Wie ein IT-Profi mit Schundbüchern Kindle-Millionär wurde

Plagiate, fragwürdige Rezensionen – seit Jahren gibt es viele Kunden-Beschwerden rund um den Kindle-Store. Amazon verfolgt die Fälle inzwischen auch juristisch. Welches Ausmaß Betrügereien in Amazons E-Book-Shop haben können, das haben jetzt IT-Berater aufgedeckt.

 

Wie ZDNet berichtet, haben Sicherheitsexperten der Firma MacKeeper einen erfolgreicher Amazon-Betrüger entlarvt, der mit Schundbüchern in 15 Monaten mehr als 2,4 Mio Dollar verdient hat. Der erfahrene Software-Entwickler, der u.a. für Microsoft gearbeitet habe, unterhielt die Firma Alteroxity, die Autoren einen E-Book-Rundumservice anbot, vom Schreiben bis hin zu (angeblich) „ehrlichen“ Rezensionen.

Die Masche von Valeriy S. ist ausgeklügelt:

  • In seiner Datenbank sind fast 1500 E-Books, die binnen weniger Tage jeweils zu angesagten Themen zusammengeschustert wurden (Prokrastinieren für Anfänger, nonverbale Kommunikation, antibiotische Lotionen selbstgemacht) – mit etlichen Rechtschreib- und grammatikalischen Fehlern.
  • Die Titel wurden von einer Vielzahl verschiedener Verlagsaccounts und mit Autoren-Pseudonymen veröffentlicht. Hintergrund: Wurde ein Verlags-Account von Amazon geschlossen, wurden die anderen nicht tangiert.
  • Darüberhinaus legte S. fast 84.000 Kundenkonten an, mit denen E-Books bestellt wurden, oft hunderte Mal in wenigen Stunden.
  • Anfangs wurden die Titel kostenlos angeboten. Durch die Vielzahl der Downloads stiegen die Titel dann hoch ins Amazon-Ranking, bevor S. die Titel kostenpflichtig anbot – und richtige Amazon-Käufer anbissen. Worauf S. viel Geld verdiente: Seit Juni 2015 etwa 2,4 Mio Dollar mit E-Books, weitere 83.000 Dollar mit Print-on-Demand-Büchern.

 

S. auf die Schliche kamen schließlich IT-Experten der Firma MacKeeper, die den Server von S. fanden, von dem aus – über Anonymisierungsdienste – die Geschäfte gesteuert wurden. Das Kuriose: Der Server war nicht passwortgeschützt, weshalb die Datenbank für die IT-Profis offen lag.

 

Im Anschluss an die Recherchen und den Artikel von ZDNet ist S. offenbar abgetaucht, die Firmenseite und Profile in sozialen Medien wurden gelöscht.

Amazon erklärte laut ZDNet, dass alle Titel inzwischen entfernt wurden, man prüfe juristische Schritte.

So warb die Firma des beschuldigten Kindle-Betrügers S. Die Seite ist inzwischen offline, ist aber im Netz noch zu finden.

Kommentare

1 Kommentar zu "Wie ein IT-Profi mit Schundbüchern Kindle-Millionär wurde"

  1. Und das ist nur eine Spitze vieler Eisberge. Und auch nicht nur bei Amazon, auch bei z. B. bonanza.com (auch kein kleiner Anbieter) gibt es Verkäufer (allen Ernstes) für „gebrauchte“ Ebooks. Nicht mal bedeutende naturwissenschaftliche Verlage kriegen es in den Griff, dass ihnen Autoren Plagiate oder Eigenplagiate andrehen. Etc. pp.

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