Kampf um Konditionen

In den USA ist zwischen Amazon und der Independent Publishers Group (IPG) ein Streit um Konditionen entbrannt. Weil der nach eigenen Angaben zweitgrößte unabhängige Buchvertrieb der USA sich die neuen Konditionen des Onliners nicht aufzwängen lassen wollte, wurden alle E-Books der IPG-Kunden von der Amazon-Plattform entfernt – insgesamt rund 5000 Kindle-Titel. Anders als digitale Verlagsauslieferungen, die selbst nicht mit den Shops über Konditionen verhandeln, schließt die IPG als Vertriebsgemeinschaft für rund 400 unabhängige Verlage selbst Verträge mit Amazon & Co., in denen die Umsatzverteilungen definiert werden. 
In einer E-Mail an seine Kunden, aus der „Publishers Weekly“ und andere US-Medien zitieren, berichtet IPG-Chef Mark Suchomel, dass Amazon bessere Konditionen verlangt habe, welche die Gewinne für Verlage deutlich verringert hätten: „Es ist offensichtlich, dass die Verlage nicht mehr länger Vereinbarungen zustimmen können, die ihre ohnehin geringen Margen weiter reduziert hätten“, schreibt Suchomel in seiner E-Mail, die bei „Paid Content“ vollständig nachzulesen ist
IPG wollte demnach die elektronischen Bücher seiner Kunden weiterhin zu den alten Konditionen ausliefern, was Amazon aber nicht akzeptieren wollte. Da sich beide Parteien nicht rechtzeitig einigen konnten, ist der Vertrag in dieser Woche ausgelaufen – die rund 5000 über IPG ausgelieferten elektronischen Titel sind seitdem nicht mehr bei Amazon erhältlich; gedruckte Titel sind aber nicht betroffen. 
Suchomel ermutigt die Verlage nun, ihre Kunden auf konkurrierende E-Book-Plattformen und insbesondere auf unabhängige Buchhandlungen zu verweisen. Er sei aber nach wie vor gerne bereit, die Titel zu den bewährten Konditionen an Amazon zu vertreiben, da der Onliner ein wichtiger Partner sei, der viele Bücher verkaufe. Seine Verlagskunden hätten positiv auf den Vorstoß reagiert.  
Laut „Publishers Weekly“ und „Good E-Reader“ versucht Amazon seit Wochen, den Verlagen bessere Konditionen und „astronomische Rabatte“ aufzudrängen (genaue Zahlen sind nicht bekannt). Es bleibt also abzuwarten, ob sich andere Verlage auf die neuen Rabatte einlassen. Der Onliner selbst wollte dazu nicht Stellung nehmen, berichtet „CNET News“
Angesichts des Konfrontationskurses von Amazon werden unweigerlich Erinnerungen wach: 
  • An das Frühjahr 2004, als Amazon sämtliche Diogenes-Titel auslistete, weil die Schweizer den Forderungen des Marktführers nicht folgen wollte;
  • an das Jahr 2007, in dem die Münchner, im Zwist mit den Musiklabels mitten im Weihnachtsgeschäft fast alle Top-100-Titel von Sony BMG und Warner Music für mehrere Tage aus dem Programm nahmen;
  • an das Jahr 2008 als Amazon.co.uk alle Titel von Hachette Livre UK auslistete 
  • oder an das Jahr 2010, als Amazon laut „New York Times“ zeitweise die Macmillan-Titel aus dem Sortiment nahm, um seine 9,99-Dollar-Preise durchzudrücken.

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