Im Netz gibt es kein Eigentum

Der „Tagesspiegel“ bereitet der größten deutschen illegalen E-Book-Plattform eine große Bühne, rückt ihren Betreiber mit einem Interview ins Rampenlicht und verbreitet dessen These: Eigentlich seien die Verlage selbst schuld, dass sie beraubt werden.
Das Interview (online sowie in der gedruckten Ausgabe vom 26. August erschienen) mit dem anonymen Betreiber wurde per E-Mail geführt. Zwar wird mehrfach explizit darauf hingewiesen, dass die Plattform b***.to Urheberrechte verletzt, doch werden potenzielle Nutzer durch den Bericht erst auf die Plattform aufmerksam gemacht. Anders als üblich, wird die Plattform nicht anonymisiert, sondern interessierte Nutzer erfahren in dem Artikel den Klarnamen und somit auch die URL.

„Wir sind eine neue Art Verlag“

„Die Verlage haben nicht erkannt, dass sie es nicht mit Ladendieben, sondern mit einer neuen Art Verlag zu tun haben“, erklärt der Buchpirat der Zeitung. Man sehe sich als Anbieter am Markt, „wie Amazon und der stationäre Buchhandel“. Zwar sei ihm bewusst, dass er massenhaft Urheberrechte verletze. Aber: „Die Dateien der Autoren landen sowieso im Netz. Ob sie nun von uns befreit werden oder von irgendwelchen Russen, ist egal. Alles von Interesse landet im Netz. So betrachtet gibt es im Netz kein Eigentum.“
Eigentlich seien die Verlage selbst daran schuld, dass sich die Piraten kostenlos bedienten, erklärt er weiter: „Es fehlt ein attraktives digitales Angebot der Verlage. Kein Verlag verdient mit E-Books Geld. Warum nicht? Es liegt immer am Anbieter, nie am Kunden. Die Verlage müssen eine Flatrate aufziehen. Keine halbherzigen Lösungen. Am Ende wird es – wie im Bereich der Musik – eine Flatrate wie bei Spotify geben.“ Man müsse sich die „Gesamtheit aller E-Books als ein einziges E-Book vorstellen“. Für diese Datei würden die Leser dann auch zahlen.

Kommentare

29 Kommentare zu "Im Netz gibt es kein Eigentum"

  1. Den Link mit Sternchen zu kaschieren, löst das Problem des Verlagswesens und des Buchhandels nicht. Erst wenn E-Books aus legal kostengünstig und komfortabel angeboten werden, wird gegen Buchpiraten wirksam vorgegangen.

  2. Dumme/naive Frage in der ganzen DRM Diskussion: Gibt es einen Fall, wo ein illegal verbreitetes Buch mit Wasserzeichen identifiziert wurde und der Besitzer des Buchs ermittelt werden konnte? Nach längerem Suchen bei Google habe ich zumindest keinen solchen Fall erwähnt gefunden, aber vielleicht stelle ich auch die falschen Fragen? Wenn es jedoch keinen einzigen Fall gibt, wo sich das Wasserzeichen als Identifikation einer illegalen Verbreitung bewährt hat (auch juristisch), dann ist doch das „Soft DRM“ vollkommen wirkungslos. Hat mal ein Verlag irgendeinen Prozess geführt, wo das Soft DRM eine Rolle spielte? Sorry, mir scheint ob Hard ob Soft – das ganze DRM Thema ist eine Phantom-Diskussion, die von den eigentlich wichtigen Fragen (z.B. Flatrate …) ablenkt.

  3. Das Problem, so denke ich liegt ganz woanders.
    Beispiel: Inferno, Dan Brown
    Am*zon Preis gebundene Ausgabe: € 26
    Kindle Edition: € 19,99
    Damit schiessen sich die Händler selber ins Knie, weil viel zu teuer.

