Hilfsprogramme für Indie-Buchhändler nehmen Fahrt auf

Dem US-Buchhandel steht in der Coronavirus-Krise das Wasser bis zum Hals, denn anders als in Deutschland fehlt zusätzlich zum wegbrechenden Umsatz auch das arbeits- und sozialrechtliche Netz bzw. staatlich aufgespannte Rettungsschirme. Gefragt sind in diesen Zeiten brancheninterne Initiativen, die seit Mitte März bisher über 4,4 Mio Dollar für Indies aufgebracht haben:

  • Book Industry Charitable Foundation (Binc): Die Stiftung für in Not geratene unabhängige Buchhändler nennt keine exakten Zahlen, hat aber in den letzten 8 Wochen so viele Anfragen wie von 2011 bis 2018 zusammen. Bislang wurden rund 1,6 Mio Dollar u.a. von der American Booksellers Association (ABA), Verlagen, Organisationen und Autoren gespendet, die ab dieser Woche zur Auszahlung kommen; weitere Aktionen laufen (s. auch Kasten unten).
  • Bookshop.org: Die im Januar gestartete Online-Plattform führt 10% von jedem verkauften Buch an einen Pool für Buchhändler ab, der erstmals im Juni an die knapp 300 Indies ausgeschüttet wird, die sich bei Bookshop registriert haben; Mitte dieser Woche waren es 1,6 Mio Dollar, bis Ende des Monats werden knapp 2 Mio Dollar angepeilt.
  • SaveIndieBookstores: Die von Bestsellerautor James Patterson gestartete Spendenaktion hat in den 3 Wochen bis zum 30. April 1,24 Mio Dollar aufgebracht, darunter 500.000 Dollar Startkapital von Patterson selbst und 100.000 Dollar von Jugendbuchautor Rick Riordan. Weil täglich weitere Zahlungen eingehen, führt die ABA die Aktion gemeinsam mit Binc fort.

Jeff Kinney unterstützt Indies

Jeff Kinney gehört zu den vielen Privatpersonen und Organisationen, die die Buchhandelsstiftung Binc. während der Pandemie aktiv unterstützen. Der weltweit erfolgreiche Jugendbuchautor kennt die Probleme, die der unabhängige Buchhandel derzeit hat, aus erster Hand. 2015 hat er in Plainville, Massachusetts, die Buchhandlung An Unlikely Story eröffnet. Sie ist zwar aktuell geschlossen, hält den Kontakt zu den Kunden aber über einen gut gehenden Online-Shop und jede Menge virtuelle Events, die Kinney häufig aktiv mitgestaltet.

Er war auch die treibende Kraft hinter der Online-Auktion „An Unlikely Auction for Binc“, die nach sieben Tagen knapp 15.000 Dollar für die Stiftung eingebracht hat.

  • Geboten werden konnte auf insgesamt 140 verschiedene Artikel.
  • Das höchste Gebot waren 660 Dollar, mit denen sich der Geldgeber eine Rolle unter eigenem Namen in einem neuen Roman von Chris Bohjalian gesichert hat.
  • 49 Interessenten boten bis zur Endsumme von 500 Dollar in 2-Dollar-Sprüngen für eine signierte Ausgabe von Tony DiTerlizzis Bilderbuch-Bestseller „Kenny & the Dragon“, die der Autor mit einer signierten Illu­stration aus dem Buch, dem Hörbuch und 6 exklusiven Postkarten zusätzlich aufgewertet hatte.
  • Für 251 Dollar ging ein signiertes Paket aller 14 Bücher in Jeff Kinneys „Diary of a Wimpy Kid“-Serie weg, die sein US-Verlag Abrams zur Verfügung gestellt hatte.

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