Digitale Transformation: Nicht alles auf eine Karte setzen

Kai Schmidhuber. Foto: Schmidhuber.

Kai Schmidhuber ist Mehrfachgründer und Vortragsredner und verfügt über Erfahrung als Top Executive in vier multinationalen Unternehmen. (Foto: Schmidhuber)

Wer träumt nicht von einer Auszeit, die ihm erlaubt, nochmals auf „Start“ zu drücken? Ein Reset für Firmen ist die digitale Transformation. Es kommt nicht auf schnelle Veränderung an, sondern auf nachhaltige.

Berater Kai Schmidhuber führt Weltkonzerne wie ein Pfadfinder in die Digitalisierung ihrer Prozesse. Aber gerade in der Verlagswelt und in anderen mittelständischen Branchen kommt es auf die zügige Durchsetzung durchdachter Strategien an und nicht auf Aktionismus. Zum Auftakt einer Serie im Prozesschannel von buchreport.de zeigt Schmidhuber, wie Unternehmen solche Strategien entwickeln und durchsetzen.

Jedes Unternehmen kann von der digitalen Transformation profitieren, aber das bedeutet nicht, dass sich jedes Unternehmen auf die gleiche Weise verändern sollte. Digitale Transformation bedeutet für verschiedene Betriebe unterschiedliche Dinge. Der richtige Weg hängt von den Bedürfnissen und den Möglichkeiten eines Unternehmens ab.

Was den deutschen Mittelstand angeht, nimmt das Thema in kleinen und bedächtigen Schritten an Fahrt auf. Ich schätze, dass mindestens 40% der kleinen und mittleren Unternehmen planen oder bereits begonnen haben, ihr Business für eine digitale Zukunft umzustellen. Woran ich das merke? Nun, ich bekomme inzwischen sehr häufig interessierte Anfragen von Headhuntern für mittelständische Unternehmen. Chief Digital Officer, Chief Information Officer oder Digital-Beirat – die Vorschläge zeugen zumindest von der guten Absicht, digital voranzukommen.

Es gibt sicher viele Einstellungen und Haltungen zum Thema „Digital“. Einig ist man sich im Mittelstand jedoch sicherlich darüber, dass die digitale Technologie die Art und Weise, wie sie ihre Geschäfte in Zukunft machen werden, verändert.

Digitale Transformation ist wie ein mehrjähriges Sabbatical

Glücklicherweise erfordert doch die digitale Transformation weder, dass Unternehmen jeden Prozess in die Cloud verlagern, noch dass sie Mio von Euro in brandneue Technologien investieren müssen. Ich sehe das sogar sehr kritisch. Sicherlich mehr als die Hälfte der KMUs planen heute, aktuelle IT-Budgets zur Finanzierung ihrer digitalen Aktivitäten zu verwenden. Ich behaupte jedoch: Die effektivsten digitalen Transformationsprozesse nutzen die bestehende Infrastruktur und finden den maximalen Wert in den kleinstmöglichen sinnvollen Verbesserungen.

Digitale Transformation ist kein „alles auf eine Karte setzen“. Ich stelle mir die digitale Transformation eher wie ein mehrjähriges Sabbatical vor – als eine mehrjährige Reise, in einer digitalisierten Welt zu sich selbst zu finden. Dies schließt allerdings wie beim Aufbruch auf eine große Reise ein, einige Initiativen zügig anzugehen, von denen man glaubt, dass sie am missionskritischsten sind.

Aber was zum Teufel bedeutet eigentlich »digitale Transformation«?

Digitale Transformation ist ein Sammelbegriff, der eine Vielzahl von Zielen umfasst. Für einige Unternehmen bedeutet digitale Transformation die Nutzung von Cloud-Funktionen. Für andere sind künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen wichtiger. Erhöhte Analysefähigkeiten und Implementierungen von „Internet of Things“ spielen ebenfalls eine Rolle.

Der Sinn der digitalen Transformation besteht aber nicht darin, Unternehmen von Papierprozessen zu hypermodernen und komplexen digitalisierten Robo-Monstern zu führen. Im Gegenteil, viele Komponenten der digitalen Transformation sind subtil. Und selbst die technologisch anspruchsvollsten Mittelstands-Geschäftsführer können mit etwas Zeit und der richtigen Einstellung eine effektive digitale Transformation durchführen.

Die Ziele und Herausforderungen des Unternehmens bestimmen die Art der digitalen Transformation. Ein Unternehmen, das beispielsweise mehr Kunden sucht, könnte sich überlegen, wie man neue Technologien implementiert, um das Kundenerlebnis zu verbessern. Ein Online-Chatbot oder eine benutzerfreundliche App könnte diesen Zweck erfüllen, oder vielleicht ist der erste Schritt eines Unternehmens die Erstellung von Shop-Listings bei Google und Apple Maps.

