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Dienstag, 19. Februar 2013 (11:39 Uhr)


E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann zum Amazon-Skandal

„Die Amazon-Maschine funktioniert perfekt“

Schadet der Leiharbeiter-Skandal dem E-Commerce-Marktführer? – Dafür fehlt es an echter Konkurrenz, die davon profitieren könnte, meint der Internethandels-Experte Gerrit Heinemann (Foto). Der Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein erklärt im Interview, dass auch bei Apple & Co. Missstände herrschen.

Haben Sie die Rechercheergebnisse der ARD überrascht? 
Nein, denn es passt zu dem was die Gewerkschaften schon lange munkeln. Etliche Themen werden bei der aktuellen Diskussion immer noch unter den Tisch gekehrt wie zum Beispiel untertarifliche Bezahlungen überwiegend befristete Einstellungen. Wenn Amazon – wie jetzt aktuell in Presseerklärungen – von 8000 festangestellten Mitarbeitern spricht, dann sind die meisten wahrscheinlich „Befristete“, vor allem in der Logistik.

Fußt das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Amazon auf einer systematischen Ausbeutung der Mitarbeiter, wie derzeit häufig behauptet wird?

Das Geschäftsmodell fußt zumindest auf Preisunterbietungen, und die sind einfacher mit geringeren Kosten. Dennoch sollte man fairerweise sagen, dass alle amerikanische Unternehmen der New-Economy sich nicht viel tun. Apple ist wahrscheinlich noch um Einiges schlimmer. Aber fragen Sie mal einen Apple-Kunden, ob er auf das Gerät verzichten würde. 

Ist der Shitstorm, der sich nach der ARD-Doku entwickelt hat, gefährlich für Amazon? Gehen Sie davon aus, dass Wettbewerber profitieren können?

Nein, denn es gibt vielfach keine echte Alternative zu Amazon. Nicht umsonst liegt Amazon auf Platz 1 der Kundenzufriedenheit. Die Maschine funktioniert perfekt und ist gut eingestellt. Was man sonst nirgendwo bekommt, bei Amazon gibt es das in der Regel. Tatsache ist, dass die meisten Online-Händler im Amazon-Vergleich einfach schlecht sind.  

Amazon hat kürzlich erstmals Umsatzzahlen für Deutschland bekanntgegeben, die höher ausfallen als viele Schätzungen. Hat Sie die Stärke von Amazon auch erstaunt?

Nein, ich habe schon seit längerem auf zu niedrige Umsätze verwiesen und hatte zuletzt im November eigene Hochrechnung veröffentlicht (vgl. Internet World Business vom 26.10.12), die den veröffentlichten Umsatzzahlen in etwa entsprach. Man muss ja nur in die 10-K-Filings von Amazon schauen, da steht ja immer alles drin. Und dass dort von den Marktplatzumsätzen nur die Margen enthalten sind, müsste der Fachmann wissen. Mich erstaunt vor allem die Inkompetenz bei Zahlenrecherchen generell, vor allem von den Handelsverbänden, denn HDE und EHI hatten für Amazon 3,4 Mrd Euro und damit nur rund die Hälfte veröffentlicht. Mich regt im Übrigen wahnsinnig auf, dass insbesondere die Handelsverbände auch das Thema Online-Handel immer noch kleinreden und notwendige Gegenmaßnahmen der Mitglieder vernebeln. Noch einmal zu Amazon: Auch die veröffentlichten 6,5 Mrd Euro für Deutschland für 2012 sind zu niedrig angegeben, denn das Umsatzvolumen der Marktplätze ist darin nur als Ertrag enthalten. Das tatsächliche Umsatzvolumen liegt eher bei 9 Mrd Euro.

Die Fragen stellte Daniel Lenz



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