsergebnisse drängen.  
 
Der Ausblick:

Sollten Weltbild & Co. Erfolg haben mit dem niedrigpreisigen Tablet, dürfte die Zeit für klassische E-Ink-Reader bald ausgelaufen sein. Bei Weltbild geht man zwar davon aus, dass sich beide Geräte-Klassen zumindest in den kommenden zwei bis drei Jahren noch parallel entwickeln werden. Dies könnte allerdings Zweckoptimismus sein, da die Augsburger aktuell große Erfolge mit ihrem 60-Euro-Reader feiern. 

Eine umfangreiche Analyse zum Thema mit den Implikationen für die E-Book-Branche ist im neuen buchreport.express 42/2011 zu lesen (hier zu bestellen).

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