Was Young Professionals brauchen

Valentin Vollmer begleitet seit mehr als zehn Jahren junge Menschen am Anfang des Berufslebens – etwa in mehreren Positionen bei Siemens, später als Gründer und Geschäftsführer von CoachNow, einer Online-Coaching-Plattform, die sich auf Young Professionals und junge Führungskräfte fokussiert. Foto: Florian Maucher.

Junge ticken anders. Aber wie? Kann man sie noch „erziehen“ oder lässt man sie besser so, wie sie sind? Kann man sich gar ihre rätselhaften Stärken zunutze machen?

Auf der Corporate Learning Konferenz der Akademie der Deutschen Medien am 28. November 2019 im Literaturhaus München spricht Valentin Vollmer über das, „Was die junge Generation braucht: Personalentwicklung und Weiterbildung für Young Professionals“. Im HR-Channel von buchreport.de zieht er die Summe aus zwölf Jahren betrieblicher Jugendarbeit.

Jugendversteher haben seit Jahren Hochkonjunktur in verschiedenen Industrien – was weiß Valentin Vollmer besser als alle anderen?

(lacht) Das stimmt, davon gibt es so einige. Ich spreche nicht über, sondern mit der jungen Generation zu den Themen, die sie beschäftigen. Seit über zwölf Jahren arbeite ich tagtäglich mit Young Professionals und jungen Führungskräften intensiv zusammen. Die Eindrücke, die ich dabei gewonnen habe, möchte ich gern weitergeben. Vielleicht kann ich ein Übersetzer zwischen den Generationen sein – das ist mir lieber als ein Besserwisser.

Die Generation der Berufseinsteiger gibt ein widersprüchliches Bild ab: Einerseits sollen sie nach Sinn suchen – der sich eher im Mittelstand mit seinen flachen Hierarchien und breiten Verantwortungsbereichen findet. Andererseits soll Sicherheit hoch im Kurs stehen – und damit die Welt der großen Konzerne, deren Beliebtheit ungebrochen ist. Wie postmateriell ticken nun die Youngsters tatsächlich?

Eine einfache Antwort auf diese Frage wünschen sich sicherlich viele. Die Welt ist aber komplexer als ein einfaches Schwarzweiß. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die Menschen in Schubladen stecken. Vielmehr erlebe ich die Menschen als sehr vielfältig, d.h. ihre Strategien, für sich Sinn zu finden, und ihre Gefühle von Sicherheit sind sehr individuell. Berufseinsteiger erwarten, dass man sie – auch wenn ihnen die Erfahrung fehlt – ernst nimmt und erkennt, in welcher Phase sie gerade stecken. Sie wollen in einem authentischen Umfeld arbeiten und als Individuum wahrgenommen werden. Das gilt übrigens nicht nur für die junge Generation.

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Sie vergleichen einmal die erste Arbeitsstelle mit der frühen Kindheit und behaupten, Erfahrungen, die ein Mensch im ersten Job mache, prägten das restliche Berufsleben tief. Gilt das im Guten wie im Schlechten?

Ja. Erfahre ich in meiner ersten Arbeitsstelle Teamgeist und ein wohlwollendes Miteinander und darf dort als Neuling Fehler machen, hat das ebenso Auswirkungen auf meine restliche Karriere wie ein von Misstrauen und Mobbing gekennzeichnetes Umfeld, in dem ein cholerischer Chef herumtobt. Wir lernen am Modell – nicht nur als Kleinkinder. Je nachdem, welche Vorbilder wir auf unseren ersten Schritten in der Arbeitswelt haben, werden wir uns unterschiedlich ausrichten und zum Beispiel unsere Einstellung zu Führungsverantwortung dementsprechend entwickeln.

Der Fachkräftemangel setzt vielen Branchen zu. Gewinnen damit die kostbaren Mitarbeiter an Macht und können ihre Arbeitsbedingungen und die Geschäftspolitik ihrer Arbeitgeber besser beeinflussen?

