Günstig geht nicht

Die rund 500 Mitglieder zählende buchhändlerische Genossenschaft eBuch hat eine einstweilige Verfügung gegen den Onlinehändler Redcoon erwirkt. Demnach darf die von Online-Tochter von Saturn und Media Markt nicht mehr mit dem Slogan „Elektronik & Bücher günstig“ werben.

Das Wort „günstig“ treffe nicht zu, weil Redcoon nur preisgebundene Bücher verkaufe (was nicht stimmt, da Redcoon z.B. auch englischsprachige Bücher im Sortiment hat, d. Red.); ein Vorteil für den Kauf bei Redcoon gegenüber anderen Händlern sei nicht erkennbar, begründet die eBuch die eigene Offensive gegen den Shop. Auch die Werbebotschaft „Buch plus Artikel: keine Versandkosten“ sei verboten worden.

Im Gegenzug muss die eBuch jedoch das eigene Preisbindungsplakat („Sie wollen Prozente?“) ändern, das von Redcoon wiederum per „Schubladenverfügung“ attackiert worden sei; bei zwei Buchhandlungen seien Abmahnungen in diesem Punkt erwirkt worden.

Hintergrund: Im letzten Satz des Plakates heißt es: „95% aller Bücher liefert Ihr Buchhändler sofort oder über Nacht – portofrei!“ Obwohl stationäre Händler i.d.R. nicht liefern, sondern Bücher entweder im Laden haben oder über Nacht besorgen, und zwar gebühren und nicht portofrei.

Jetzt müssten zwei Worte auf den Plakaten bis zum 27.12. ausgewechselt werden (notfalls handschriftlich). Laut eBuch haben über 700 Buchhandlungen im Sommer Plakate und Flyer zur Preisbindungs-Kampagne bestellt; alle Besteller seien angeschrieben worden und erhielten ein A4-Plakat mit der neuen Formulierung und auch eine Bestellmöglichkeit für das neue Plakat.

Bei der eBuch feiert man die EV als Sieg. „Redcoon war ganz offensichtlich sehr überrascht, dass kleine Buchhändler sich so massiv zu wehren wissen.“

Kommentare

2 Kommentare zu "Günstig geht nicht"

  1. Ich finde es vollkommen daneben, dass aus unserer Branche heraus „günstig“ in Verbindung mit preisgebundenen Büchern als nicht zulässig abgeurteilt wird.
    Gerade wegen der Preisbindung sind die Bücher bei uns „günstig“. Ein Blick über die Landesgrenzen und den eigenen Horizont wäre da sehr aufklärend. „Günstig“ ist deswegen für uns ein Argument FÜR die Preisbindung. Die Gegner der Preisbindung behaupten immer, dass diese die Buchpreise künstlich hochhalten würde. Ich ärgere mich darüber, dass die eBuch dieser Argumentation auf den Leim gegangen zu sein scheint, und damit einem Marketingargument der Branche für die Preisbindung die Tür zuschlägt.
    Wie heißt es so schön: Das Gegenteil von GUT ist GUT GEMEINT.

  2. Also bei MSI war redcoon auch immer günstig.

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