Botschaft in jedes Buch

Die Buchpreisbindung ist beim Publikum wenig bekannt (s. dazu auch die Ergebnisse einer buchreport-Verbraucherbefragung). In einer buchreport-Umfrage hatten zahlreiche Standortbuchhändler eine offensivere Branchenkommunikation zur Preisbindung gefordert. (hier mehr)

Nachdem er seine Idee bereits auf den Buchtagen in Berlin kurz erläutert hat, hat Lorenz Borsche, Vorstand der eBuch-Genossenschaft, die ca. 500 Buchhandlungen verbindet, jetzt einen offenen Brief an die Verleger geschickt. Sein Brief im Wortlaut: 

Haben Bücher feste Preise? Und wenn ja: wer weiß davon?

Das Menetekel steht schon an der Wand: Nur noch 17% aller Leser wissen, dass Bücher feste Preise haben – aber 46% meinen heutzutage, im Internet seien Bücher auf jeden Fall billiger – so eine repräsentative Umfrage von emnid im Auftrag des buchreport.

Welche Folgen das haben wird? Keine guten für uns alle, das ist sicher. Folgen wir dem historischen Quer- und Vordenker Georg Christoph Lichtenberg (s. oben), dann sollten wir aber handeln, statt uns zu ängstigen.

Und wie handeln? Eine bundesweite Werbe-Kampagne für die Preisbindung, wie manche Buchhändler sie lautstark fordern? Und dann vorher die Querelen um das WAS und WIE, mittendrin ein überflüssiger öffentlicher Diskurs über Sinn und Zweck – nicht etwa der Preisbindung, sondern einer solchen Kampagne, und hinterher die Querelen, weil unsere Millionen verschwunden sind, ohne dass die erhoffte Wirkung eingetreten wäre?

Liebe Verleger, lassen Sie uns doch den Leser auf die Preisbindung ansprechen, wo er uns ohnehin schon zuhört: im Buch! Das aber können nur Sie bewirken!
Das Schöne daran: auch die Onliner müssten dann zusammen mit dem Produkt diese Botschaft verbreiten. Es bedarf dazu keiner Plakatwand und (fast) keiner Zusatzkosten. Es wird auch keinen öffentlichen Diskurs darüber geben, ob wir für Werbung zu viel Geld hätten. Und die Nachricht, in jedes Buch eingebrannt, wird irgendwann Bestandteil des ‚Kollektiven Unbewussten‘ werden:

Frische Bücher kosten überall dasselbe.

Das sollten Sie, die Verleger bitte in Zukunft in jedes neue Buch (und jedes eBook 😉 an prominenter Stelle eindrucken, damit diese Botschaft transportiert wird, das ist die Bitte der Buchhändler, nein, das sollte auch Ihre eigene Bitte an Ihre werten Kollegen sein – im gegenseitigen Interesse! Denn nur wenn alle mittun, kann das was werden.

Über den Text wird zu diskutieren sein, keine Frage, ein Spruch alleine genügt nicht, er ist erklärungsbedürftig. Ein paar Ideen eines wahren „Mit-Leib-und-Seele“-Buchhändlers zu einer solchen „Seite im Buch“ wären:

  • warum nicht unterschiedliche Texte?
  • warum nicht ein Cartoon?
  • oder: AkS oder SoA oder Buchmarkt schreibt einen Wettbewerb aus…

Ich möchte ergänzen: ein solcher Wettbewerb könnte vielleicht vom Verband so dotiert werden, dass auch professionelle Werbefachleute ausserhalb der Branche Lust hätten mitzumachen? Und von den Einreichungen suchen sich die Verlage dann ihre Wunschseite aus?

Wenn ein solcher Hinweis wirklich in jedem Buch erscheint, ist das ganz sicher besser als jede teure öffentliche Kampagne, denn wenn die Kampagne längst wieder vergessen sein wird, sind es die Bücher, die alten und die neuen, die immer noch da sind – mit der immer gleichen Botschaft, die damit auch bleiben und überleben wird.

