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Schlechte Nachricht für die französische Buchbranche

Zweieinhalb Monate nach dem Gang zum Insolvenzgericht ist die französische Buchkette Chapitre beinahe Geschichte. Die Bilanz der Verkaufsbemühungen fällt vergleichsweise gut aus. Die Politik reagiert dennoch betroffen.
Nicht nur in Deutschland, wo sich CSU-Chef Horst Seehofer für die Zukunft von Weltbild einsetzen will, sondern auch in Frankreich ist die Krise im Buchhandel offenbar politische Chefsache. Kulturministerin Aurélie Filipetti höchstpersönlich kommentierte die Bilanz der Rettungsbemühungen als „schlechte Nachricht für die französische Buchbranche“.
Und das, obwohl immerhin fast zwei Drittel der Filialen eine Zukunft haben: 34 von 57 Standorten wurden verkauft, 750 von fast 1200 Mitarbeitern sollen ihren Arbeitsplatz behalten. So zeigte sich auch Michel Rességuier, Président von Chapitre, einigermaßen zufrieden mit dem Ergebnis, besonders im Vergleich zu anderen Einzelhändlern, die kürzlich geschlossen hätten (er bezieht sich vermutlich besonders auf die Virgin Megastores, die im Sommer 2013 Knall auf Fall die Türen schlossen). Rességuier wiederholte seine Kritik an Verlagen, die mit ihrem Lieferstopp seit Mai 2013 zur Eskalation der Lage bei Chapitre beigetragen hätten.  
Chapitre gehörte zu Actissia, Tochter der US-Investmentfirma Najafi, die in Frankreich bei den Buchclubs France Loisirs und dem Onlineshop Chapitre.com weiterhin aktiv ist. Jahm Najafi, der aus dem Iran stammende Chef des Private-Equity-Schwergewichts, hat sich in den vergangenen Jahren international im Buchbereich engagiert, allerdings ohne Fortune:
  • 2008 übernahm Najafi das Bertelsmann-Direktkundengeschäft für Bücher, DVDs und Musik-Produkte in Nordamerika, mit  Marken wie „Book-of-the-Month Club“ und „Columbia House“. Vor einem Jahr reichte Najafi das Geschäft an einen weiteren Finanzinvestor weiter.
  • Im Mai 2011 kaufte Najafi das französische Geschäft der seinerzeit kriselnden Direct Group France (Bertelsmann), darunter Chapitre (stationärer Buchhandel und Online-Shop) und der Medienclub France Loisirs; zumindest mit Chapitre erlitt Najafi eine Bauchlandung.
Im Gespräch war Najafi auch als Investor bei der insolventen Borders-Kette in den USA und sogar beim Douglas-Sorgenkind Thalia.

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