Buchhandlung Neudorfer: Vielfalt statt Einheitsbrei

Der Österreichische Buchhandlungspreis ist ein Ritterschlag für Buchhändler. Seit 2017 wird er jährlich vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich (BKA) und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) an herausragende Buchhandlungen vergeben. In diesem Jahr ging der Preis unter anderem an die Buchhandlung Neudorfer in Vöcklabruck.


Buchhandlung Neudorfer

Buchhandlung Neudorfer in Vöcklabruck (Foto: Neudorfer)

Buchhandlung Neudorfer

Inhaber: Michael Neudorfer

Hinterstadt 21, 4840 Vöcklabruck

www.die-buchhandlung.at

Auszug aus der Jurybegründung: „Eine Buchhandlung im klassischen Sinn mit einem breiten Sortiment in den Bereichen Belletristik, Kinderbuch, Reiseführer und ausgewähltes Sachbuch – das ist die Buchhandlung Neudorfer seit nunmehr 20 Jahren in ganz außergewöhnlicher Weise. Statt Einheitsbrei wird auf Vielfalt und Klasse gesetzt – die Bestseller macht man sich hier selbst: durch die kompetente Beratung eines Teams von Viel-LeserInnen die nichts mehr lieben, als das Kundengespräch. Die sorgfältige Auswahl des Sortiments und die akribische Planung von VertreterInnen-Besuchen ist dabei eine Selbstverständlichkeit für das Team. Als Literatur-Nahversorger setzte die Buchhandlung Neudorfer auch von Anfang an auf ein engagiertes Veranstaltungsprogramm mit regelmäßigen Lesungen, für die sogar ein ehemaliger Kohlelagerraum in einen Literaturkeller umgewandelt wurde. Die Risikobereitschaft und das Durchhaltevermögen von Inhaber Michael Neudorfer haben sich bezahlt gemacht – für die Stammkunden, für alle Literaturinteressierten in der Region und darüber hinaus.“


Was zeichnet Ihr Unternehmenskonzept aus und wo liegen die besonderen Stärken Ihrer Buchhandlung?

Unsere Stärken liegen eindeutig in der Beratung. Wir zwingen unsere Kunden geradezu, mit uns in Gesprächskontakt zu treten, weil wir unser Sortiment auf eine für Außenstehende nicht leicht nachvollziehbare Art angeordnet haben. Dadurch ergeben sich viele interessante Anknüpfungspunkte, und der Kunde geht oft mit erheblich mehr Büchern zur Tür hinaus als er eigentlich zu kaufen beabsichtigt hatte. Wir suchen unser Sortiment nach strengen Qualitätskriterien aus, vermeiden Stapelware und setzen vielmehr auf Vielfalt und Nischenprodukte. Unsere Titelvielfalt kann sich mit großstädtischen Buchhandlungen durchaus messen. Uns interessieren keine Bestsellerlisten – wir machen unsere Bestseller selbst. So etwa haben wir bei Wolfgang Herrndorfs „Tschick” (mittlerweile Standardtitel) im ersten Erscheinungsjahr die größte Stückzahl in ganz Österreich verkauft. Unser Unternehmenskonzept lässt sich in einem Satz zusammenfassen, dem alles untergeordnet ist: „Wir führen unsere Buchhandlung so, dass wir dort selbst gerne Stammkunden wären”.

Wie groß ist die Aufmerksamkeit infolge der Auszeichnung und was versprechen Sie sich von dem Preis?

Wir erleben seit Bekanntwerden der Auszeichnung große Anerkennung seitens der Kunden, vielen Kollegen und Menschen, die eigentlich nicht zu unseren Kunden zählen. Tenor: „Das habt ihr euch wirklich verdient!” und „Allerhand für eine Buchhandlung in der Provinz!”. Ich verspreche mir einen höheren Bekanntheitsgrad und neuen Schwung für künftige Aktivitäten.

Was machen Sie mit dem Preisgeld?

Das weiß ich noch nicht genau. Einen Teil davon bekommen jedenfalls meine Mitarbeiterinnen als Sonderprämie.

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie als Buchhändler stehen?

Kampf ums Überleben! Die Phase stagnierender Umsätze durchstehen bis die Trendwende „Weg vom Bestellen im Internet – zurück zum Einkauf im stationären Handel” auch bei uns in der Provinz zu sehen ist. Vom Ausbluten der Vöcklabrucker Innenstadt nicht mit in den Abgrund gerissen werden. Hoffen, dass es bei einer „Generation Smartphone” bleibt und alles dafür tun, damit Jugendliche wieder mehr Bücher lesen.

 

Der Österreichische Buchhandlungspreis

Der Preis würdigt stationäre Buchhandlungen als „wichtigen kulturellen Nahversorger“ und zeichnet ihre Leistungen „für die Literatur, für die österreichischen Verlage und für das intellektuelle und literarische Leben“ aus, so Gernot Blümel, Bundesminister für EU, Kunst, Kultur und Medien. Der Fachjury, die über die Preisträger entschieden hat, gehörten in diesem Jahr Zita Bereuter (Journalistin), Hans Jobst (Verlagsvertreter), Ursula Poznanski (Autorin), Regina Rumpold-Kunz (Verlag Jung und Jung) und Bernhard Spiessberger (Verlagsvertreter) an.

Der mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Preis wurde 2017 in Analogie zum Deutschen Buchhandlungspreis erstmals ausgelobt. Er wird vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich (BKA) und dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) jährlich vergeben. Die diesjährige Preisverleihung fand im April 2019 im Bundeskanzleramt in Wien statt.

Ausgezeichnet werden Buchhandlungen, die

  • ihren Sitz in Österreich haben
  • inhabergeführt und unabhängig sind
  • ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten
  • innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren

Die Preisträger 2019:

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