Absolut. Schauen Sie sich Branchen an, die ehemals ihre jungen Mitarbeiter ganz selbstverständlich die ersten Jahre regelrecht verheizt haben und als sog. „Durchlauferhitzer“ in stupiden Jobs bei unverantwortlichen Arbeitszeiten verschlissen haben. Hand aufs Herz: Das hat auch den früheren Generationen keinen Spaß gemacht. Und plötzlich kommt da eine junge Generation und äußert selbstbewusst den Anspruch auf geregelten Feierabend, abwechslungsreiche Tätigkeiten und respektvollen Umgang. Für viele immer noch unglaublich, was die sich herausnehmen. Aber wenn die Not groß genug ist, verändern sich die Unternehmen auch. Berufseinsteiger sollten jedoch sorgsam mit ihrer neu gewonnenen Macht umgehen und den Bogen nicht überspannen.

Was sind das für Erfahrungen, von denen Ihnen junge Fachkräfte berichten?

Das ist sehr vielfältig, da die Sensibilität für Young Professionals stark von der Kultur im Unternehmen und den handelnden Personen abhängt. Ich kenne Berichte aus Krankenhäusern, die immer noch eine stark hierarchische Kultur haben, in denen es niemanden schockiert, wenn der Chefarzt vor versammelter Mannschaft der jungen Assistenzärztin einen Klaps auf den Po gibt. Im Zusammenhang mit der Personalentwicklung erzählen mir viele Young Professionals von achtlosen Führungskräften, die unvorbereitet in Mitarbeitergespräche gehen und dann Fördermaßnahmen mit der Gießkanne vergeben – ohne Berücksichtigung von Vorwissen und individuellen Präferenzen. Es gibt aber auch die anderen: Unternehmen, die alle Kollegen ernst nehmen und Respekt haben vor jedem Menschen – unabhängig von Erfahrung, Alter und Vorwissen.

Wie viele Führungskräfte sind sich ihrer Verantwortung und Verpflichtung in dieser Hinsicht bewusst?

Wissen und Handeln sind ja bekanntermaßen zwei unterschiedliche Dinge. Ich glaube schon, dass es ein zunehmendes Bewusstsein dafür gibt, dass wir das Miteinander in der Arbeit auch anders gestalten können als viele das bisher getan haben. Viele ältere Führungskräfte erlebe ich auch als ambivalent in ihrem Umgang mit den Youngsters. Da mischt sich oft der Neid, dass die Jungen bereits in einem Alter, in dem man sich das selbst nie getraut hätte, selbstbewusst für sich einstehen, mit den tradierten Rollenbildern und Glaubenssätzen à la „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ und „mir hat’s ja auch nicht geschadet“. Sicherlich keine einfache Situation, in der ganz besonders die Bereitschaft zum Perspektivwechsel gefragt ist.

Haben Sie ein gutes Beispiel eines Unternehmens, dass sich dieser Verpflichtung in vorbildlicher Weise stellt?

Da muss ich an QualityMinds, ein IT-Unternehmen aus München, denken. Die sind meiner Meinung nach hinsichtlich der individuellen Förderung ihrer Mitarbeiter ganz weit vorne. Speziell bei ihren jungen Kollegen und Führungskräften kommt das gut an.

Was machen die Besonderes?

Dort bekommt jeder Mitarbeiter fünf Innovationstage pro Jahr zur freien Verfügung und darf sich dann mit den Themen beschäftigen, die ihn interessieren – daraus sind schon coole Projekte entstanden, die für das Unternehmen einen echten Mehrwert generiert haben. Unter dem Motto „Lern doch, was Du willst“ legt QualityMinds großen Wert auf die individuellen Stärken. Konkret bedeutet das, dass jeder Mitarbeiter einen agilen Lerncoach zur Seite gestellt bekommt, der ihn bei der Definition und Umsetzung der individuellen Lernziele unterstützt. Außerdem kenne ich außer QualityMinds nur wenige Beratungsunternehmen, die bei der Auswahl der Projekte auf den Wohnort der eingesetzten Mitarbeiter Rücksicht nehmen.

Anfang 2019 ist Valentin Vollmers  Buch „Was junge Mitarbeiter brauchen“ erschienen.

 

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