Freundliche Markttrends in durchgeschüttelter Branche

Die Leipziger Buchmesse und das Lesefest Lit.Cologne rücken in diesen Tagen die Buchbranche ins Rampenlicht. In welcher Verfassung? Auf den ersten Blick schon ziemlich derangiert. Zu der weitläufig verbreiteten 2018er Sorgenbotschaft vom großen Käuferschwund („6 Millionen“) haben sich in den vergangenen Wochen weitere kritische Signale gesellt:

  • der Pleiteschock der KNV-Insolvenz mit Weiterungen für zahlreiche Verlage, die als Gläubiger fest eingeplante Erlöse abschreiben müssen. Nach der ersten Schockwelle der Insolvenz, der Stabilisierung des laufenden Betriebs und optimistischen Einlassungen des Insolvenzverwalters wird allerdings womöglich erst im Sommer die Stunde der Wahrheit schlagen mit noch gar nicht absehbaren Folgen für die Strukturen der hochgeschraubten Branchenlogistik. Umbreit hat mit seiner Kündigung der Bücherwagen-Kooperation mit KNV jedenfalls schon mal angedeutet, dass die Karten im Zwischenbuchhandel neu gemischt werden. 
  • der Konzentrationsschock der geplanten Vereinigung von Thalia und der Mayerschen. Auch auf dieser Großbaustelle geht allerdings noch Zeit ins Land, denn mehr als zwei Monate nach Bekanntgabe der Pläne ist das Vorhaben noch nicht offiziell beim Bundeskartellamt angemeldet, das u.a. die entstehende Marktmacht in Nordrhein-Westfalen untersuchen müsste. 

 

Buchumsätze gesteigert

Während also an den Strukturen geschraubt wird, stellt sich das laufende Geschäft zum Schaulaufen auf der Leipziger Buchmesse überraschend freundlich dar:

  • Seit Oktober liegt der buchreport-Umsatztrend zum Buchverkauf in Deutschland Monat für Monat über Vorjahr.
  • 2018 endete mit einer „schwarzen Null“, die ersten beiden Monate 2019 schlossen mit +4,5% und immerhin +3,5% im stationären Buchhandel.
  • Das Plus erwächst zwar größtenteils aus gestiegenen Preisen, aber seit Jahreswechsel haben auch die verkauften Stückzahlen zugelegt.

Diese schöne Serie wird zwar im März reißen, aber womöglich nur wegen des Kalendereffekts des diesmal in den April verlagerten Ostergeschäfts, aktuell schon am Wochentrend abzulesen.

 

Buchkäuferschwund gestoppt

Nicht nur die harten Verkaufszahlen zeigen nach oben, auch die Alarmsirenen der Börsenvereins-Studie „Buchkäufer – quo vadis?“ werden etwas heruntergedimmt. Unmittelbar vor der Leipziger Buchmesse vermeldet der Verein, dass offenbar wieder einige verloren gegangene Buchkäufer eingefangen wurden. Vor einem Jahr war der Verlust von 6,4 Mio Buchkäufern binnen fünf Jahren vermeldet worden. Für 2018 wurden jetzt hochgerechnet aus dem GfK-Konsumentenpanel 300.000 Käufer mehr gezählt.

Der grundsätzliche Befund, dass viele ehemalige Buchleser ganz oder teilweise an Video-Streaming und andere zeitfressende Ablenkungen von Online-Medien verloren gegangen sind, hat zwar Bestand, aber Marktforscherin Jana Lippmann freut sich über die leicht positive Tendenz.

 

Frequenzverlust in der Einkaufszone gebremst

Der stationäre Buchhandel verliert weiterhin Marktanteile gegenüber der Online-Versandschiene. Die stationären Rahmenbedingungen scheinen sich allerdings nicht mehr in dem Tempo zu verschlechtern wie in den Jahren zuvor. Darauf deuten die Kundenfrequenzmessungen durch automatisierte Zählsysteme in Innenstädten und Einkaufscenter hin:

  • Sowohl die Shopper Trak-Messungen als auch die Crosscan-Zählmaschinen haben in den ersten zehn Wochen 2019 „nur“ rund 2% Frequenzverlust gegenüber dem Vorjahr ausgeworfen.
  • Im Gesamtjahr 2018 waren jeweils mehr als 5% Frequenzrückgang beklagt worden.

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