Spannungssegment schrumpft bei Absatz und Umsatz

Mehr als Krimispannung: In der Gunst der deutschen Leser lagen 2019 Thriller im Spannungssegment weit vorne. Mit „Das Geschenk“ von Sebastian Fitzek (Droemer), zugleich Jahresbestseller in der Hardcover-Belletristik, „Die ewigen Toten“ von Simon Beckett (Wunderlich) und „Liebes Kind“ von Romy Hausmann (dtv) liegen drei Thriller unter den Top 5 der Spannungstitel im Hardcover. Das Ausrufezeichen setzte dabei Hausmann, weil ihr in dem von etablierten Autoren dominierten Spannungssegment mit ihrem Thrillerdebüt der Sprung unter die Top-Autoren des Jahres gelungen ist. Im April legt sie jetzt mit „Marta schläft“ nach.

 

Weniger Spannungstitel verkauft

Spannung ist mit rund einem Viertel Anteil am Belletristik-Umsatz eine für den Buchhandel gewichtige Warengruppe. Sie hat allerdings wie die Belletristik insgesamt 2019 etwas schlechter abgeschnitten als im Vorjahr:

  • Es wurden fast 1,5% weniger Spannungsbücher verkauft.
  • Der Umsatz ist um 0,7% geschrumpft; der höhere Durchschnittspreis hat den Nachfrage-Rückgang weitgehend kompensiert.

 

Aktuelle Entwicklungen

Wie es im Spannungssegment weitergeht? Bei dem seit einem Jahr zu Emons gehörenden Grafit Verlag sieht Gudrun Stegemann zwei Tendenzen:

  • Weil Kriminalliteratur ein Genre ist, das aktuelle Entwicklungen reflektiert, sei damit zu rechnen, dass sich Themen wie Nationalismus und Rassismus, Flüchtlingswellen, Menschenhandel, Klimakatastrophe und Cybercrime verstärkt in Krimis und Thrillern wiederfinden.
  • Als Gegenpol zu Krisen und unübersichtlicherer Welt dürften sich Regionalkrimis behaupten, die die Sehnsucht nach Wortwitz, sympathischen Ermittlern und einer überschaubaren Portion Spannung bedienen.

Laut Bianca Dombrowa, Programmleiterin Allgemeine Belletristik bei dtv, ist „weibliche Psycho-Spannung nach wie vor sehr gefragt“. Klett-Cottas Vertriebsleiter Ralf Tornow stellt fest, dass es immer mehr deutsche Spannungs- und Thrillerautoren in die Bestsellerlisten schaffen und dass im Spannungssegment eine Verlagerung vom Hardcover ins Paperback stattfindet.

 

Krimibestseller 2019

1.Fitzek: Das Geschenk (Droemer)22,99
2.Falk: Guglhupfgeschwader (dtv)15,90
3.Link: Die Suche (Blanvalet)12,00
4.Fitzek: Flugangst 7A (Knaur)10,99
5.Wolf: Ostfriesennacht (Fischer)10,99
6.Bannalec: Bretonisches Vermächtnis (KiWi)16,00
7.Beckett: Die ewigen Toten (Wunderlich)22,95
8.Kliesch: Auris (Droemer)12,99
9.Neuhaus: Muttertag (Ullstein)14,99
10.Adler-Olsen: Opfer 2117 (dtv)24,00
11.Hausmann: Liebes Kind (dtv)15,90
12.Wolf: Todesspiel im Hafen (Fischer)10,99
13.Winkelmann: Die Lieferung (Rowohlt)9,99
14.Strobel: Offline. Du wolltest nicht erreichbar sein (Fischer)14,99
15.Fitzek: Das Paket (Knaur)10,99
16.Gruber: Todesmal (Goldmann)10,99
17.Maurer: Am Tatort bleibt man ungern liegen (Fischer)16,99
18.Fitzek: Der Insasse (Droemer)22,99
19.Klüpfel/Kobr: Kluftinger (Ullstein)12,00
20.Nesbø: Messer (Ullstein)24,00
Preise in Euro, alle Formate Quelle: buchreport/media control

buchreport.magazin 1/2020

Das buchreport.magazin 1/2020 ist mit dem Schwerpunkt Krimi & Thriller erscheinen. Themen darin:

  • „Die Hälfte der Krimis wäre noch zu viel“ Spannungsliteratur ist für viele Verlage ein zentraler Umsatzbringer. Kritiker Alf Mayer und Krimiautor Oliver Bottini über ihre Sicht aufs Genre.
  • Der Reiz des wahren Verbrechens Das Interesse an Berichten über wahre Kriminalfälle ist ungebrochen. Buchverlage bringen Sachbücher und Belletristik zu True Crime heraus.
  • Hacker und Hater Thrillerautoren machen die digitale Welt zum Thema. Die Szenarien reichen von Cyberkriminalität bis zu globalen Revolten im Netz.
  • Wachsen mit Augenmaß Krimis spielen bei Bedey eine wichtige Rolle. Mit zwei Übernahmen wird das Segment weiter ausgebaut.
  • Charme schlägt Schlachtplatte Grausame Morde und beinharte Spezialkräfte sucht man hier vergeblich: Cosy Crime bietet unterhaltsame Spannungsplots ohne große Schockmomente.
  • Mord und Intrigen in der Vergangenheit Historische Kriminalromane sind beim Publikum beliebt. Viele Novitäten gibt es vor allem zum 20. Jahrhundert und zum Mittelalter.
  • Detektive im Revier gedruckter Verbrechen Im Berliner Raum tummeln sich deutschlandweit die meisten Kriminalbuchhandlungen. Die Inhaber berichten von den Herausforderungen in der Nische.

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