Wer coacht den Chef?

Jessica Libbertz (Foto: Tobias Folkmann)

Jessica Libbertz (geb. Kastrop) ist Fußballmoderatorin bei „Sky“. Sie arbeitet auch als Coach von Bundesligatrainern und ist Autorin des Sachbuchs „No shame“ (Gräfe und Unzer).

Auf der Frankfurter Buchmesse spricht Jessica Libbertz über Leadership, über Mut und über Coaching von Führungskräften. Gesprächspartner sind Personalberaterin Helena Bommersheim und Carlsen-Geschäftsführer Joachim Kaufmann. Moderation: buchreport-Chefredakteur Thomas Wilking

 

An der Taktiktafel: Wer coacht den Chef?

Messe-Freitag (18.10.), 13 – 14 Uhr
Halle 4.0 G91 – Publishing Services & Retail Stage

 

Im Vorfeld hat Jessica Libbertz bereits einige buchreport-Fragen zu Erfolg und Scheitern sowie der Einsamkeit von Führungskräften beantwortet:

In Ihrem Buch schreiben Sie: „Wer nicht scheitert, hat keinen Erfolg.“ Ein gutes Motto für den Aufstieg oder ein Grundprinzip? 

Libbertz: Ein Grundprinzip. Erfolg ist im Misserfolg begründet und umgekehrt, das gehört zu den zyklischen Gesetzen dieser Welt. Viele Menschen sehen Scheitern als Versagen, und sie schämen sich für ihr gesamtes Selbst. Kein Wunder in einer selbstoptimierten Gewinner-Verlierer-Welt. Doch die Wahrheit ist: Es geht nicht um die Frage, ob und wann wir scheitern, denn es passiert. Jedem. Immer wieder. Die Frage ist doch, wie ich damit umgehe. Winston Churchill hat einmal gesagt: Erfolg ist, wenn man von einem Scheitern zum nächsten übergeht, ohne die Lust zu verlieren. 

Wer in Deutschland eine Pleite hinlegt, wird sehr kritisch beäugt.

Nur: Wie sehr dürfen Menschen scheitern, die sich an die Spitze gearbeitet haben und erfolgreich führen wollen?

Libbertz: Da beginnt ja die Frage nach der Definition des „Scheiterns“. Sollten Sie einen Job verlieren, in dem Sie sich ohnehin nicht wohl gefühlt haben und der den wahren Sinn Ihrer Existenz ohnehin nicht erfüllt, sind Sie dann gescheitert? Ich habe gerade mit einer wunderbaren Unternehmerin gesprochen, die nach 25 Konzernjahren einfach gekündigt hat und sich für eine Non-Profit-Organisation entschieden hat. Das mag der Turbokapitalist nicht verstehen, aber die Dame ist sehr glücklich. Auch der kulturelle Blick aufs „Scheitern“ offenbart, wie unterschiedlich die Herangehensweisen sind. Wer in Deutschland eine Pleite hinlegt, wird sehr kritisch beäugt. In den USA heißt es: Oh, der hat diese Erfahrung schon gemacht, das ist gut, das wird ihm nicht nochmal passieren. Wir erleben da auch einen sehr deutschen Zweckpessimismus. Scheitern ist ein Muss, wer es positiv betrachten will: Die Fehler sind nur dann nicht lehrreich, wenn sie von Scham überdeckt werden, die ist nämlich der wahre Fortschrittskiller.

Wie einsam sind Führungskräfte?

Libbertz: Oh ja, an der Spitze wird es einsam. Sehr einsam. Ich kenne keinen Fußballtrainer, dem das nicht schon bewusst geworden wäre. In dem Umfeld kommt natürlich auch noch der Ruhm, also der öffentliche Bekanntheitsgrad hinzu. Whitney Houston hat einmal gesagt: „Erfolg verändert nichts, Ruhm alles.“ Wenn Niederlagen auch noch öffentlich ausgeschlachtet werden, macht Sie das zum einsamsten Menschen der Welt. Stellen Sie sich vor, Sie können nicht mal mehr Brötchen kaufen gehen, ohne dass Ihre Leistungen bewertet werden. Natürlich werden diese Menschen gut bezahlt, aber der öffentliche Preis ist immens. Es stellt sich oft als Irrglaube heraus, dass Ruhm wirklich erstrebenswert sei. Top-Manager müssen auch mit dieser Bekanntheit leben, aber nicht in dem Maß wie Fußballtrainer.

Eine gute, professionelle Außenreflexion gehört zum Portfolio einer modernen Führungskraft.

Wer oder was kann helfen? 

Libbertz: Ein gutes Team im Hintergrund, ein Management für Manager. Wir wissen aus der Forschung, vor allem aus dem Aristoteles-Projekt von Google & Harvard, dass psychologische Sicherheit den wichtigsten Faktor für Erfolg darstellt. Es geht also darum, die bestmöglichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Erfolg zu schaffen. Da es oft eben sehr einsam ist an der Spitze, gehört es zwingend in den Verantwortungsbereich eines Top-Managers oder einer Top-Managerin, dass sie oder er sein Umfeld daraufhin überprüft, ob diese Stabilität gegeben ist. Auch bei einem Job-Wechsel ist eine externe Beratung in der heutigen Zeit unabdingbar, um einen guten Übergang für sich selbst und den Arbeitgeber zu gestalten. Aus meiner Sicht gehört eine gute, professionelle Außenreflexion zum Portfolio einer modernen Führungskraft. Wer keine Beratung zulässt, ist am Ende eher der Dumme.

 

 

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