Tief in den roten Zahlen

„Work hard, play hard“ (im übertragenen Sinn: Hart arbeiten, viel feiern) heißt der unter Managern beliebte Spruch, den Amazon-Chef Jeff Bezos anlässlich der Präsentation der neuen Quartalszahlen klugerweise zu „hart arbeiten, um weniger Geld zu verlangen“ abwandelt – der Kunde bleibt König beim weltgrößten Onlineshop. Zum Feiern hat Bezos aktuell keinen Grund: 
  • Zwar stieg der Umsatz – nach dem bekannten Amazon-Muster der vergangenen Quartale – von Juli bis September 2012 deutlich um 27% auf 13,8 Mrd Dollar.
  • Und auf 9-Monatssicht stiegen die Erlöse sogar um fast 30% auf 39,8 Md Dollar.
  • Unter dem Strich für das vergangene Quartal stand allerdings erstmals seit dem 2. Quartal 2003 ein Nettoverlust von sage und schreibe 274 Mio Dollar – im Vorjahreszeitraum konnte Amazon noch einen Gewinn in Höhe von 63 Mio Dollar auswiesen.
Amazon führt den hohen Verlust hauptsächlich auf Abschreibungen auf das eigene Rabattportal LivingSocial zurück.
Das Hauptproblem ist jedoch ein anderes: Die Investitionen des Online-Händlers ins Tablet- und Reader-Geschäft zahlen sich offenbar nicht aus. Bezos räumte kürzlich selbst ein, dass Amazon die Hardware praktisch zum Produktionspreis verkauft. Folge: Das Tablet Kindle Fire HD und die Reader Kindle Paperwhite und Kindle sind laut Bezos die drei meistverkauften Artikel von Amazon weltweit – sorgen aber für tiefrote Zahlen in der Bilanz.
Auf der Konferenz „Publisher’s Launch“ erklärte kürzlich Benedict Evans (Enders Analysis), dass Amazon in den USA nur noch ein Viertel des Umsatzes mit Medien erwirtschafte, Tendenz sinkend; entsprechend bestehe das Ziel der Kindle-Tablets primär nicht darin, selbst profitabel zu sein, sondern den Nutzer (z.B. in den Fernseh-Werbepausen auf der Couch) zu animieren, bei Amazon einzukaufen – von der Waschmaschine bis zum Fotoapparat.
„Amazon gibt jede Menge Geld aus, um Marktanteile zu gewinnen. Sie sind offensichtlich, wie sie es nennen, dabei, in neue Geschäftsfelder zu investieren. Jeder andere würde es Geldverlieren nennen“, kritisiert Sucharita Mulpuru, Analystin bei Forrester Research, die vorgelegten Zahlen.
Die riskante Strategie von Amazon wird besonders mit Blick auf das entscheidende 4. Quartal 2012 sichtbar: Die Prognose von Amazon schwankt zwischen 490 Mio Dollar operativem Verlust und einem Gewinn von 310 Mio Dollar.

Kommentare

1 Kommentar zu "Tief in den roten Zahlen"

  1. und natürlich ist die Strategie für Amazon richtig, um noch mehr an Reichweite zu gewinnen, muss man eben investieren und das tut Amazon hiermit, denn Stillstand ist der Tod. Soviele Millionen, damit der Kunde in der Amazon Welt einkauft. Können sich die Deutschen so eine Strategie leisten, wie Weltbild, Thalia und Co? Schade, dass wir Deutsche nicht so denken und auch mal etwas riskieren, stattdessen warten wir auf den passenden Zeitpunkt, um auf den Zug zu springen. Obwohl dieser schon längst an uns vorbei ist. Na dann gute Nacht!

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