    Meine Auffassung wäre: Gebundene Ausgabe wie im Beispiel: € 26
    Kindle Edition: € 9,99 (so wie das in einem Jahr erscheinende Taschenbuch)

    Nach Erscheinen des Taschenbuches, Reduzierung des eBooks auf zBsp: € 4,99 oder so.

    Damit würden die Verlage 1000x mehr eBooks verkaufen und die Piraterie würde nicht die bestehenden Ausmasse haben.

    just my 2 cents.

  4. Das Datum ist falsch. Das ist heute in der Print-Ausgabe erschienen!

  5. Buchpiraten sind genau das, was sie abstreiten zu sein: Ladendiebe. Da hilft auch keine noch so schöne Ideologie vom Netz, in dem alles anders ist, oder von Büchern, die es zu befreien gelte.

    Allerdings kann man bezweifeln, dass diese Leute ein nennenswertes Problem darstellen. Davon sollte man nur ausgehen, wenn man – wie dieser Pirat es offensichtlich tut – die PDF-Datei als Zukunft des Lesens betrachtet.

    Fachverlage jedenfalls sind da deutlich weiter, wie man ebenfalls heute auf Buchreport lesen kann (http://www.buchreport.de/nachr…. Der Inhalt allein ist nur ein Teilaspekt moderner digitaler Verlagsprodukte, zunehmend an Bedeutung gewinnen zusätzliche Funktionen zum Beispiel zur Unterstützung von Weiterbildungs- und Arbeitsprozessen. Solche Produkte kann man nicht klauen.

    In einem hat der Pirat aber recht: sein Modell steht in Konkurrenz zum Modell der Verlage und Buchhändler. Doch sein großer Nachteil ist, dass sein Modell illegal ist. Deshalb kann das auf die Dauer auch nichts werden. Ein Pirat muss sich verstecken und „dealen“, während Verlage und Buchhändler ihre Marketingstrategien immer besser auf das Internet anpassen. Ein Pirat muss klauen, während Verlage innovative Produkte entwickeln.

    Natürlich müssen Kriminelle verfolgt werden, aber ehrlich gesagt verstehe ich die Aufregung nicht ganz. Das ist ja fast so, als würden die Bierbrauer ihr Geschäftsmodell von Haschischhändlern bedroht sehen.

    • Verstehe nicht, was die Spiegel-Bestseller mit „Funktionen zum Beispiel zur Unterstützung von Weiterbildungs- und Arbeitsprozessen“ zu tun haben soll. Da geht’s doch um lecker Schmöker und nicht um irgendwelche interaktiven Dienstleistungen. Und das Beispiel Haufe-Lexware macht in diesem Zusammenhang auch nicht gerade Mut, ist ja schließlich einer der bestpiratisierten deutschen Verlage (übrigens ohne Not: H-L könnte seine Piraterie-Probleme per Notice and Takedown lösen; dass er es nicht macht, lässt mir gewisse Zweifel an seiner Online-Kompetenz aufkommen – aber das nur nebenbei).

      (Übrigens führt der Link auf die buchreport-Startseite und nicht zum Artikel.)

      • @ Manuel Bonik

        Was ich damit meine, ist folgendes: E-Books bestehen aus zwei Komponenten, dem Inhalt und einer Software, die die Möglichkeiten der Nutzung des Inhalts bestimmt. Die Software wird dabei – wenigstens gilt das für Fachverlage – immer mehr zum entscheidenden Faktor, der über den Wert bestimmt, den der Kunde mit dem E-Book erlebt. Piraten können vielleicht den Inhalt klauen aber nicht die Software, die in der Regel eine Cloud-Anwendung sein wird. Je mehr der Kunde die Funktionalitäten dieser Software als nützlich und wertvoll erlebt, um so besser ist das jeweilige Produkt vor Piraterie geschützt.

