Keine weiteren Massenentlassungen

Der Insolvenzverwalter von Weltbild will Ruhe in den Investorenprozess und in die Mitarbeiterschaft bringen. Am Ende einer turbulenten Woche äußert sich Arndt Geiwitz gegenüber den Mitarbeitern zum Stand der Dinge. Eine entscheidende Frage lässt Geiwitz dabei aus.
Verdi aus der Schusslinie

Der Insolvenzverwalter wehrt sich in einer Mitteilung an die Belegschaft, die buchreport.de vorliegt, gegen Aussagen in Medien, nach denen Betriebsrat und Paragon aktuell wegen des möglichen Abbaus weiterer Stellen im Clinch lägen. Nur die Insolvenzverwaltung verhandele mit Paragon, nicht der Betriebsrat oder Verdi, so Geiwitz. Das Treffen am Mittwoch dieser Woche in München sei kein „Krisengespräch“ gewesen, dies seien vielmehr „übliche Verhandlungen“.

Die Frage nach dem Arbeitsrecht sei nur einer der offenen Punkte, im Fokus gehe es um die „Konkretisierung eines gemeinsamen, tragfähigen Zukunftskonzepts“, das betriebswirtschaftlich sinnvoll sei. Der Insolvenzverwalter korrigiert in diesem Kontext Berichte zur Personalstärke von Weltbild: Aktuell gebe es in der Zentrale 945 Mitarbeiter (plus 24 Azubis), statt der oft vermeldeten 1250 (Erklärung: Inzwischen gab es neben dem im Frühjahr angekündigten Personalabbau viele Eigenkündigungen). Bei Weltbildplus arbeiteten aktuell 1150 Mitarbeiter. Arbeitnehmervertreter und Insolvenzverwaltung seien beide der Überzeugung, dass die heutige Personalstärke passend sei, um das Zukunftskonzept „Weltbild 2.0“ umzusetzen, erklärt Timm Bossmann, Verdi-Sprecher und Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Weltbild, gegenüber buchreport.de. Weitere personelle Änderungen müssten im Einzelnen betriebswirtschaftlich begründet werden.

„Alternative Vorgehensweisen“ statt Zerschlagung

Geiwitz äußert sich in der Mitteilung an die Mitarbeiter auch zum Bericht des „Manager Magazin“, nach dem bei einem Ausstieg von Paragon die Zerschlagung droht. Selbst in dem Fall, dass es keinen Vertragsabschluss mit Paragon geben sollte, so Geiwitz, seien immer noch alternative Vorgehensweisen möglich. Heißt: Steigt Paragon aus, würden Verhandlungen mit anderen Investoren wieder aufgenommen. Neben dem österreichischen Industriellen Josef Taus (Libro), heißt es in Unternehmenskreisen, habe weiterhin Hermann Hutter Interesse. Der Chef der Hutter-Gruppe sondiert gemeinsam mit anderen Investoren, darunter Weltbild-Manager Gunter Gerlach, eine Übernahme. 

Kein Wort zum neuen Übernahmeplan

Ein Thema, das Geiwitz in der Mail an die Mitarbeiter ausklammert, ist das veränderte Übernahmeangebot von Paragon. Nach buchreport-Informationen (hier die Exklusiv-Meldung, s. auch ausführlich im buchreport.express 28/2014, hier zu bestellen) hat Paragon am Montag der Woche erstmals bei Geiwitz mit einem neuen Konzept zum Einstieg bei Weltbild angeklopft, nach dem der Private-Equity-Investor nicht nur 51% an der neuen Weltbild-Gesellschaft übernimmt, sondern sämtliche Anteile.
Ob ein 100%-Einstieg von Paragon bei Weltbild bei den Mitarbeitern gut ankäme, bleibt abzuwarten, denn die Anschlussfrage lautet dann: Könnte Paragon in Augsburg schalten und walten, wie es das Unternehmen will, bevor Weltbild in ein paar Jahren weiterverkauft wird?

Mehr zum Thema im Dossier von buchreport.de

Kommentare

2 Kommentare zu "Keine weiteren Massenentlassungen"

  1. Es bleiben also weiterhin Unsicherheiten bei Weltbild.
    Was im Hintergrund für Strippen bei den Strategien gezogen werden, dringt nicht nach außen.
    Es sollte vom Herrn Geiwitz noch einmal gut überprüft werden, ob Paragon von München da auch 100-prozentig bei Weltbild einsteigen will.
    Die Lage von Weltbild ist also noch nicht so sicher.
    Paragon muss da einen langen Atem vorweisen, um dies auch mit
    Weltbild starten zu können.
    Es geht jetzt auch in erster Linie um das Festhalten der vorhandenen Arbetsplätze.
    Der Internet-Handel wird sich noch vergrößern und dies muss in der gesamten Verlags- und Buchbranche gesehen werden.
    Auch Weltbild ist in dieser Ausrichtung aufzustellen.
    H. Kraft

  2. besorgter Mitarbeiter | 11. Juli 2014 um 19:29 | Antworten

    Ich kann sagen, wie der 100% Einstieg ankäme. Man möchte einfach nur schreiend davon laufen…. Das Vetrauen der Belegschaft gegenüber Paragon geht gen Null, und auf dieser Basis lässt sich wohl kaum effektiv arbeiten. Der Gedanke, dass man dann weiterhin so zurecht gestutzt wird, bis es einem neuen Käufer in zwei Jahren gefällt, ist unerträglich!

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