Autorenverbände fordern 25 Mio Euro Bundesbudget für nationalen Lesungsfonds

Die von der Bundesregierung für November beschlossenen Corona-Beschränkungen treffen auch die Kulturbranche. Autorenverbände befürchten massive Auswirkungen für freiberufliche Autoren und Übersetzer – und fordern finanzielle Unterstützung.

Bereits die im Frühjahr und Sommer 2020 aus Hilfsprogrammen geflossenen Summen hätten die Einnahmenausfälle „nicht mal im Ansatz flächendeckend kompensiert“, heißt es in einer Erklärung des Netzwerks Autorenrechte (NAR), das 14 Verbände und über 15.500 Autoren und Übersetzer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz repräsentiert.

Autoren und Übersetzer würden mit einem herben Verlust in den nun ebenso veranstaltungsfreien Winter gehen – und für 2021 drohten weiteren Folgen der Pandemie: Durch Verschiebung der ursprünglichen Erscheinungstermine, durch Stornierung von Neuverträgen aufgrund verkleinerter Verlagsprogramme sowie sinkende Vorschüsse durch die Verlagshäuser werde sich ihre Verlustspirale fortsetzen.

Das NAR sieht die bisherige Förderung als nicht ausreichend: Von dem im Juni 2020 durch Kulturstaatsminnisterin Monika Grütters aufgelegten, 1 Mrd Euro schweren Programm „Neustart Kultur“ seien nur 5 Mio Euro in einen durch den Deutschen Literaturfonds zur Unterstützung von Lesungen und digitalen Modellprojekten bereitgestellten Förderfonds für Autoren geflossen, wobei jedoch Genres wie Sachbuch, aber auch Selfpublisher von der Förderung ausgeschlossen gewesen wären. Innerhalb von nur drei Monaten seien die ursprünglich bis Ende 2021 vorgesehenen Mittel der öffentlichen Hand aufgebraucht gewesen. 

Vor diesem Hintergrund fordert das NAR:

  • die Einrichtung eines Bundesbudgets für einen nationalen Lesungsfonds für analoge und digitale Formate in Höhe von jährlich 25 Mrd Euro – für alle Genres und Gattungen „und unter Berücksichtigung von Aspekten wie Parität und Bibliodiversität“.
  • die Entwicklung von „nachhaltigen Förderprogramme mit zeitgemäßen Honoraren“ durch die Länder und Kommunen, wie etwa die Einrichtung von Stipendienprogrammen für Buchprojekte aller Genres, und von digitalen Lesungsplattformen für Bibliotheken und Schulen, die die Vergütung der Autoren sicherstellen.

Autoren und Übersetzer seien die Quellen der gesamten Wertschöpfungskette von 14,3 Mrd Euro im deutschen Buchmarkt, begründet Nina George, Präsidentin des European Writers‘ Council, die Foderungen. „Freiberuflich, auf eigene Verantwortung tätig und dennoch am geringsten entlohnt, sind sie im Grunde die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber aller 113.000 in der Branche Beschäftigten“, so George weiter. Doch es gehe bei der Forderung nach einer angemessenen und nachhaltigen Unterstützung auf Bundes- und Landesebene „nicht nur um die ökonomische Dimension“: „Es geht um die Quellen unserer freiheitlich-demokratischen Debatten- und Themenkultur.“

 

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