        Nehmen Sie meinen Verlag Symposion Publishing. Wir verkaufen E-Books im Bundle mit der gedruckten Ausgabe. Das E-Book bietet dem Leser zusätzliche Funktionen, z.B. ein Kontext-Lexikon. Unsere E-Books können nicht ohne weiteres geklaut werden. Und selbst wenn jemand die Printausgabe Seite für Seite einscannt, hat er dann nur den nackten Inhalt ohne die Zusatzfunktionen.

        OK, wir bieten ja das Buch aus der App heraus auch als PDF zum Download an, ohne DRM, ohne Wasserzeichen. Weitergeben an Kollegen ist erlaubt. So eine PDF kann natürlich leicht geklaut werden. Warum machen wir das? Weil unsere Leser danach fragen und wir nicht glauben, dass Piraterie so erheblichen Schaden verursacht, dass wir den Nutzerkomfort einschränken müssten.

        @ Rainer

        PDF war nur ein Beispiel. Auch EPUB oder MOBI sind nicht die Zukunft des Lesens sondern lediglich „dumme“ Formate. Die Zukunft des Lesens liegt in der Funktionalität der Software, die diese Formate verarbeitet. Das reine Lesen ist nur eine der Möglichkeiten, die E-Books bieten können.

        • Ist halt trotzdem Thema verfehlt. Ich glaube nicht, dass es in Zukunft kaufentscheidend für Spiegel-Bestseller sein wird, dass sie in einer Cloud stehen und mit irgendwelchem interaktiven Schnickschnack angereichert sein werden.
          Die Software von Haufe-Lexware, gerade ihre Spitzenprodukte, werden übrigens auch sehr gut geklaut (gecloud? Pardon!). Und, oja, es gibt auch Piraterie bei Zugangscodes, auch wenn sie zum Glück bislang keine große Rolle spielt.
          Im übrigen und Allgemeinen fallen mir weit mehr Gründe gegen als für Cloud-Anwendungen ein, aber das führ ich jetzt nicht aus.
          Schließlich: Es ist ja schön, wenn Sie ein funktionierendes Geschäftsmodell für digitale Produkte gefunden haben. Dummerweise war es historisch oft genug so, dass genau dann, wenn so ein Produkt dann mal tatsächlich funktioniert und für die Leute relevant wird, die Piratin zuschlägt. Erleben wir ja seit wenigen Jahren bei Ebooks.
          In diesem Sinne: Viel Glück!

    • >>wenn man – wie dieser Pirat es offensichtlich tut – die PDF-Datei als Zukunft des Lesens betrachtet.<<

      Ebooks sind selten PDF, die illegal verbreitet werden. Es sind epub oder mobi/azw (als Quelle und als angebotener Download). Insofern wird der Pirat wohl kaum die PDF-Datei als Zukunft des Lesens betrachten.

  6. Da heult die Branche getroffen auf, zitiert ganz eifrig den Interviewten und tut scheinheilig, als ob durch Nennung der URL weitere Leute dorthin gelenkt würden (wer will, kennt die Adresse schon lange …).

    Was ich hier völlig vermisse, sind Antworten der Branche auf die zitierten Stellen. Was tun Verlage und Händler, um sich attraktiver oder gleichwertig zu den Piraten aufzustellen?

    • Sehr geehrter Rainer,

      Die fehlende Anwort, die Sie vermissen, liegt darin begründet, dass es keine Möglichkeit gibt, attraktiver oder auch nur gleichwertig zu den Piraten zu sein! Das liegt in der Natur der Sache:

      Die Autoren schreiben das Buch, die Verlage bereiten es auf (Lektorat, Korrektorat, Cover etc. etc.), diese beiden sind diejenigen, die die ganze Arbeit machen und investieren.

      Die Piraten dagegen klauen das fertige Produkt, ihre Investitionen ins Produkt betragen null Euro, entsprechend „billig“ können sie es gewinnbringend verticken. Wie soll da bitte ein Verlag mitkommen, solange erwartet wird, dass er Lektoren, Autoren etc. bezahlt?!

