Warum sich Corporate Blogs auszahlen können

Sie sind aufwendig, zeitintensiv und Erfolge stellen sich nur langsam ein: Unternehmensblogs stehen in vielen Marketer-Köpfen nicht gerade gut da. Und trotzdem setzen Konzerne wie Daimler und Audi oder Mittelständler wie Ritter Sport auf diese Form des Marketings.

Christina Huber, Marketing-Spezialistin bei pixx.io, einer cloudbasierten Bildverwaltung, erklärt im Prozesschannel von buchreport.de, unter welchen Bedingungen sich Corporate Blogs auch für Verlage und Buchhandlungen lohnen und was die Vor- und Nachteile einer Blogging-Strategie sind.

 

Ein Corporate Blog bietet Ihrem Verlag oder Ihrer Buchhandlung viele Möglichkeiten: Sie können Leser ausführlich über Produkte sowie neue Projekte informieren, sie mit interessanten Themen begeistern oder eine Kampagne unterstützen.

Klingt nach easy-going. Aber wenn es so einfach wäre, würde es dann nicht jeder machen? Genau da liegt der Haken: Ein Unternehmensblog verlangt viel von Ihnen. Für Ihren Blog müssen Sie nicht nur den Inhalt ausführlich planen – und zwar kontinuierlich –, sondern auch motivierte und schreibbegeisterte Mitarbeiter finden, die es schaffen, adäquat über Relevantes zu berichten. Außerdem ist Durchhaltevermögen gefragt, denn Blogs brauchen generell ein wenig mehr Investition und Anlaufzeit, bis man mit ihnen endlich die dicken Fische fängt, bei Google gut platziert ist und die gewünschte Reichweite erreicht hat.

Das hört sich nach wenig Spaß an. Schließlich möchte man keinen Riesenaufwand betreiben, wenn es sich hinterher nicht einmal wirklich lohnt. Sind die Kosten also tatsächlich höher als der Nutzen?

Näher am Kunden durch Unternehmensblogs

Zunächst gilt: Nicht gleich den Kopf in den Sand stecken! Unternehmensblogs sind in vielerlei Hinsicht attraktiv. Schauen wir uns also einmal genauer an, wozu ein Corporate Blog dient.

Ohne Frage steht der verbesserte Kundenkontakt weit oben auf der Liste. Nicht nur haben Ihre Kunden die Möglichkeit, Ihnen Kommentare und Feedback zu hinterlassen (dazu später mehr), sondern auch Sie haben die Chance, die „menschliche Seite“ Ihrer Firma darzustellen. Das heißt nichts anderes, als dass Sie Interessenten durch wertigen Content binden können. Auf der doch eher ernsten und seriösen Firmen-Website finden sich meist nur kühle Produktdetails – und durch diese lässt sich schlecht eine gute Customer Relationship aufbauen. Durch einen Corporate Blog jedoch entsteht die Möglichkeit, den Käufern zu zeigen, dass mehr hinter Ihrem Programm steckt als nur einzelne Autoren und deren Medien.

Im Bereich der Kundenbeziehung kann ein Unternehmensblog noch mehr: Sie können Ihre Kunden auch direkt in das Geschäft einbinden. Stellen Sie am Ende eines Artikels eine Umfrage über ein wichtiges Thema ein, zum Beispiel über eine neue Idee. So können Sie die Meinungen der Interessenten direkt abfragen. Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Leser eine ehrliche und ernste Antwort abgeben, da sie sich mit einem für sie interessanten Blog deutlich mehr auseinandersetzen als mit einer Umfrage in einer Instagram-Story. Über die stolpert man in seiner Storyline eher zufällig – oder übersieht sie ganz.

Profis sind hierbei zum Beispiel die Köpfe hinter dem Corporate Blog von Ritter Sport. Mit wenigen Klicks bringen sich Schokoladenfans hier selbst ein und kreieren eigene Ritter-Sport-Sorten, sogar Namen dürfen die Nutzer aussuchen. Alle Vorschläge dürfen von der Community bewertet und kommentiert werden, und die Abteilung Sortenentwicklung setzt die eine oder andere Blog-Schokolade sogar um. Das motiviert und bringt Kunden auch dazu, noch mehr mit dem Blog zu interagieren. Eine sehr schlaue Strategie. Schließlich angelt man nur mit den besten Würmern die meisten Fische.

