Paragon ist raus, Droege steigt ein

In seiner Nachricht an die Weltbild-Mitarbeiter hatte Arndt Geiwitz bereits „alternative Vorgehensweisen“ in Aussicht gestellt, falls der Vertrag mit Paragon nicht zustande kommt. Am heutigen Mittwoch macht der Insolvenzverwalter Nägel mit Köpfen.  Statt des Private-Equity-Investors steigt die Droege-Gruppe bei Weltbild ein.

Anlässlich einer Betriebsversammlung kündigte der Sanierungsexperte an, dass der Medienkonzern nicht an das Private-Equity-Unternehmen verkauft werden solle. Stattdessen werde Droege eine Kapitalerhöhung bei Weltbild zeichnen, die unternehmerische Führung übernehmen und sich langfristig bei Weltbild engagieren. Droege bringt 20 Mio Euro mit in die Ehe und soll laut Geiwitz 60% an der neuen Weltbild-Gesellschaft halten, der Insolvenzverwalter bleibt im Namen der Gläubiger mit 40% an Bord. Perspektivisch soll Droege alle Anteile übernehmen; das Unternehmen wolle langfristig bei Weltbild engagiert bleiben, so Geiwitz.

Die finalen Verträge seien bereits fertig und sollen in der kommenden Woche unterschrieben werden – auf einen Vorvertrag verzichten beide Seiten laut Geiwitz.

Droege ist ein Beratungs- und Investmenthaus, mit über 25 Jahren Erfahrungen mit Restrukturierungs- und Wachstums-Programmen, operativ aktiv in über 30 Ländern. Wir sind nicht am Exit orientiert, sondern auf Langfristigkeit ausgerichtet. „Wir verfolgen einen unternehmerischen Ansatz durch die Zufuhr von Kapital, Managementressourcen und Know-how“, heißt es auf der Webseite von Droege. Weitere Infos zu Droege sind hier zu lesen.

„Weltbild bildet mit seinen Marken, dem treuen Kundenstamm und der Präsenz im stationären-, Versand- und Online-Kanal eine gute Basis, um sich zu einem leistungsstarken Multikanal-Anbieter zu entwickeln. Hierzu gehört maximale Kundenorientierung und leidenschaftliche Teamarbeit“, begründet Walter P.J. Droege (Foto: Droege), Vorstand und Gründer der Droege Group, den Einstieg. „Wir sind uns handelseinig und inhaltlich absolut beieinander.“

„Paragon war nicht der richtige Partner“

Somit hat Geiwitz einen Schlussstrich unter die zuletzt belasteten Verhandlungen mit Paragon gesetzt. Bei den Gesprächen ging es neben weiteren Personalschnitten und sonstigen Kosteneinsparungen auch um Fragen zur Finanzierung des Deals und zur finanziellen Ausstattung der neuen Gesellschaft. Überraschend folgte in der vergangenen Woche die Ankündigung von Paragon, nicht nur 51, sondern 100% der neuen Weltbild-Gesellschaft übernehmen zu wollen. 

Geiwitz selbst rekapituliert: „Je weiter die Verhandlungspartner in den Detailplanungen vorankamen, desto deutlicher wurden die Unterschiede, wie Weltbild zukünftig strategisch, operativ und finanziell aufgestellt werden sollte. Ein vor wenigen Tagen von Paragon vorgelegtes, geändertes Angebot veränderte diese Situation nicht.“

Das Verhandlungsklima zwischen Paragon und Geiwitz galt zuletzt als vergiftet. Die Nachricht zum neuen Investor bei Weltbild erhielt Paragon nach buchreport-Informationen erst kurz vor der Betriebsversammlung.

Der Verhandlungsverlauf habe gezeigt, „dass Paragon nicht der richtige Partner war“, erklärte Timm Bossmann, Verdi-Sprecher und Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Weltbild, gegenüber buchreport.de. Die Forderungen seien immer dreister geworden. Es habe keine Basis mehr gegeben, um das Zukunftskonzept Weltbild 2.0 umzusetzen. „Wir denken jetzt in einem Zeitraum von 20 statt 2 Jahren, um ein stabiles Weltbild zu schaffen.“

Möglicherweise rund 20 weitere Schließungen bei Weltbildplus

Der Droege-Einstieg soll stattdessen nach dem ursprünglichen Modell erfolgen: Geiwitz bleibt für die Gläubiger an Bord und verkauft mittelfristig den Anteil an Droege, um die Gläubiger abzufinden. Das Joint Venture gebe den Weltbild-Gläubigern die Chance, am Mehrwert der unternehmerischen Leistung zu partizipieren, so Geiwitz.

In einer Pressemitteilung erklärt Geiwitz, dass bei der Tochtergesellschaft Weltbildplus neben der Schließungen von 53 Filialen über den Rückbau von rund 20 weiteren defizitären Verkaufsstellen verhandelt wird, zwischen Management, Sachwalter und Gesamtbetriebsrat von Weltbildplus.

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