Schmeichelei oder Todesgefahr?

Der Vorstoß von Amazon in den stationären Buchhandel hat weltweit für Reaktionen gesorgt. Und, wie immer, wenn es um Amazon geht, polarisiert der Onliner. buchreport.de fasst die wichtigsten Stimmen zusammen.

Gegenüber dem „Bookseller“ erklärte Waterstones-Chef James Daunt (wenig überraschend), er hoffe, dass Amazon mit dem Vorhaben auf die Nase fallen werde. „Angesichts von nur 5000 Titeln auf einer Fläche, auf der Waterstones zehn Mal mehr Titel platzieren würde, scheint Amazon nur zaghaft einen Zeh ins Wasser des physischen Buchgeschäfts zu halten.“

Ebenfalls gegenüber dem „Bookseller“ sagte Emma Corfield Walters von der Buchhandlung Bookish: „Ich wäre absolut schockiert, wenn Amazon in London eröffnen würde. Dann wäre ich sehr besorgt. Wenn es ihnen gelingt, die massive Kaufkraft, die sie zu sich ziehen, auf die High Street zu bringen… Ich bin nicht sicher, ob dann Buchhandlungen in kleinen Städten ausradiert würden, sicher aber Buchhandlungen in großen Städten.“ Ihre Hauptsorge: „unfairer Wettbewerb“ und „nicht wettbewerbsfähig zu sein angesichts der Kaufkraft“.
Helen Stanton, Buchhändlerin bei Forum Books in Northumberland, erklärte dem „Bookseller“, sie sehe den Kurs der Indies bestätigt, dies sei quasi eine „Schmeichelei“: „Wir machen als Indies etwas richtig. Dass die großen Firmen das tun, was ich tue – das ist zwar nicht beruhigend, aber fast schon ein Beweis dafür, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Stephen Page, CEO des Faber Verlags, begrüßte Amazons Schritt, der allerdings nicht überraschend erfolge. Der gesamte Einzelhandel bewege sich in Richtung „Omni-Channel“.
Hazel Cushion, Gründerin des Verlags Accent Press, findet es „großartig“, dass Amazon eine Buchhandlung eröffne. Dies werde dazu führen, dass Leser neue Autoren finden, „weil sie (gemeint ist Amazon, d.Red.) nicht die Vorurteile gegenüber Print on Demand wie andere Buchhändler haben“.
Philip Downer, früherer Borders-Chef, der inzwischen einen Geschenkeladen führt, rechnet damit, dass Amazon einige solcher Läden in den niedrigpreisigen USA eröffnen wird, bevor Amazon das Konzept woanders teste, darunter in Großbritannien, wo die Kosten für Miete und Personal extrem hoch seien.
The Atlantic sieht in Amazons Vorstoß nicht nur eine Konkurrenz für den Buchhandel, sondern insbesondere für Bibliotheken. Amazon Books solle ein „Ort für die Community“ sein, wo man sich treffe und aufhalte, ähnlich wie dies in den Apple Stores der Fall sei. „Amazon Books ist ein Geschäft, das die Arbeit kultureller Institutionen erfüllt. Es geht um Kommerz, ja, aber auch um das Kollektiv.“ Dabei übernähmen die Kunden von Amazon (die Bücher bewerten und rezensieren) die Rolle der Bibliothekare.
Im „Bookseller“ vergleicht Philip Jones das Projekt mit dem Vorstoß von Amazon in die Verlagswelt (Amazon Publishing). Dabei habe sich Amazon schwer getan und inzwischen einen anderen Kurs eingeschlagen als ursprünglich vorgesehen. Im Buchhandel habe Amazon dagegen schon Erfahrung, weil der Onliner seit 20 Jahren Bücher verkauft. „Es wäre ein Fehler, dies als Projekt der Eitelkeit einzuschätzen („vanity project“). Das Geschäft bestätigt das, was wir schon vermutet hatten: Amazons Daten zeigen, dass gedruckte Bücher noch lange einen Platz im Einkaufskorb der Kunden haben werden. Darüberhinaus wählt Amazon – indem versucht wird, die Expertise des Onlinehandels auf den Offline-Buchhandel zu übertragen – einen Ansatz, der nicht nur bei Büchern, sondern auch anderen Konsumgütern funktionieren könnte.“

Wie schätzen Sie den Vorstoß ein? Wird Amazon Erfolg haben? Gefährdet dies den Buchhandel? Nutzen Sie bitte unsere Kommentarfunktion unten.

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