Schafft den Kopierschutz ab!

Der Musikproduzent und Staatssekretär für Kultur in Berlin, Tim Renner, trifft mit seiner Buchbranchen-Schelte weiterhin einen medialen Nerv. In der neuen „Zeit“ führt er seine Thesen, die er beim Readbox-Kundentag vorgebracht hatte, aus. Renners (erneuter) Ratschlag: Die Branche solle sich von hartem Kopierschutz verabschieden.


Am 20. Mai widmet sich buchreport mit einem Webinar den Perspektiven des harten Kopierschutzes in der Branche – mit Befürwortern und Gegnern unter den Referenten. Hier weitere Infos.


Die Erfahrungen der Musikwirtschaft zeigten, dass man nicht versuchen dürfe, die „digitalen Maschinen zu stürmen“. Einen Formatwechsel, so Renner, „moderiert man nicht, indem man ihn verzögert, sondern indem man ihn konsequent und entschlossen angeht. Wichtig scheint mir, zu verstehen, dass das eigene, alte Geschäftsmodell sich nicht immer auf die neue Welt übertragen lässt.“ 
Konkret moniert Renner, dass es kein legales Portal gebe, auf dem wirklich die meisten Buchtitel digital erhältlich wären, die es auch analog im Handel gibt. „Bei vielen Veröffentlichungen hinkt die E-Book-Ausgabe zeitlich dem physischen Buch hinterher. Die meisten Anbieter bestehen auf einem Kopierschutz, der die Texte zwischen den unterschiedlichen Readern inkompatibel macht. Möglichkeiten, die im stationären Handel selbstverständlich sind, wie im Buch seiner Wahl erst mal zu schmökern, bevor man es erwirbt, sind nicht die Regel. Zudem trägt der Preis des digitalen Buchs oft den geringeren Kosten bei Herstellung und Verbreitung nicht wirklich Rechnung.“

Kommentare

6 Kommentare zu "Schafft den Kopierschutz ab!"

  1. Matthias Ulmer | 30. April 2014 um 16:20 | Antworten

    Komisch, Sie kommentieren Kommentare, dabei ist Ihrer der erste? Oder kommentieren Sie bereits die Kommentare und die Aussagen, die kommen würden, wenn es Kommentare gäbe?

  2. Amélie von Tharach | 30. April 2014 um 14:48 | Antworten

    Die Musikindustrie hat das mit dem Kopierschutz auf den CDs auch schon mal versucht, und was war die Folge? Die Umsätze sind kläglich weggebrochen und niemand hat mehr CDs mit Kopierschutz gekauft. Der Kopierschutz bei Musik-CDs ist Geschichte. Früher gabs mal Videogeräte mit unterschiedlichen Systemen. Nicht das bessere System hat sich durchgesetzt, sondern das System, das am meistern verbreitet war. Systeme gehen immer dann ein, und wenn künstliche Mauern aufgebaut werden, und die, die eigentlich geschützt werden sollen, sind die Verlierer. Gedruckte Bücher sind schnelllebige Konsumgüter. EBooks gibt es noch Jahrzehnte nach dem gedruckten Buch, das mit dem Stempel „Mängelexemplar“ in der Ramschkiste verschleudert wurde. Eigentlich nur banale Evolutionstheorie

  3. Johannes Monse | 30. April 2014 um 14:38 | Antworten

    Ich kann Herrn Renner nur zustimmen; harter Kopierschutz schafft in unseren Augen ein minderwertiges Produkt, welches den redlichen Kaufinteressenten ernsthaft überlegen lässt, warum er sich für gutes Geld etwas kaufen soll, dass er nur schwer eingeschränkt nutzen kann, während es zugleich eine kostenfreie Version desselben Inhaltes gibt, mit der er vollumfänglich und frei umgehen kann – auf allen seinen Endgeräten, wenn ihm danach ist. Unsere Imprintverlage setzen auf den ehrlichen Kunden, der sicherlich in der Mehrheit ist. Dieser soll nicht wegen einiger Diebe mit einem schlechteren Produkt kollektiv abgestraft werden. Also ganz klar kein DRM. Das Diebesgut müssen wir daher – unfreiwillig aber kalkuliert – als Marketing umdeklarieren. Schön modern könnte man also sagen, wir nutzen die Piraten zur Steigerung der gerne zitierten Discoverability, Wissend, dass diese Leute eh nicht kaufen würden und glaubend, dass ehrliche Kunden sich dreimal überlegen, ob sie geklaute Inhalte konsumieren wollen.

    • Manuel Bonik | 2. Mai 2014 um 11:47 | Antworten

      Sie haben insofern Glück, als Ihre Verlage bislang (noch) wenig piraterisiert werden; das sieht dann z. B. bei Ulmer gleich ganz anders aus.

      Ich stimme Ihnen weitgehend zu. Wer immer noch DRM propagiert, verdient sein Geld vermutlich mit der Produktion von DRM-Systemen oder hat ein Geschäftsmodell, z. B. einen Buch-„Verleih“, das auf DRM aufsitzt. Und allerdings glaube ich nicht, dass die „ehrlichen Kunden […] in der Mehrheit“ sind. Nach unseren letzten Abschätzungen kommen auf ein gekauftes Ebook zehn Downloads bei Piraterieseiten. Was nicht weiter überraschend ist: Warum sollte es bei Buchfreunden anders sein als z. B. bei Filmfans?

  4. Bei buchreport dazu ja bislang nur Kommentare gelesen mit dem Tenor: Was spuckt uns denn der Pop-Fuzzi in die Suppe, uns altehrwürdigen Verlagen, die wir jetzt doch auch „irgendwas mit digital“ machen? Wir haben uns doch neulich DRM andrehen lassen, warum sollten wir jetzt überhaupt noch über das Thema nachdenken? – Die Debatte wird noch sehr lustig werden, wenn auch nicht für jeden.

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