Thalia kritisiert niedrige E-Book-Preise

Nach buchreport-Informationen hat sich der marktführende Buchhändler Thalia Mayersche in einem Rundschreiben an Publikumsverlage gewandt: Thema Digitalmarketing. Eine Reihe von Verlagen fährt regelmäßig Preisaktionen sowohl für ältere als auch für neue E-Books. 

Eine buchreport-Analyse der E-Book-Verkäufe hatte beispielsweise zuletzt ergeben:

  • Aktionen: Von den 20 meistverkauften E-Book-Titeln im Februar wurden allein 15 durch Preisabschläge von durchschnittlich 50% gepusht, 13 mit Aktionspreisen, 2 Backlisttitel durch Dauer-Preissenkung.
  • Preispunkte: Die Aktionspreise liegen bei 3,99 und 4,99 Euro.

Ortner: »Die Verlage sollen beitragen, dass am Ende auch Margen übrig bleiben, die uns allen in der Branche ein Überleben sichern.«

Thalia-Geschäftsführer Klaus Ortner

Der für Einkauf und Logistik verantwortliche Geschäftsführer Klaus Ortner fragt jetzt zielgerichtet auf die Vertriebsabteilung der Verlage, ob dies wirklich eine sinnvolle Strategie ist. Wörtlich: „Thalia Mayersche steht auf dem Standpunkt, dass sich die Verlage bei der Preisgestaltung nicht von kurzfristigen Überlegungen leiten lassen – sondern die langfristige Perspektive im Auge behalten sollten. In Zeiten wie diesen, wird der besondere Wert des Buches, ob in gedruckter oder E-Book-Form, besonders deutlich.“

Thalia sehe eine Chance, verlorengegangene Leser wieder zurückzugewinnen. Dies werde jedoch nicht über den Preis, sondern über „spannende, informative und gute Bücher“ gelingen. Ortner: „Wir werden uns deshalb in der jetzigen Situation mit allen Kräften auf den E-Commerce-Vertrieb konzentrieren. Die Verlage sollen ihren Teil dazu beitragen, indem sie sicherstellen, dass am Ende auch Margen übrig bleiben, die uns allen in der Branche ein Überleben sichern.“

 

Hintergrund:

E-Book-Jahresanalyse zeigt Schwächen auf

 

Kommentare

2 Kommentare zu "Thalia kritisiert niedrige E-Book-Preise"

  1. Hatschi Bratschi | 8. April 2020 um 10:50 | Antworten

    Die Leserzahlen schrumpfen permanent. Es gibt nur noch Bestseller und Wühlkistenliteratur. Mit Bestsellern wird die Wühlkiste (mit)finanziert. Dazwischen gar nicht so wenige Autoren, die eher von der Fürsorge als von ihren künstlerischen Einnahmen leben. Wenn die Bücher teurer werden, wird noch weniger gelesen oder – leider – noch mehr im Internet gestohlen, als ohnehin. Es gibt kaum einen Titel, den ich im Netz nicht irgendwo gratis herunteladen könnte. Manchmal schon vor Erscheinen der Druckversion. Kein Witz!
    Merke: Wenn das Geschäft schlecht geht, erhöhen nur dumme Wirte die Preise.

  2. Dr. Sonja Ulrike Klug | 6. April 2020 um 16:24 | Antworten

    Offenbar ahmt der Handel mit den zu niedrigen E-Book-Preisen Amazon nach. Amazon benutzt kostenlose oder niedrigpreisige E-Books schon seit Jahren als „Köderstrategie“ für verschiedene Kaufprogramme.
    Leider herrscht auch bei Käufern der Irrtum vor: „E-Books müssen deutlich billiger als Printbücher sein, weil die Verlage ja sooooo viel Geld gespart haben, da die Druckkosten entfallen.“ Dass das aus Sicht von Brancheninsidern Unfug ist, weil die „eigentlichen“ Kosten längst nicht im Druck, sondern im Marketing liegen, ist klar, aber „Otto Normalverbraucher“ sieht das nicht so.
    Ansetzen müsste man meiner Ansicht nach bei der schrittweisen und schnellen Anhebung der Preise für Print-Bücher. Seit Jahr und Tag wird darüber lamentiert, dass die niedrigen Preise für niemanden mehr auskömmlich sind, für Verlage, Autoren und Handel gleichermaßen nicht – aber die Verlage verpennen die Chance, die Preise regelmäßig anzuheben. Auch wenn eine Buchpreisbindung existiert, ist es möglich, die Preise alle 18 Monate anzuheben. Das versäumen die meisten Verlage und lassen den Ursprungspreis einfach stehen – während alle anderen Branchen ihre Produktpreise praktisch jährlich anheben.
    Mit steigenden Printpreisen würden automatisch die E-Book-Preise steigen.

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