Blogs teilen und kooperieren

Ihr potentieller Blog hat noch viel mehr zu bieten. Denn falls Sie jetzt mit Erschrecken merken, dass Sie ohne Social-Media-Interaktion nicht gut vermarkten können, dürfen Sie jetzt entspannen. Auch Blogs gehören zu den Sozialen Medien, zumindest, wenn man deren soziale Funktionen schlau nutzt.

Allein die Kommentarfunktion ist für die meisten Unternehmen von großer Notwendigkeit. Meinung und Feedback der Kunden lassen sich direkt herauslesen und im Nachhinein lassen sich auch noch Ergänzungen oder Verbesserungen einbauen. Schließlich kann in den Inhalten immer mal ein Fehler auftauchen, den ein Leser auch bemerkt und in den Kommentaren mitteilt. Kein Problem: Den Eintrag korrigieren und die Sache ist erledigt.

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Ein schmackhafter Köder ist auch die Möglichkeit, Content einfach und direkt weiterzuverbreiten. Fügen Sie einfach einen Share-Button hinzu und Nutzer können einen Blogeintrag mit Freunden und Kollegen teilen – egal ob über Whatsapp oder E-Mail. Das Beste daran: Jeder Empfänger hat dann auch einfachen Zugriff auf die Blogseite. Man kennt es von privaten Instagram-Profilen, dass man dort eben keine Freunde markieren kann – egal wie toll der Beitrag ist. Oder man müsste sich erst ein Konto für die Plattform anlegen. Mit einem Corporate Blog passiert das nicht, da kein Profil benötigt wird. Das ist deutlich entspannter für alle Beteiligten.

Weiterhin haben Sie durch einen Unternehmensblog noch einen bedeutenden Vorteil: Sie können Kooperationen mit Influencern eingehen. Egal ob Instragram- und Facebookstar, Youtube-Bekanntheit oder einflussreicher Businessman: Kontaktieren Sie sie und versuchen Sie, sie anzuwerben, damit diese dem Corporate Blog einen Bekanntheits-Boost verschaffen. Egal ob durch Affiliate Links, Rabattcodes für die Follower der Influencer (bei nicht preisgebundenen Waren) oder gemeinsame Projekte – so etwas ist Gold wert.

Sie sehen, mit einem Unternehmensblog ist der Bedarf an Social-Media-Interaktion sicherlich gedeckt. Es ist nicht nur relativ einfach umsetzbar, sondern vor allem auch extrem wichtig. Nur wer teilt und sich weiter ausdehnt, hat die besten Chancen, neue Interessenten an Land zu ziehen.

Zukunftsorientiertes Personalmarketing durch Corporate Blogs

Ein Blog kann außerdem helfen, neue Mitarbeiter anzuwerben. Der Kampf um qualifizierte Kräfte kann hart sein. Machen Sie es sich verhältnismäßig leicht, indem Sie schon früh damit beginnen. Arbeiten Sie beispielsweise in einem Verlag, sollte der dazugehörige Blog nicht nur interessante Informationen zu Ihren Büchern bereitstellen, sondern auch über aktuelle Events berichten, Experimente schildern oder spannende Artikel über alles Bücherrelevante enthalten. Ein interessierter Student oder Schüler wird so regelmäßig Kontakt zu Ihrem Blog (und damit Ihrem Unternehmen) aufnehmen. Entscheidet er sich später für eine Ausbildung oder einen Beruf in der Branche, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er sich aufgrund der bereits frühen Bindung für einen Platz bei Ihnen entscheidet.