      Nehmen Sie zum Vergleich eine Fahrt von Hamburg nach München. Für MICH gäbe es kein attraktiveres Modell, als IHR Auto zu nehmen und IHR Benzin zu verfahren.

      Wäre doch schon irgendwie absurd, wenn ich von Ihnen erwarten würde, dass Sie mir beantworten müssen, warum ich doch bitte nicht Ihr Auto klauen bzw. leihen soll!

      • Lässt sich ein Autodiebstahl tatsächlich mit Buchpiraterie vergleichen?

        Auf den ersten Blick schon. Aber mal nachgedacht: Was macht denn Google News anders als wir Buchpiraten? Das Netz kennt den Begriff des geistigen Eigentums nicht (oder besser: akzeptiert ihn nicht).

        Google und Buchpiraten verhalten sich im Netz regelkonform. Wer seinen Content schützen will, sollte ihn nicht ins Netz stellen. Eine ganz einfache und sehr sichere Methode, sein ‚Eigen’tum zu schützen.

        • Sehr geehrter Rainer,
          Ich gebe Ihnen Recht! Das bisherige Ebook-System mit DRM, Gerätebindung, etc. ist in vielen Punkten verbesserungswürdig. Doch „die Wut“ des Kunden trifft mit den Verlagen definitiv die Falschen! Es sind Amazon, Apple & Co., die dies aus eigenen Interessen vorantreiben.
          Wir haben in D. viele kleine und mittelständische Verlage, die zwar für ihre kulturell wichtigen Publikationen gepriesen werden, aber wirtschaftlich sowieso schon ums Überleben kämpfen. Glauben Sie im Ernst, die haben die Macht, Amazon oder Apple zu diktieren, wie der von diesen vertriebene Content angeboten wird? Das hat auch nichts mit Heulen zu tun, es ist schlicht eine realistische Einschätzung der Lage. Und es ist doch nicht der Verlag, dem wichtig ist, dass ein Ebook nur auf einem Kindle gelesen werden kann!
          Doch bei Protest seitens des Verlags wird dieser einfach aus dem betreffenden Sortiment geworfen. Wobei die Beschwerden, worums den und jenen Titel jetzt nicht auch fürs iPad gibt, garantiert auch an den betreffenden Verlag gehen – nicht an den betreffenden Anbieter!
          Deshalb, ich gebe Ihnen wie gesagt Recht, dass bzgl. Ebook Potential zur Verbesserung gibt, aber diese erreicht man nicht, wenn man die Verlage durch illegale Downloads bestiehlt und sich gleichzeitig weiterhin brav ein paar Stunden in die Schlange stellt, um im Apple-Store das neuste iIrgendwas kaufen zu dürfen!