Einen Textvorschlag (vermutlich zu lang, aber gerne als Anregung und/oder Quelle für andere zu verstehen) möchte ich gleich mit vorlegen:

Frische Bücher kosten überall dasselbe.
Bücher sind keine Ware wie jede andere; sie tragen die Ideen, das Wissen und den Geist unserer Kultur, sie sollen uns fesseln und unterhalten, aber auch lehren und beraten – in allen Lebenslagen und allüberall.

Deshalb kosten druckfrische Bücher per Gesetz auch allüberall dasselbe – im Internet  genauso viel wie in der kleinen Buchhandlung um die Ecke, im großen Bücherkaufhaus in der Innenstadt genauso viel wie im Einkaufscenter auf der grünen Wiese.

Beim festen Ladenpreis für Bücher gibt es zwar auch Ausnahmen, Mängelexemplare zum Beispiel, oder Altauflagen, aber der Anteil ist gering. Für Sie bedeutet das: Frische Bücher können Sie – ohne nachzudenken – immer genau dort einkaufen, wo es für Sie am angenehmsten ist, im Buchladen nebenan oder im weltweiten Internet, im Stadtzentrum oder beim Großeinkauf auf der grünen Wiese, keine Sorge: sie kosten immer gleich viel!

Ganz nebenbei: In Ländern ohne Preisbindung sind nur ganz wenige Bestseller billiger geworden, die meisten anderen Bücher aber teurer. Aber anderes hat die Aufhebung der Preisbindung dort bewirkt: In Schweden verschwanden ein Viertel aller Buchhandlungen, in England wurden Bücher insgesamt 8% teurer – trotzdem sind genau dort „die Mehrzahl der Autorinnen und Autoren heute finanziell eher schlechter gestellt als vor der Aufhebung der Buchpreisbindung.“ (Prognos AG, 2000).

Die Autoren, die Verlage, die meisten Leser und natürlich die Buchhandlungen waren die Leidtragenden dieses Preiskampfes – zu Gunsten von z.B. Supermärkten.

Deshalb gibt es bei uns die Preisbindung. Zu Gunsten der kulturellen Vielfalt, zu Gunsten des Lesers, zu Gunsten fairer Preise, zu Ihren Gunsten.

Lassen Sie mich schliessen, liebe Kollegen, mit dem Fazit, das die schon erwähnte Prognos AG bei der Untersuchung der zukünftigen Auswirkungen einer Aufhebung der Preisbindung in der Schweiz gezogen hat und das genau beleuchtet, warum wir die Preisbindung gemeinsam und aktiv unseren Kunden, den Lesern nahebringen sollten:

Eine wissenschaftliche Bewertung der Effekte mit dem Ziel, zu einer methodisch
abgesicherten Aussage zu kommen, ob im Falle einer Aufhebung der Buchpreisbindung die Vor- oder die Nachteile überwiegen würden, war nicht Bestandteil des Auftrages an Prognos.

Prognos hatte aber in den vergangenen Monaten dank des Auftrages des Bundesamtes für Kultur die Möglichkeit, sich so intensiv mit allen Aspekten der Buchpreisbindung in der Schweiz auseinanderzusetzen, wie niemand zuvor. Deshalb, und weil es nicht mehr vorgesehen ist, noch eine wissenschaftliche Bewertung der Vor- und Nachteile vorzunehmen, ist es der Prognos ein Anliegen, am Ende ihrer Arbeit dem Auftraggeber auch mitzuteilen, zu
welchem Schluss sie in der Frage der Buchpreisbindung gekommen ist:

Prognos kommt zum Schluss, dass die Nachteile einer Aufgabe des Systems der
Buchpreisbindung (Preiserhöhung bei den meisten Titeln, Beschleunigung des
Konzentrationsprozesses im Detailhandel mit Büchern, Abbau von Serviceleistungen im Zwischenhandel, Verschlechterung der Entwicklungsbedingungen für das einheimische Literaturschaffen, Unterlaufen der Preisbindungssysteme in Deutschland und Österreich) die Vorteile (sinkende Bestsellerpreise, Belebung des Wettbewerbs) überwiegen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

P.S.: Natürlich müssen alle Formulierungen oder Aussagen mit den gesetzlichen Verhältnissen in Österreich und der Schweiz kompatibel sein, daran gilt es zu denken.

Mit besten Grüssen
Lorenz Borsche“

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