Unternehmensblogs in vier Kategorien

Ein weiterer Pluspunkt sind die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten eines Corporate Blogs. Grob lassen sich vier Kategorien unterscheiden, wobei diese meist jedoch als Mischformen auftreten:

  • Der Service-Blog
    Diese Art von Blog ist ideal, wenn Sie zusätzliche Informationen zu Produkten bereitstellen möchten. Aber auch Tipps und Tricks können Sie hier weitergeben. Ein Lebensmittelhersteller kann Kochrezepte online stellen, ein Interior-Geschäft zeigt Einrichtungsvorschläge.
  • Der Kampagnen-Blog
    Einen Kampagnen-Blog würden Sie erstellen, wenn Sie eine aktuelle (Werbe-)Kampagne begleiten möchten. Also sprechen wir hier von einem limitierten Zeitraum. Sie geben Produktinfos, klären über Hintergründe der Kampagne auf oder zeigen, wie die Arbeit vorangeht. Wenn Sie beispielsweise mit einer Aktion Kinder in armen Ländern unterstützen, können Sie auf dem Blog schildern, wie die Hilfeleistung aufgenommen wird oder was Sie noch planen.
  • Der Themen-Blog
    Diese Blogs lassen sich streng genommen nicht weiter definieren. Sie haben nämlich nur eine Gemeinsamkeit: Der Corporate Blog ist jeweils auf einen Themenbereich beschränkt. Sprich auf gesunde Ernährung, Babys oder alles rund ums Handwerk. Hier sind Sie völlig frei und haben zusätzlich noch die Chance, sich als führender Experte in Ihrem Themenbereich zu etablieren. Das ist auch dann wertvoll, wenn Google Sie als Experten auf einem Gebiet sieht. Neben besserer Platzierung für Ihre Beiträge winken Snippets – Ihre Antworten werden ganz oben in der organischen Suche angezeigt, natürlich mit Link zum Blog.
  • Der Customer-Relationship-Blog
    Mithilfe dieser Form des Bloggens kommen Sie den Social-Media-Netzwerken schon ziemlich nahe. Nutzen Sie Ihren Blog, um sich aktiv eine Community aufzubauen. Diese Community, die sich mit Ihrem Unternehmen identifizieren kann, erhalten Sie durch spannende, beziehungsweise für Ihre Firma adäquate Beiträge.

Angenommen, Sie verkaufen Informationen für Bäcker. Dann können Sie durch immer neue Videos, Bilder und Texte oder Aktionen Ihre „Follower“ so an sich binden, dass diese eine generelle Vorliebe für Ihre Bücher haben – das wirkt sich natürlich auch positiv auf Online-Kundenbewertungen auf anderen Plattformen aus. Das funktioniert besonders gut, wenn Sie mit Ihrer Marke für etwas Bestimmtes stehen, wie etwa für nachhaltige Produktion.

Beliebte Themen für Corporate Blogs

Grundsätzlich können Sie über alles mögliche schreiben. Damit Sie mit Ihrem Corporate Blog aber auch gut punkten können, hier ein paar Tipps, wo es sich am besten fischen lässt. Beliebtheit finden vor allem Blogs über:

  • den Arbeitsalltag
  • soziales Engagement
  • Ausbildungen in Unternehmen
  • nachhaltiges Wirtschaften (stark vom Unternehmen abhängig)
  • hilfreiche Tipps und Tricks / Ratgeber
  • Expertenbeiträge.

Wie vermarktet man am besten seinen Content auf Corporate Blogs?

Möchten Sie einen Blog nutzen, um zu informieren, aber trotzdem Ihre eigenen Produkte vermarkten? Kein Problem. Bleiben wir beim Beispiel der Bäcker-Firma: Sie schreiben beispielsweise einen Kommentar über die angesagtesten Torten. Dann können Sie Fotos aus der Backstube hochladen, auf denen Sie zusätzlich Ihre Bücher schlau platzieren. Oder Sie schreiben einen Absatz darüber, wie entscheidend die richtige Beschaffenheit der Backform für eine bestimmte Torte ist, und verweisen dann mit einem Link auf eine Review Ihres Buchs.

Aber auch abgesehen von diesem Beispiel haben Sie vielerlei Möglichkeiten. Sie haben schließlich die Freiheit, den Blog so zu gestalten, wie Sie es möchten. Deswegen können Sie Ihre eigene Werbung mit Link dort platzieren, wo Sie es für richtig halten – beispielsweise in einer Randspalte. Oder führen Sie einen Onlineshop? Dann dürfen Sie keinesfalls vergessen, auf diesen hier und da an passender Stelle zu verweisen.