          Sehr geehrter Spiegelbest (falls Sie der Echte sind)
          Natürlich lässt sich der Autodiebstahl mit der Buchpiraterie vergleichen: Billiger als mit Rainers Auto kann ich nicht fahren, billiger als ein geklautes Buch kann ein gekauftes niemals sein. Ihre Argumentation läuft darauf hinaus, dass Sie sagen, das der Autoklau „real“ wäre, der Buchklau dagegen nur im Netz. Real in ihrer Auswirkung sind aber beide! Bei ersterem ist das Auto weg, bei zweiterem die benötigten Einnahmen zur Refinanzierung.
          Letztendlich, vielleicht ist Ihnen das selbst nicht so bewusst, kennzeichnet „real“ oder „Netz“, das Ihrer Aussage nach den Begriff des geistigen Eigentums nicht akzeptiert, einen – so will ich es jetzt nennen – „Raum“.
          Und ich gebe Ihnen Recht, es gibt in unterschiedlichen „Räumen“ unterschiedliche Rechtsauffassungen. So gibt es – oft genug in der Presse zu lesen – Teile in der Welt, in der nicht Wenige der Bevölkerung es für gerechtfertigt halten, wenn eine Frau vergewaltigt wird, wenn Sie allein das Haus verlässt, den „öffentlichen Raum“ betritt. Sie argumentieren genauso! Wieso hat sie denn auch das Haus verlassen, wieso wurde der Content denn auch ins Netz gestellt!
          Wobei das so gar nicht stimmt, also Ihre Argumentation, denn im Interview mit dem Tagesspiegel sagen Sie Folgendes: „Im letzten Juli war unser eigener Scan von Stephen Kings „Joyland“ sehr erfolgreich. Als E-Book erschien der Titel nur bei uns, den Buchpiraten. Stephen King selbst hat ihn nicht digitalisieren lassen.“
          Ihre Behauptung, „Wer seinen Content schützen will, sollte ihn nicht ins Netz stellen. Eine ganz einfache und sehr sichere Methode, sein ‚Eigen’tum zu schützen“, haben Sie damit doch selbst widerlegt – oder, um im Bild zu bleiben, Sie haben nicht gewartet, bis die Frau aus dem Haus in den „Raum“ kam, Sie haben sie gegen ihren Willen in den „Raum“ gezerrt.
          Ganz ehrlich, vor zehn, fünfzehn Jahren, wegen mir … aber 2013 damit kommen zu wollen, das „Netz akzeptiert nicht …“. Die Jahre, in denen man glauben durfte, dass das Netz ein rechtsfreier Raum ist, sind doch wohl mal definitiv vorbei! Weil die Auswirkungen eben immer real sind! Oder würden Sie auch behaupten wollen, das Internetmobbing etc. auch keine Auswirkungen haben? In dem Fall verlassen Sie doch die Anonymität …
          Zum Abschluss noch was zu dieser Aussage von Ihnen: „Wir sind Verleger, keine Ladendiebe“.
          Wo sind Sie denn Verleger? Wissen Sie eigentlich, was ein Verlag macht? Lektorat, Korrektorat, Cover, Titel, Marketing, damit die Bücher (die Sie klauen) überhaupt gelesen werden wollen, all das macht ein Verlag, machen die Menschen, die dort arbeiten, wobei der Verlag mit allem in Vorlage geht!
          Was machen Sie davon? Nichts! Sie nehmen die Werke, die Verlage zusammen mit den Autoren erarbeitet haben für null Euro und vertreiben diese illegal. Wo sind Sie also ein Verleger? Sie sind keiner, im Gegenteil, ohne Verlage hätten Sie schlicht und ergreifend erst gar nichts anzubieten!
          Und vor allem, wenn es Ihnen „ums System ginge“ (und nicht darum, sich früher oder später die Taschen voll zu machen), was hindert Sie daran Verleger zu werden? Suchen Sie sich ein paar Autoren, die umsonst schreiben wollen, lektorieren, korrigieren etc. Sie umsonst, bieten Sie die Bücher umsonst zum Download an … Nichts dagegen! Im Gegenteil, so könnten Sie beweisen, dass wenigstens Sie selbst an Ihre Sprüche glauben!
          Aber Sie bestehlen und versklaven defacto ja lieber Dritte und rechtfertigen das mit ein paar hohlen Phrasen aus der Anonymität raus.

          • Lieber Herr K., nicht Amazon und Co. bestimmen, wie ebooks vertrieben werden, d.h. mit oder ohne DRM. (Mir scheint, Sie haben nicht so viel Ahnung von der Welt der ebooks?) Es sind *allein* die Verlage (manchmal schon getrieben durch den Autor selbst oder seinen Agenten), die gegenüber den Distributoren festlegen, ob ein ebook ohne jeglichen Schutz, mit Wasserzeichen (weiches DRM) oder mit hartem DRM verkauft werden müssen! Amazon und andere Shops *dürfen gar nicht* selbst festlegen, ob DRM drauf kommt oder nicht.

