Keine Frankfurter Geistermesse: Hallen bleiben geschlossen

Impression von der Frankfurter Buchmesse 2018 (Foto: FBM/Marc Jacquemin)

Ein lang absehbar aussichtsloser Kampf ist beendet: Die Frankfurter Buchmesse ist in diesem Jahr als Präsenzmesse abgesagt. Das Buchmesse-Team, der Buchbranchenverband Börsenverein, die hessische Landespolitik sowie die Stadt Frankfurt hatten sich monatelang gegen Widerstände in der Branche für die physische Ausrichtung der Frankfurter Buchmesse in diesem Oktober stark gemacht.

Die Pandemie-Unwägbarkeiten, vor allem aber die Absagen aus der Branche haben der diesjährigen Buchmesse letztlich 35 Tage vor der geplanten Eröffnung das Aus beschert. Bereits im Mai hatten große deutsche Publikumsverlage vergeblich an Messe und den Börsenverein appelliert, die Präsenzmesse abzusagen. Am Ende haben Verband und Politik angesichts der drohenden Perspektive, dass sich die Weltmesse auf dem Frankfurter Gelände verzwergt, die Reißleine gezogen.

Die offizielle Begründung: „Aufgrund der aktuell geltenden Reisebeschränkungen können zahlreiche Länderstände nicht wie geplant umgesetzt werden. Auch mache die ab 1. Oktober in Kraft tretende Quarantäneverordnung die Teilnahme von europäischen Ausstellern und Fachbesuchern „nahezu unmöglich“.

Zahlreiche Absagen

Neben den absehbaren (und zuletzt gewachsenen) Unwägbarkeiten im Zuge der Corona-Pandemie dürfte die breite Ablehnung der Präsenzmesse in der Branche eine entscheidende Rolle gespielt haben, die Messe-Tore geschlossen zu halten. Es drohte eine Geistermesse:

  • Mitte August hatten zahlreiche potenzielle Aussteller das Ende der kostenlosen Stornofrist genutzt, um ihre Teilnahme abzusagen.
  • Am Ende sollen nur noch 750 Aussteller verblieben sein, darunter auch mitgezählte Minipräsenzen an Gemeinschaftsständen.
  • Das wären nur 10% der sonst üblichen Ausstellerzahl gewesen, mit zudem wenig belegter Fläche.

Anfang Juni hatte Messechef Juergen Boos bereits mit 30% der üblichen Ausstellerzahl als Hausnummer die Erwartungen für die „Sonderedition“ niedrig gehängt. Boos bedankt sich bei den verbliebenen Ausstellern „für ihre Motivation und das Vertrauen, die Frankfurter Buchmesse 2020 auch physisch auf die Beine zu stellen“.

Kleinere und virtuelle Veranstaltungen

Die Frankfurter Buchmesse sei nicht nur die größte Buchmesse der Welt, sie sei auch „agil und anpassungsfähig”, kommentiert Börsenvereins-Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs: „In der aktuellen Situation bedeutet das nun den Verzicht auf Stände in Hallen aufgrund der wieder zunehmenden Corona-Einschränkungen. Dafür machen in diesem Jahr Veranstaltungen in Frankfurt am Main und anderen Städten Buchbegeisterung sowohl live vor Ort als auch digital und jederzeit abrufbar erlebbar.” Verwiesen wird zudem auf virtuelle Angebote.

Als Absage der 72. Buchmesse sollen geschlossene Messehallen aber offenbar nicht in die Geschichte eingehen. Die Sprachregelung lautet: „Die Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober 2020) findet in diesem Jahr statt: mit einem umfangreichen Liveprogramm auf der ARD-Buchmessenbühne in der Festhalle, rund 80 Veranstaltungen im Rahmen des Bookfest City in Frankfurt und einem illustren Line-up beim Bookfest Digital.“ Mehr zum geplanten Veranstaltungsprogramm lesen Sie hier.

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