Kaufen ist nicht gleich lesen

Etwa 23 Mio Leser in 190 Ländern beziehen ihre EBooks über den kanadischen Anbieter Kobo. Dieser wiederum verfolgt das Leseverhalten seiner Nutzer genau. Die Daten für das Jahr 2014 zeigen ein erstaunliches Missverhältnis zwischen verkauften und tatsächlich gelesenen Büchern.

Vergleicht man Kobos Top-10-Bestsellerliste für Großbritannien (2014) mit den Top-10 der „am häufigsten zu Ende gelesenen Bücher“, wie es der „Guardian“ getan hat, ergibt sich keine einzige Überschneidung.

Der Bestseller „One Cold Night“ von Katia Lief wurde immerhin von 69% der Leser vollständig rezipiert. Der auch erfolgreich verfilmte Thriller „Gone Girl“ hingegen wurde nur von 46% zu Ende gelesen. Ähnlich fällt die Quote für Donna Tarts Pulitzer-Preis-prämierten Thriller „Der Distelfink“ (44%) und den Dauerbestseller „Shades of Grey“ (48%) aus. Solomon Northups Sklaverei-Drama „Twelve Years a Slave“ wurde laut Statistik gerade einmal von 28% der Leser beendet. Zum Vergleich: „Rotten to the Core“ (Casey Kelleher) wurde von 83% der Leser vollständig gelsen.
Über alle Kobo-Märkte hinweg betrachtet, sind Titel aus dem Romantik-Genre die am häufigsten zu Ende gelesenen Bücher. In Italien werden beispielsweise 74% der via Kobo gekauften Romance-Bücher auch zu Ende gelesen, in Großbritannien und Nord-Amerika sind es immer noch 62%. Franzosen hingegen lesen am liebsten Krimis bis zum Schluss (70%). Am seltensten zu Ende gelesen werden demnach religiöse Titel und Sachbücher.


Quelle: Kobo/„NYT“

Kobo-Inhalte-Chef Michael Tamblyn erklärte dazu, dass unterschiedliche Bücher unterschiedliche Lesemuster hätten. So würden Romane deutlich häufiger von „Buchdeckel zu Buchdeckel“ gelesen als Sachbücher, bei denen die Leser häufig nur auf der Suche nach bestimmten Fakten seien.
Verlagen bieten derlei Daten die Möglichkeit, genauer herauszuarbeiten, was die Leser interessiert und zum Weiterlesen animiert. Gewonnene Erkenntnisse können sich dann auf die Akquise neuer Autoren oder die Titelauswahl im kommenden Programm auswirken.
Kritik kommt unter anderem von der US-Autorin Francine Prose. In ihrem Blog warnt sie davor, dass basierend auf den Leserdaten von Verlags- und Marketingabteilung künftig Druck auf Autoren ausgeübt werden könnte.

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