            Es gibt nur ein Paradoxon bei Verlagen, die nur weiches DRM (Wasserzeichen) verlangen. Kann nämlich ein Shop (wie Amazon/Kindle) technisch keine Wasserzeichen anbieten, dann eskaliert das Rechtesystem dahin, dass hartes DRM aufs ebook gedrückt wird. Das erklärt, warum bei einigen Shops hartes DRM drauf ist, obwohl der Verlag selbst hartes DRM ablehnt (aber auf Wasserzeichen besteht), und warum bei anderen Shops im gleichen ebook nur das Wasserzeichen eingebaut ist.

            Es gibt auch bei Amazon DRM-freie ebooks. Da steht dann in der Produktinformation: „Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung“.

          • Manuel Bonik | 27. August 2013 um 12:56 |

            Wobei mir ja noch niemand erklären konnte, wozu eigentlich Wasserzeichen gut sein sollen. Gut, die Produzenten von Wasserzeichen verdienen damit Geld. Aber sonst?

          • Lieber Rainer,

            Sie haben mich missverstanden: Ich bezog mich nicht auf DRM, sondern darauf, dass viele Reader-Anbieter wie eben Amazon versuchen „geschlossene Systeme“ einzurichten, den Kunden via Gerät, Cloud oder Dateiformat an sich zu binden.

            Überspitzt formuliert nach dem Motto: Wechsel das Gerät bzw. den Geräteanbieter und deine bisher zusammengekaufte Bibliothek ist futsch.

            Viele Kundenstimmen in der Diskussion zeigen sich davon genervt, oder führen solche „Sperenzchen“ an, „warum es für viele Leute „bequemer“ ist, sich in den dunklen Ecken des Netzes zu bedienen“ (Zitat von Ihnen ;-))

            Und diesbezüglich eben habe ich Ihnen Recht gegeben. Sinnig wäre ein System à la MP3, bei dem die Dateien immer nutzbar sind, egal ob der Player nun von X oder Y ist. Aber das gegenüber einem Global Player wie Amazon durchzusetzen liegt nicht in der Macht kleiner und mittelständischer Verlage in Deutschland.

            Die DRM-Debatte selbst ist schwierig: Hartes DRM nervt den Kunden und hält Kriminelle wie Spiegelbest nicht ab. Also bringt eigentlich nicht viel, außer dass man diejenigen dazwischen vom wilden Verteilen abhält. Und das reicht eben vielen als Pro, DRM als Versuch der Schadensbegrenzung.

        • Verehrter Herr spiegelbest,
          wer ist denn „Das Netz“?

          Und: Wenn ich Google bitte, meine Seiten nicht zu verwenden, dann hält sich Google dran.

          • spiegelbest | 27. August 2013 um 17:03 |

            @René Kohl: Der Punkt geht an dich. Praktisch enteignet Google News zwar fremden Content entschädigungslos. Aber völlig theoretisch ist es möglich, eigene Inhalte aus der Googlesuche zu entfernen. Das ist bei uns Buchpiraten nicht möglich. Insofern muss der Vergleich in die Instandsetzung.

      • Warum wohl ist es für viele Leute „bequemer“, sich in den dunklen Ecken des Netzes zu bedienen? Immer nur mit dem Finger auf die bösen Piraten zu zeigen und zu heulen, man könne als Verlag nix tun, ist jämmerlich.

        Lieber Herr K., wenn die Verlage endlich begreifen, was die Musik“industrie“ schon länger erkannt hat, dann würden sie zunächst mal auf hartes DRM verzichten. Das Gehampel, was man mit dem Adobe-Quatsch hat, mit Ladeproblemen, Autorisierungsproblemen beim ersten Benutzen und nach Reader-Abstürzen usw. könnte man sich als Nutzer sparen. Amazon hat zwar auch ein eigenes DRM-System, deren Kunden haben aber „dank“ eines geschlossenen Systems keine merklichen Probleme damit (außer es wird ihnen das Konto gesperrt …).

