Mehr Spezialisten, Tempo, Kollaboration

Warum die Buchbranche neue Workflows braucht, erläuterte die Autorin Kathrin Passig. 

Wie wandlungsfähig ist eine Branche, die seit mindestens  einem Jahrzehnt durch die Digitalisierung der Medienindustrie unter Druck steht – aber zum großen Teil selbstverliebt in ihre alten Strukturen ist? Ein Dauerthema, das auch beim Publishers‘ Forum in diesem Jahr in vielen Facetten diskutiert wird. In ihren Keynotes haben die Autorin Kathrin Passig und der Verleger Jacob Dalborg (Bonnier Books) illustriert, wo es der Buchindustrie an Transformations-Tempo fehlt.

In ihrem Vortrag zog die Autorin – und Programmiererin – Kathrin Passig einige Vergleiche zur Softwareindustrie und beklagte, dass die Buchbranche zu stark an „handwerklichen“, komplizierten und nicht-kollaborativen Workflows festhalte. Dies gelte sowohl für traditionelle Verlage, aber auch Digitalverlage à la Sobooks. Dort habe sie im Vorfeld der Veröffentlichung ihres Buch „Wir hatten ja nix! Ein Techniktagebuch“ binnen sechs Tagen nicht weniger als 101 Mails mit den Sobooks-Gründern Christoph Kappes und Sascha Lobo ausgetauscht. Bei der Veröffentlichung über Amazons Kindle Direct Pubishing habe sie nur 15 Minuten benötigt. 
Konkret monierte Passig:
  • Verlage schafften es nicht, kollaborative Projekte gut umzusetzen, es falle ihnen schwer, gleichzeitig mit mehr als einem Autor zu kommunizieren.
  • Verlage scheuten „parallele Workflows“, die von Software-Lösungen wie GoogleDocs ermöglicht werden.
  • Viele Lektoren redigierten weiterhin zu einem hohen Maß handschriftlich, seien nicht bereit, neue Methoden der Textarbeit kennenzulernen.
  • Wissen werde zu selten geteilt, es würden zu wenige Standards gesetzt, um Workflows zu vereinfachen.
Diese Haltung, sich der „State of the Art-Technologie“ zu verwehren, spiele am Ende Anbietern wie Amazon in die Hände. 
Nach Passigs Vortrag meldete sich der Verleger Jonathan Beck (CH Beck) zu Wort, der einräumte, dass Verlage „nicht so schnell wie Blogs“ seien. Dies müsse aber nicht unbedingt ein Nachteil sein. „Wir sind eher wie Slow Food, wir setzen auf Slow Text“.

Mit Tradition und Wandel setzte sich auch Jacob Dalborg (Foto), CEO der Buchverlagssparte von Bonnier, in seiner Rede auseinander. Verlage hätten sich zu sehr mit Produkten beschäftigt, ihre Geschäftsmodelle aber kaum verändert und zu wenig auf die Bedürfnisse der Kunden geachtet. So werde es für Verlage immer wichtiger, ähnlich wie E-Commerce-Giganten à la Amazon beim Pricing von Büchern aktiver zu werden.

Auch strukturell müssten sich die Verlage neu aufstellen: „Wir brauchen eine modernere Organisation mit mehr Spezialisten“, so Dalborg. Wie hoch etwa der Lagerbestand ausfällt, darüber sollten künftig keine „Generalisten“ mehr entscheiden, sondern Fachleute. 

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