Der Channel Produktion & Prozesse

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Ein Unternehmen, das Schwierigkeiten hat, sein Partnernetzwerk zu optimieren, könnte dagegen in mehr Analysetools investieren, um bessere Entscheidungen über Versand und Anbieter zu treffen. Es spielt keine Rolle, ob das Unternehmen Software oder Kies verkauft: Die digitale Transformation ist für alle da.
Unternehmen, die an einen digitalen Wandel denken, sollten sich fragen, wo ihre Chancen und Bedrohungen liegen. Haben vergleichbare Branchenteilnehmer bereits Schritte in Richtung digitaler Transformation unternommen? Haben Kunden begonnen, Optionen zu verlangen, die das Unternehmen heute noch nicht anbieten kann?

Allerdings darf man hier nicht ausschließlich nach marktwirtschaftlichen Prinzipien vorgehen – nicht die Nachfrage nach „Digital“ sollte das Angebot bestimmen, sondern umgekehrt die Strategie in einen marktgerechten Leistungsmix einmünden, der den Voraussetzungen des Unternehmens Rechnung trägt. Richtig gemacht kann ein digitaler Wandel kurz- und langfristig zu höheren Einsparungen, zufriedeneren Kunden und besseren Perspektiven für ein Unternehmen führen.

© Annie Spratt // Unsplash

3 Tipps für eine erfolgreiche Transformationsstrategie

1. Adressieren Sie die Bedenken der Mitarbeiter direkt.

Die Veränderungsresistenz zählt zu den größten Herausforderungen. Um den Wandel so reibungslos wie möglich zu gestalten, sprechen Sie mit den Mitarbeitern darüber, warum sich das Unternehmen in eine digitale Richtung bewegt. Einige Mitarbeiter werden befürchten, dass die digitale Transformation sie letztendlich ihren Arbeitsplatz kosten wird. Im Übrigen trifft das bei Weitem nicht nur auf „ältere Semester“ zu, sondern auch auf jüngere Generationen, sogar Millennials.

Seien Sie einfach ehrlich mit den Mitarbeitern darüber, wie sich das Unternehmen seine Zukunft vorstellt und welche Rolle die Mitarbeiter in dieser Zukunft spielen. Sprechen Sie aber auch aktuelle Probleme, die Veränderungen erforderlich machen, direkt und offen an, wie zum Beispiel abnehmende Kundenempfehlungen.

Zeigen Sie den Mitarbeitern, wie neue Tools (zum Beispiel Cloud-Datenbanken) ihre Arbeit erleichtern, sie selbst aber nicht überflüssig machen. Schließlich ist darauf zu achten, dass die Mitarbeiter für alle neuen Technologien ordentlich geschult werden.

2. Planen Sie eine Strategie, die Ihnen Geld spart.

Gesparte Pfennige sind verdiente Pfennige, auch für Unternehmen mit Wachstumszielen. Bevor Sie neue Schulden aufnehmen, um große Chancen zu nutzen, überlegen Sie, wie die digitale Transformation bestehende Prozesse billiger und einfacher machen könnte.

Testen Sie erst einmal einfache Tools mit potenziell hohen Auswirkungen, wie zum Beispiel Predictive Analytics für Werbeausgaben.

Ebenso ist die Implementierung der Customer-Relationship-Management (CRM)-Technologie ein digitaler Schritt, der Ihr Unternehmen voranbringen kann. Die CRM-Kosten beginnen bei 7 Euro je Kunde und Monat, wobei viele CRM-Anbieter kostengünstige cloud-basierte Lösungen für kleine Unternehmen anbieten. Es ist wirklich einen Versuch wert.

3. Machen Sie keinen Alleingang. Suchen Sie sich erfahrene Hilfe.

Finden Sie einen Technologiepartner mit Erfahrung in den richtigen Bereichen. Größere Unternehmen können es sich leisten, robuste IT-Abteilungen zu besetzen und den einen oder anderen Berater-Fehlschlag auszugleichen. Aber kleinere Unternehmen haben diese Art von Spielraum in der Regel selten.

Ein guter Technologiepartner empfiehlt In-Budget-Lösungen, die mit der Infrastruktur eines Unternehmens kompatibel sind. Fragen Sie potenzielle Partner, ob sie Erfahrung mit kleinen Unternehmen haben, wer beim Anbieter für die Kommunikation verantwortlich ist und welche Vorbereitungen das Unternehmen im Voraus treffen sollte.

Digitale Transformation ist kein vages Schlagwort. Für kleine Unternehmen beinhaltet die digitale Transformation all die kleinen Schritte nach vorne, die zu massiven Kosteneinsparungen, zufriedeneren Kunden und verbesserten Perspektiven führen. Suchen Sie nach Bereichen mit einfachen Möglichkeiten für große Verbesserungen und großen Nutzen. Dann kommt der Rest von selbst.

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