        Ich kaufe gern Bücher und ebooks. Ich hab aber Bauchschmerzen angesichts der teilweise absurden Preise für ebooks, deren Verwendbarkeit durch DRM eingeschränkt ist. Und ich empfinde es als Wohltat, wenn ich ebooks kaufen kann, die entweder gar kein DRM drauf haben oder nur ein Wasserzeichen. Damit kann ich leben, weil der Einkauf so akzeptabel läuft, ich die ebooks mittels Calibre problemlos auf dem Rechner verwalten kann (inkl. Anpassung von Metadaten oder Cover) und ich problemlos ebooks auf meine Reader bekomme. Mit DRM bin ich hier und da ziemlich eingeschränkt. Ebooks sind nun mal elektronische Medien. Und so wie ich bei MP3 mittels diverser Programme meine eigene Verwaltung aufbauen und die Metadaten der Dateien nach meinem Gusto beeinflussen kann, so will ich es auch bei ebooks.

        In den dunklen Ecken des Netzes bedienen sich ja nicht Oma und Opa, die zu Weihnachten einen Reader von den Enkeln bekommen haben. Es sind erfahrene Leute, die es satt haben, in der „neuen“ digitalen Welt (Achtung: Neuland! *Ironie*) mit willkürlichen Einschränkungen leben zu müssen.

        Seit es DRM-freie Musik gibt und Online-Videotheken, seit dem ist der Absatz bezahlter digitaler Medien gestiegen. Dass daneben weiter die Piraten mit ihren Angeboten existieren, ist so und wird nicht änderbar sein, solange man sie nicht greifen kann. Aber wirklich attraktive Angebote für einfachen Erwerb ohne Gängeleien bereitzustellen, das könnten die Verlage heute schon. Aber nein, die Sturköpfe mit ihren Papierstaub-vernebelten Hirnen müssen wohl erst alle Fehler der Musik- und Filmindustrie wiederholen, bevor sie was gelernt haben.

      • Surfbrett-Leser | 26. August 2013 um 19:18 | Antworten

        Das ist doch lächerlich!! Auf b***.to gibt es bisher 40’000 Bücher. Davon sind 98% Dienstmagd-Niveau. Ich muß mir also 90% meiner Bücher immer noch kaufen!! Denn es gibt über 2 Mio Bücher, die man kaufen kann. Und die Elite dieses Landes kauft nun mal keine DM-Romane!! Es wäre z. B. sinnvoll, daß die Regierung alle Bücher aufkauft und gratis dann anbietet! es gibt eh keinen Bücher-Markt!! Und die Kosten wären weniger als 1%o der Geldverschwendung alleine im Kriegsministerium!
        Anmerkung: Link deaktiviert und anonymisiert Red.

    • Ein paar Verlage haben schon dazugelernt und verzichten auf DRM.

  7. In dem Interview steht so einiges, das bitter, aber nichtsdestoweniger wahr ist oder wahr werden könnte. Was eine eventuelle Flatrate angeht, wird es für die sehr heterogene Verlagslandschaft freilich bedeutend schwieriger werden als für die paar wenigen Großkonzerne der Musikindustrie, deren Zahlen nach Jahren im Tal der Tränen allmählich wieder nach oben gehen (wobei die Musikindustrie inzwischen auch an Konzerten mitverdient; ähnliche Extra-Einnahmequellen zeichnen sich für die Buchbranche nicht ab).

    Was tun? Wenn’s läuft wie immer, wird der Börsenverein jetzt vermutlich eine kostspielige Kampagne in Auftrag geben, z. B. Aufkleber für’s Spiegel-Bestenlisten-Regal, wo dann steht: „Du Kunde machst uns keinesfalls froh, holst du dir diese Bücher umsonst bei b***.to“. Ok, am Versmaß wäre noch zu arbeiten.

  8. „[…] Anders als üblich, wird die Plattform nicht anonymisiert,
    sondern interessierte Nutzer erfahren in dem Artikel den Klarnamen und
    somit auch die URL. […]“

    Die vollständige URL findet sich auch im Buchreport Express Nr. 33 auf Seite 19.

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