Wird Thalia amerikanisch?

Foto ©Douglas, v.li.: Burkhard Bamberger (Finanzen), Anke Giesen (Personal, Recht), Michael Busch (Thalia), Henning Kreke (Vorstandsvorsitzender), Manfred Kroneder (Parfümerien).

Im März versicherte Douglas, man wolle die kriselnde Buch-Tochter Thalia nicht verkaufen, sondern in Eigenregie sanieren. Fünf Monate später sind die Pläne möglicherweise Makulatur. Ein US-Finanzinvestor steht offenbar kurz vor der Übernahme des Hagener Einzelhandelskonzerns. Und dann würden die Thalia-Karten neu gemischt.

Wie die „Financial Times Deutschland“ berichtet, steht Advent International vor einer Einigung mit den Großaktionären Müller und Oetker, die den Amerikanern auf einen Schlag die Mehrheit (bis zu 52%) der Douglas-Aktien bescheren würde. Aktuell regiert die Familie Kreke im Konzern, obwohl sie nur 12,7% der Anteile besitzt.

Ein Übernahmeangebot könnte, so die „FTD“, schon kommende Woche erfolgen. Advent wolle etwa 38 bis 40 Euro für die Douglas-Aktien bezahlen, was Douglas mit 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro bewerten würde.
Der Bericht deckt sich mit den Recherchen des „Manager Magazins“, das in der vergangenen Woche berichtet hatte, die Konzernlenker Jörn und Henning Kreke fürchteten eine feindliche Übernahme, weil das Private-Equity-Unternehmen Advent direkt mit dem Drogerie-König verhandele und auch Großaktionär Oetker einen Verkauf der Anteile in Betracht ziehe. 
Dagegen meldet Reuters am heutigen Dienstag (28. August) unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld von Advent, die Gespräche seien noch im Gang, weil der US-Investor eine gütliche Lösung für alle Beteiligten suche. Der Preis (38 bis 40 Euro) sei eher „wishful thinking“ als eine realistische Bewertung.
Sollten die Amerikaner den Zuschlag erhalten, zu welchem Preis auch immer, werden die Perspektiven von Thalia, dem Sorgenkind bei Douglas, mit Sicherheit neu ausgelotet. Sollte Advent einen Verkauf favorisieren, bleibt die Frage, ob es Interessenten auf dem Markt gibt – bei Weltbild war ein Verkauf ebenfalls daran gescheitert.

Wer ist Advent?

Das Unternehmen wurde 1984 gegründet und zählt sich selbst heute zu den erfahrensten Private-Equity-Investoren weltweit. In den vergangenen 25 Jahren habe man 24 Mrd Dollar an Kapital eingeworben und mit dem Geld Beteiligungen an mehr als 250 Firmen erworben. Weltweit beschäftigt Advent nach eigene Angaben 280 Mitarbeiter, die Investitionskapital von mehr als 200 institutionellen Investoren verwalteten. Ein Viertel der Beteiligungen entfällt auf das Segment Telekommunikation/Medien/Technologie, 19% auf Einzelhandel.

In Deutschland übernahm Advent beispielsweise 2007 den Textil-Discounter Takko (Kaufpreis 770 Mio Euro) und reichte diesen 2010 an die Private-Equity-Kollegen von Apax Partners weiter. Der Kaufpreis soll damals bei rund 1,25 Mrd Euro gelegen haben.

Mehr zur Krise der Buch-Filialisten im Dossier von buchreport.de

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