So einfach ist Content Marketing selten

Die Kosten-Nutzen-Rechnung auf den Punkt gebracht: Lohnt sich ein Corporate Blog? Hier hilft ein zusammenfassender Überblick über die Vor- und Nachteile weiter:

Nachteile eines Corporate Blogs

  • Erfolge stellen sich nur langsam ein.
    Sie brauchen viel Ausdauer und Ehrgeiz, bis sich erste erfreuliche Ergebnisse zeigen. Kein Wunder, dass deswegen viele Unternehmen zu Instagram oder Facebook tendieren. Das Erstellen von kleinen Beiträgen geht deutlich schneller.
  • Sie müssen mit einem hohen Aufwand rechnen.
    Einen Blog zu erstellen ist anspruchsvoll. Ihn jedoch regelmäßig mit hervorragenden Inhalten zu speisen, ist eine echte Herausforderung. Kontinuierliche Beiträge mit relevanten und gut aufbereiteten Informationen schreiben sich nicht von selbst.

Vorteile eines Corporate Blogs

  • Sie sind der Chef über Ihren Blog.
    Während Sie bei der Nutzung von Social-Media-Kanälen in puncto Design und Sichtbarkeit vom Netzwerk abhängig sind, haben Sie den Blog selber in der Hand. Kontrollieren Sie Ihre Inhalte in Bezug auf Design, Themen und Sichtbarkeit – so wie es Ihnen am besten passt.
  • Ihre Relevanz bei Google steigt.
    Bei der Suchmaschine als Experte eingestuft zu werden, ist durchaus ein kleines Life-Goal. Je seriöser Ihr Blog ist und je mehr wertvollen Content er vorweisen kann, desto glaubwürdiger ist er. Damit haben Sie gute Chancen, dass Ihr Beitrag eine bessere Platzierung erhält. Und so wird auch Ihre Firma sichtbarer.
  • Sie haben eine größere Reichweite.
    Durch einen hochwertigen Blog angeln Sie auch neue Kunden. Nun schauen nämlich nicht nur diejenigen auf Ihrer Firmenwebsite vorbei, die sowieso schon etwas von Ihnen erwerben möchten, sondern eben auch jene Leser, die sich zuerst nur für den Blog interessierten oder die durch Freunde über den Share-Button von Ihnen erfahren haben. Eventuell generieren Sie durch Ihren Corporate Blog auch neue Leads. Allein dadurch wäre eine Investition in einen Unternehmensblog schon beinahe gerechtfertigt.
  • Sie verbessern Ihre Kundenbeziehungen.
    Neue wie alte Käufer – wenn diese der Blog interessiert, schaffen Sie damit auch immer eine positive Konnotation zu Ihrer Firma, die sich vielfältig auszahlen wird. So können Sie Kunden durch Ihre „menschliche Seite“ hinter den Produkten überzeugen, dass Sie eine Firma mit Qualität sind. Außerdem erhalten Sie direktes Feedback.
  • Denken Sie an das Personalmarketing.
    Mit einem Corporate Blog haben Sie das Potential, Arbeitssuchende über einen langen Zeitraum eng an Ihre Firma zu binden. Genauso verhält es sich mit Kunden, die Ihre Firma nicht vergessen werden, wenn sie hin und wieder einen Ihrer Beiträge lesen.
  • Sie müssen sich in keinen Rahmen zwängen.
    Die Bandbreite an Blogs ist enorm. Egal, wie Sie Ihren Blog nutzen möchten – Sie sind frei, ihn mit dem Content zu füllen, den Sie dort auch sehen möchten.

Unterm Strich schwankt die Kosten-Nutzen-Rechnung ins Positive. Nicht nur aufgrund des zahlenmäßigen Verhältnisses, sondern vor allem auch aufgrund der Qualität der Vorteile. Hat sich ein Unternehmensblog erst einmal gut etabliert, kann er zu einem bedeutenden Boost für eine Firma werden – und das dauerhaft.

Trotzdem ist ein Corporate Blog nicht für jeden etwas. Wenn Sie jedoch auf eine langfristig ausgelegte Marketingstrategie setzen, sitzen Sie mit einem Corporate Blog im richtigen Boot. Denn ein Unternehmensblog ist kein schlammiger Tümpel, sondern ein Meer voller spannender und neuer Möglichkeiten.

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