Knaller oder heiße Luft?

„Ich habe selten ein Thema erlebt, das so an der Wirklichkeit vorbeigeht“ – an der Frage, ob E-Reader und E-Books den Buchhandel revolutionieren, scheiden sich im stationären Sortiment die Geister. 

Das ist ein Ergebnis einer buchreport-Umfrage im kleineren und mittleren Standortbuchhandel zum Jahresauftakt (die weiteren Ergebnisse der Umfrage lesen Sie im buchreport.express 2/2012 und 3/2012). 

Einige Details aus der Stichprobe zu den Verkaufserfahrungen im Dezember:
  • Insgesamt 51% der Umfrageteilnehmer haben von vornherein keine E-Reader aufgenommen. Bei den kleineren Buchhändlern (unter 1 Mio Euro Jahresumsatz) blieben 71% abstinent.
  • Die Verkäufe waren in der Regel sehr überschaubar. „Wir haben einen bis fünf Reader verkauft“, gaben 35% der Teilnehmer an. Lediglich 1 % meldete für den Dezember „21 bis 25“ abgesetzte Geräte.
Bietet der E-Reader-Verkauf mit implementierten Shop-Funktionen dem stationären Sortiment wirklich die Möglichkeit der Teilhabe an digitalen Vertriebskanälen? Viele Buchhändler verneinen das mit klaren Worten. Einige Stimmen aus dem Sortiment:
  • „Man verkauft Ware, ohne sie wirklich zu kennen und verdient nichts daran. Man verkauft den eigenen Sargnagel. Wie blöd kann man sein.“
  • „Ulkigerweise haben wir zwar 6 Reader verkauft, aber erst wenige Downloads gehabt. Die Beschenkten trauen sich wohl nicht so recht, das Gerät zu benutzen.“
  • „Ich führe keine E-Reader, weil es wirklich und ehrlich keine Nachfrage gibt. Und mich einzusetzen für ein Produkt, das mich auf Dauer überflüssig macht, halte ich für irre.“
  • „Wir haben den Liro und verkaufen ihn jetzt im Januar munter weiter. Die Leute sind relativ schnell entschlossen.“
  • „Wir haben während des Weihnachtsgeschäfts zwei Reader verkauft. Warum nennen die ,Großen‘ keine Zahlen, wenn sie so gut verkauft haben. Viel heiße Luft.“
  • „Wir führen E-Reader, werden wenig gefragt, wollen aber unsere Kompetenz zeigen und auf den Verkauf hinweisen, damit die Bindung zur Buchhandlung bleibt.“
  • „Wir verkaufen zwar die entsprechende Hardware, die Downloadabrechnungen sind prozentual aber nicht erfassbar.“ 
  • „Die Handhabung ist schwierig und die Konzepte teuer und nicht zu Ende gedacht. Wir sollen investieren, damit andere Umsatz machen und an unsere Kundendaten kommen. Und dann werden wir auch noch mit einem Minimalrabatt abgespeist.“
  • Bei der Versandbuchhandlung Kohlibri war das E-Reader-Geschäft „um einiges lebhafter als vor einem Jahr“, berichtet Geschäftsführer René Kohl
  • Die Nachfrage nach E-Readern habe deutlich zugenommen, berichtet auch Thomas Wrensch von der Buchhandlung Graff (Braunschweig).
  • Auch Susanne Martin von der Schiller Buchhandlung in Stuttgart verzeichnet seit der Frankfurter Buchmesse eine deutlich höhere Nachfrage nach E-Readern. 
  • Für Martina Bergmann von Bücherland Westfalen (Borgholzhausen) ist das Reader- und E-Book-Geschäft kein relevanter Umsatzfaktor, aber ein wichtiges Instrument der Kundenbindung. 
Weil große Anbieter Klarzahlen zu den Verkäufen unter Verschluss in den Schubladen lassen, bleiben die tatsächlichen Vitalwerte des Reader-Geschäfts weiterhin spekulativ:
  • Der Versender Weltbild hat vom hauseigenen Reader nach eigenen Angaben „eine hohe sechsstellige Zahl“ unter die Tannenbäume gelegt (hier mehr).
  • Amazon.de jubelt den Kindle zum „meistverkauften, meistgewünschten und meistverschenkten Produkt im Weihnachtsgeschäft 2011“ hoch (hier mehr).
  • Der kanadische E-Book-Spezialist Kobo verzeichnete nach eigenen Angaben während der Vorweihnachtszeit (weltweit) einen 10-fachen Zuwachs an Neukunden, seit Weihnachten seien täglich Hunderttausende von Geräten aktiviert worden.  
  • Die MVB, Wirtschaftstochter des Börsenvereins, beziffert Liro-Verkäufe „im mittleren vierstelligen Bereich“. Im Advent wurden 2200 an Buchhandlungen ausgelieferte Lesegeräte gemeldet.
  • Das Barsortiment KNV hat „80% der ersten Bestelltranche“ des Iriver-Readers im Handel untergebracht. 
  • Libri wollte sich auf Anfrage von buchreport nicht zu den Absatzzahlen äußern.

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