Das Ende der Apps, wie wir sie kennen

Die Art, wie wir Apps nutzen, wird sich völlig verändern, prophezeit Paul Adams, Product Vice President beim Start-up Intercom. Künftig werden wir nicht mehr einzelne Apps direkt ansteuern, sondern mit Benachrichtigungszentralen kommunizieren, so Adams. Diese schon in ersten Schritten vollzogene langsame Revolution werde die Anforderungen an App-Designer und Inhalte-Lieferanten völlig neu definieren. 

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Paul Adams weiß, wovon er spricht: Vor seinem Job als Vice President of Product war der „Rockstar Designer“ (GigaOm) für das Design von Facebook und Google+ mitverantwortlich. 
Adams‘ These: Ein Bildschirm voller verschiedener App-Icons, die einzeln geöffnet werden müssen, mache immer weniger Sinn. Er geht davon aus, dass sich stattdessen Benachrichtungszentren durchsetzen, die die Funktionen und Inhalte der Apps gebündelt anbieten. 

© Paul Adams

Vom Design her müsse man sich diese Lösung wie Karten vorstellen, die als Container für Inhalte fungieren, die aus verschiedenen Apps generiert werden. Ähnlich wie die Mitteilung auf dem Smartphone oder Tablet über eine neue E-Mail, SMS oder Chat-Nachricht, auf die man dann innerhalb des Mitteilungszentrale antworten kann, bekomme man dann beispielsweise über eine zentrale Steuerung die Benachrichtigung über einen neuen Tweet, eine wichtige Nachricht oder ein Status-Update auf Facebook. Darauf könne man dann innerhalb des Benachrichtigungscenters reagieren, ohne die eigentliche App dahinter aufzurufen. 
Welche „Karten“ ausgespielt werden, hänge von den Einstellungen und dem Nutzungsverhalten des jeweiligen Nutzers ab. Die Möglichkeiten seien grenzenlos: Auf Facebook-Kommentare reagieren, einen Tweet retweeten, etwas auf Amazon kaufen, in den Flieger einchecken, einen Tisch reservieren, eine Erinnerung einrichten oder eine wichtige Meldung teilen. Auch auf die spezifische Situation des Nutzers könnten die Karten zugeschnitten werden: Wer im Auto unterwegs ist, bekommt eine Meldung vorgelesen – auf der Arbeit erscheint sie als Textnachricht. Die einzelnen Feeds erscheinen vertikal untereinander, weitere Nachrichten zu demselben Thema – etwa der Facebook-Feed – werden horizontal angeordnet.
 © Paul Adams
Auch könnte man sich vorstellen, dass eine App als „Mutterkarte“ fungiert, in die die Karten anderer Apps eingebettet werden. So könnte die Facebook-Karte auch Nachrichten von BBC einblenden. Letztlich könnten sogar Internetseiten überflüssig werden. Adams: Gesetzt den Fall, dass die „New York Times“ ihre Inhalte an Karten ausliefert und an den Erlösen mitverdient – warum überhaupt noch eine Internetseite betreiben?
Erste Ansätze eines solchen Modells gebe es heute schon: Google Now, die Benachrichtigungen auf Android und iOS (Apple), Erweiterungen für iOS, Twitter-Karten wiesen bereits in diese Richtung. Neue Geräte wie Smartwatches unterstützten diesen Trend. 
Dies bedeute das Ende von Apps, wie wir sie heute kennen. Inhalte werden granular aufbereitet, Designer müssten in Systemen statt in abgeschlossenen Apps denken, verschiedene Nutzungssituationen müssen mitgedacht werden und die Integration von anderen Diensten bzw. in andere Dienste werde ein wichtiger Teil der Produktstrategie. 

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