Hochpreisinsel Schweiz hat zur Niederlage geführt

Nach Einschätzung von Stefan Fritsch (Foto: Diogenes), Leiter Markt und Organisation bei Diogenes, liegt die Ursache für das verlorene Referendum bei den Auswirkungen des „fatal tiefen Eurokurs“. Jetzt werde der Wettbewerb über den Preis von Bestsellern verschärft.
Wie schätzen Sie das Ergebnis des Referendums ein?
Das Ergebnis ist mit 58% Nein-Stimmen recht klar. Die Westschweizer Kantone haben  alle Mehrheiten für die Preisbindung erreicht. Das kann nur daran liegen, dass die Preisbindung dort seit neun Jahren nicht mehr existiert und die Auswirkungen bereits deutlicher spürbar sind. Es sind bereits viel Buchhandlungen verschwunden, und die Buchpreise sind in der Zeit extrem gestiegen.
In der Deutschschweiz haben die Gegner der Preisbindung überwiegend die Preisargumente gesetzt. Dabei wird vergessen, dass die Preise derzeit in der Schweiz gegenüber den Euroländern stark überhöht erscheinen, auch wenn sie seit Jahren stabil sind. Das liegt an dem fatal tiefen Eurokurs und betrifft ja auch alle anderen Waren und Dienstleistungen, die so wesentlich teurer sind in Deutschland. Die Abstimmungsniederlage ist zum großen Teil ein Ergebnis der Situation in der Hochpreisinsel Schweiz. Die Anzahl der Menschen, für die das Kulturgut Buch eine besondere und unterstützenswerte Bedeutung hat, ist nun einmal eine Minderheit.
Wie wird sich die Schweizer Buchbranche in den kommenden Jahren entwickeln? 
Der Wettbewerb über den Preis von Bestsellern wird weiter zunehmen und die sowieso in einem starken Umbruch befindliche Buchbranche zusätzlich unter Druck setzen. Das wird nicht ohne Folgen für die Buchhandelslandschaft in der Schweiz bleiben. 

Kommentare

3 Kommentare zu "Hochpreisinsel Schweiz hat zur Niederlage geführt"

  1. Ulrich Groeschel | 12. März 2012 um 20:53 | Antworten

    Ich könnte mir vorstellen, dass Bücher die in Deutschland der Preisbindung unterliegen in der Schweiz billiger angeboten werden können als in Deutschland.

  2. Übrigens ist es ziemlich überheblich zu behaupten, dass „Die Anzahl der Menschen, für die das Kulturgut Buch eine besondere und unterstützenswerte Bedeutung hat (…) nun mal einmal eine Minderheit“ sei. Damit soll offenbar behauptet werden, dass nur diejenigen, die für eine Buchpreisbindung sind, das Buch für ein unterstützungswürdiges Kulturgut halten. Da wird der Weg mit dem Ziel verwechselt. Man kann sehr wohl das Buch für ein unterstützungswürdiges Kulturgut halten und sich gegen eine Buchpreisbindung aussprechen. Oder vielleicht sogar gerade deswegen.

  3. Da stimmt einiges nicht. 1. Die Westschweiz hat nicht dagegen gestimmt, weil dort die Buchpreisbindung nicht mehr existiere und dadurch die Preise in die Höhe gestiegen sind. Fakt ist, dass in der Westscheiz ein Importkartell existiert, das die Stimmberechtigten mit einer Preisbindung in Verbindung des schweizerischen Preisüberwachers aushebeln wollten. Hier hat die schweizerische Wettbewerbskommission bisher versagt, den ein solches Importkartell gilt es so zu unterbinden. 2. Die Preise werden ohne Preisbindung nicht generell teurer. Sie wurden nach der Aufhebung der Preisbindung in der Deutschschweiz bei vielen Anbietern viel billiger. Preisvorteile erhalten aber nur diejenigen, die auch bereits sind, die Preise zu vergleichen und die Bücher schliesslich über das Internet zu bestellen.

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